+
Seit 2017 belebt eine Initiative den Hauptbahnhof mit Kultur – wie hier bei der Luminale 2018. Foto: Monika Müller

Offenbach

Offenbach: Hoffnung für den Hauptbahnhof

  • schließen

Eine Machbarkeitsstudie soll klären, was in dem alten Empfangsgebäude an der Offenbacher Bismarckstraße entstehen könnte.

Seit zweieinhalb Jahren versuchen die Aktiven der Initiative Hauptbahnhof Offenbach, dem zu großen Teilen leerstehenden Prachtbau im Zentrum der Stadt neues Leben einzuhauchen. Jetzt geht es bei diesem Thema einen großen Schritt voran: Das Stadtplanungsamt hat in Absprache mit der Initiative und der Hochschule für Gestaltung (HfG) eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die klären soll, wie und zu welchen Kosten das 1873 errichtete und 1927 umgebaute Empfangsgebäude an der Bismarckstraße genutzt werden könnte. Kai Schmidt, einer der Mitbegründer und Sprecher der Initiative „HBFOF“ spricht von einem „Meilenstein“.

Mit der Machbarkeitsstudie beauftragt wurde die Berliner Agentur BahnStadt/stationova, deren Inhaber den Offenbacher Hauptbahnhof mit einem Architekten in der vergangenen Woche bereits mit Blick auf Bausubstanz und Raumangebot inspiziert hat. Ende des Jahres soll „BahnStadt“ das Ergebnis der Studie vorlegen, die rund 40 000 Euro kostet und von der Stadt bezahlt wird – wobei das Land Hessen voraussichtlich einen großen Teil der Kosten übernimmt, wie es von der Initiative heißt.

Mehr als Kunst und Kultur

Kai Schmidt freut sich, dass „BahnStadt“ den Zuschlag für die Studie bekommen hat, da das Büro ausschließlich Bahnhöfe und Bahnhofsareale umbaue. Die Agentur habe daher auch viel Erfahrung in der Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn, der das Offenbacher Bahnhofsgebäude gehört. Auch mit lokalen Initiativen habe die Berliner Agentur schon zusammengearbeitet – etwa in Cuxhaven, wo „BahnStadt“ ebenfalls eine Machbarkeitsstudie für einen Hauptbahnhof erstellt hat. In der norddeutschen 50 000-Einwohner-Stadt hat eine Bürgergenossenschaft den Bahnhof erworben und 2018 zu einem attraktiven und barrierefreien Ort der Begegnung umgebaut. Samt Gastronomie, Fahrradstation und Reisezentrum.

Kunst am Gleis „0“

Ab sofort ist auf dem „Gleis 0“ des Hauptbahnhofs wieder eine Ausstellung zu sehen: Künstlerinnen und Künstler der HfG werden die temporäre Galerie für jeweils zwei Tage entern und mit ihren Werken ausfüllen.

„Gleis 0“ erreicht man rechts vom Offenbacher Hauptbahnhof im Gang hinter dem Garten des ehemaligen Bahnhofsrestaurants.

Mehr Informationen zur Ausstellung und zur „Initiative Hauptbahnhof“ gibt es auf hbfof.wordpress.com. fab

Das Beispiel aus Cuxhaven zeige, dass es auch in Offenbach gelingen könne, etwas aus dem verlotterten Bahnhofsbau in bester Lage zu machen, sagt Schmidt. Tatsächlich hat sich seit Gründung der Initiative „HBFOF“ 2017 schon einiges getan: So ist es zwischenzeitlich gelungen, von der Deutschen Bahn die Genehmigung zur Nutzung einiger Räume und eines Hinterhofs zu erhalten. Immer wieder finden dort Lesungen, Konzerte und Kunstausstellungen statt. Gerade diese Woche haben Offenbacher Kunststudierende in ehemaligen Toilettenräumen des Bahnhofs eine Ausstellung eröffnet.

Die Ist-Situation bedeute aber keineswegs, dass sich die künftige Nutzung auf eine kulturelle Nutzung beschränken müsse, sagt Schmidt. Im Gegenteil: Mittlerweile hat die Initiative die HfG mit an Bord geholt; dort gibt es Überlegungen, mit einem Zentrum für Mobilitätsdesign zur Mitnutzerin des Bahnhofsgebäudes zu werden. Je nachdem eben, was in zehn Monaten in der Machbarkeitsstudie stehen wird.

Bewegung ist in den vergangenen Monaten auch in die Umnutzung eines Nachbargebäudes am Hauptbahnhof gekommen. Ein alter Verwaltungsbau neben dem beliebten Fußgängertunnel zum Senefelderquartier wird dort jetzt als temporäres Stadtteilbüro für das „Soziale Stadt“-Fördergebiet nördlich und südlich des Hauptbahnhofs zwischengenutzt. Das Quartiersmanagement will in dem bunt bemalten Bau unter anderem Initiativen wie „HBFOF“ Raum zur Vernetzung mit anderen Interessierten bieten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare