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Der Mainzer Buchkünstler Robert Schwarz hat ein Werk zu Hölderlins „Der Tod des Empedokles“ geschaffen, hier ein Detail.

Offenbach

Offenbach: Hölderlin-Ausstellung vorerst nur online

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Klingspor-Museum Offenbach sagt Eröffnung der Hölderlin-Ausstellung wegen Coronavirus ab, doch im Internet will es Lust auf einen späteren Besuch machen.

Wahrlich. Es ist ein Himmelsvorgenuss.“ Mit diesem Titel wollte das Klingspor-Museum Lust auf Buch- und Schriftkunst zu Friedrich Hölderlin anlässlich dessen 250. Geburtstag machen. Die Pressekonferenz fand gestern auch statt, allerdings mit drei Personen in sehr kleinem Rahmen. Die für heute geplante Eröffnung der Ausstellung war dagegen wegen des Coronavirus vergangenen Freitag abgesagt worden. Museumsleiter Stefan Soltek will Interessierten dennoch einen Besuch ermöglichen - virtuell.

Er lässt einen kleinen Film über die Ausstellung drehen, der ins Internet gestellt werden soll. Außerdem ist geplant, „im lockeren Rhythmus“ von drei oder vier Tagen ein einzelnes Werk vorzustellen und es kurz zu kommentieren, „damit sich die Kenntnis über die Ausstellung verbreiten kann“, sagte er.

Hölderlins „Nachtgesänge“ inspirierten den Mainzer Buchkünstler Robert Schwarz zu einem Künstlerbuch, hier ein Detail. 

Soltek hofft, dass das Museum nur bis zum 20. April geschlossen sein wird. Dann blieben noch gut sieben Wochen bis zum Ausstellungsende am 11. Juni. Der Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main fördert die Schau im Rahmen des von ihm initiierten Programms „Hölderlin 2020“, das in Bad Homburg und Frankfurt seinen Schwerpunkt hat. Dort hatte der Dichter einige Jahre gelebt. Hölderlin war zwar nie in Offenbach. Deshalb habe er sich sehr gefreut, als die hauptverantwortliche Kuratorin Julia Cloot ihn gefragt habe, ob sich das Klingspor-Museum am Hölderlin-Programm beteiligen wolle, erzählt Soltek.

Großer Überredungskunst bedurfte es nicht. Denn bereits 1993 hatte er in Frankfurt eine Ausstellung zu einem zentralen Buch Hölderlins, dem Trauerspiel „Empedokles“, mit dem Mainzer Buchkünstler Robert Schwarz gezeigt. Daran knüpfe die aktuelle Schau an. Schwarz sei mit in den Raum gehängten, freischwingenden Doppelseiten aus diesem Buch und weiteren Fassungen vertreten. Weitere Arbeiten stammen von Anja Harms, Eberhard Müller-Fries, Petra Ober und Corinna Krebber.

Hölderlin, dem Ideal des antiken Griechenlands verpflichtet, fühlte sich als Dichter verkannt, sein Leben endete in geistiger Zerrüttung und Einsamkeit. Heute zählt er zum Kanon der deutschen Literatur und fasziniert Künstler vielleicht gerade wegen seiner inneren Zerrissenheit zur Auseinandersetzung mit seinem komplexen Werk.

Für das buchkünstlerische Schaffen bietet sich Hölderlin nach Angaben Solteks wegen seiner innovativen Sprachkunst an. Er habe die Sprache in einzigartiger Weise stilisiert, dynamisiert und spektakuläre Wortwendungen gefunden. „Man wird gleichermaßen von seiner Vita wie auch seinem Werk provoziert und angeregt“, meinte er.

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