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Nix mehr los hier: Die Initiative Hauptbahnhof hat etliche Ideen für die Umnutzung des Gebäudes in Offenbach.

Kreativer Umbau

Offenbach: Hauptbahnhof ist weiter im Wartemodus

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Die Machbarkeitsstudie zum kreativen Umbau des leerstehenden Offenbacher Hauptbahnhofs verzögert sich. Auch die Nutzung der Bahnhofsinitiative muss pausieren.

Offenbach – Nur einen Tag dauerte die jüngste Ausstellung des Fotoclubs „New Camera“ im Offenbacher Hauptbahnhof – dann mussten die Kunstschaffenden ihre Aufnahmen schon wieder abhängen. Nach einer Begehung durch die Bahn habe man die bisher genutzten Teile des Gebäudes verlassen müssen, erzählte Kai Schmidt von der Initiative Hauptbahnhof auf Nachfrage der FR. Die vor drei Jahren gegründete Gruppe hat sich die Umnutzung des größtenteils leerstehenden Gebäudes in der Offenbacher Innenstadt auf die Fahnen geschrieben. In einem Hinterhof an den Gleisen und in den ehemaligen Toilettenräumen konnten die Aktiven vor zwei Jahren bereits eine kulturelle Nutzung anstoßen. Diese pausiert nun.

Offenbach: Trotz Räumung bleibt die Initiative Hauptbahnhof optimitisch

Die Bahn teilte auf Anfrage der FR mit, dass eine „dauerhafte Vermietung aufgrund von brandschutztechnischen Auflagen nicht mehr möglich“ sei. Die Initiative könne aber „jederzeit die Räumlichkeiten auf Nachfrage temporär nutzen“ – und dafür einen kostenfreien Kurzzeitmietvertrag mit der Bahn abschließen. Auch vor dem Hintergrund „der aktuellen Pandemieentwicklungen“ sei es wichtig, dass man jede neue Ausstellung fortan mit der Bahn abstimme. Dass die Kulturnutzung des Bahnhofs pausiere, bedeute nicht, dass das Vorhaben der Initiative, den Bahnhof zu beleben, gescheitert sei, betont Kai Schmidt. Der Kulturmanager, der für die Grünen bis 2018 im Stadtparlament saß, gibt sich im Gegenteil sogar ziemlich optimistisch. Denn eine Machbarkeitsstudie läuft: Sie soll klären, wie und zu welchen Kosten das 1873 errichtete und 1927 umgebaute Empfangsgebäude an der Bismarckstraße künftig genutzt werden könnte. Auftraggeber ist das Offenbacher Stadtplanungsamt in Absprache mit der Initiative Hauptbahnhof und der Hochschule für Gestaltung (HfG).

Der Seitenflügel, wo es bisher Kultur gab, ist verschlossen.

Corona-bedingt verzögert: Die Bahnhofsinitiative Offenbach muss sich gedulden

Eigentlich sollten die Ergebnisse der Studie, die von der Berliner Agentur BahnStadt/stationova erstellt wird, jetzt bald vorliegen. Doch verzögert sich die Veröffentlichung, auch wegen Corona, wohl um ein paar Monate, wie es heißt. „Die Pläne werden aber immer konkreter“, sagt Schmidt, dessen Bahnhofsinitiative im regen Austausch mit der Agentur steht.

Vorstellbar ist in dem großen Gebäude, das sehr zentral liegt und dennoch bis auf zwei ehemalige Bahnbedienstetenwohnungen komplett leer steht, einiges – sowohl gewerbliche und kulturelle Nutzungen als auch Wohnungen, etwa für Studierende. Auch Gastronomie ist im Gespräch. Komplett offen ist auch noch, ob die Initiative später einmal zur Bürgergenossenschaft wird und das Gebäude kauft oder ob eine städtische Tochtergesellschaft diese Rolle übernimmt – um nur zwei Ideen zu nennen.

Detailaufnahme.

„Zukunftsbahnhof Offenbach“: Die Bahn will mehrere Hunderttausend Euro investieren

Während der Hauptbahnhof wohl noch eine Weile als nicht-barrierefreier Durchgangsbau im Dornröschenschlaf verharren wird, tut sich an der S-Bahn-Station am Marktplatz – mit 38 000 Reisenden pro Tag Offenbachs eigentlicher Hauptbahnhof – derzeit einiges. Seit die Bahn die Station zum „Zukunftsbahnhof“ erklärt und die Investition von mehreren Hunderttausend Euro angekündigt hat, wurde dort unter anderem von der Offenbacher Künstlerin Thekra Jaziri der Eingangsbereich umgestaltet: Seitdem begrüßen bunte Farben die Reisenden, die die S-Bahn-Station am Marktplatz verlassen. In Zusammenarbeit mit der HfG ist zudem eine neue Möblierung der Station geplant, die in einen Transit-, einen Informations- und einen Wartebereich aufgeteilt werden soll.

Und in der B-Ebene hat dieser Tage ein neues Geschäft eröffnet: Anstelle des ehemaligen Minisupermarkts, dessen Betreiber Hungrigen jahrzehntelang bis spät in die Nacht hinein warme Gemüsetaschen servierte, ist ein „Service Store“ der Bahn entstanden – der allerdings schon in den Abendstunden schließt. (Von Fabian Scheuermann)

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