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Der Rohbau steht: Anfang 2022 sollen die ersten Mieter in den „Gustavshof“ mitten im gründerzeitlichen Senefelder-Quartier in Offenbach einziehen.

Offenbach

Offenbach: Günstige Wohnungen mit Frankfurter Hilfe

  • Agnes Schönberger
    vonAgnes Schönberger
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Offenbach wächst, die Mieten steigen, bezahlbarer Wohnraum ist rar. Es gibt mehr Haushalte als Wohnungen. Die Nassauische Heimstätte baut bis 2024 in Offenbach 1000 Wohnungen.

Thomas Hain ist ein gerngesehener Gast in Offenbach. Denn wenn der Leitende Geschäftsführer der Nassauischen Heimstätte/Wohnstadt (NH), die in Frankfurt beheimatet ist, in der Nachbarstadt auftaucht, stehen ein Spatenstich, ein Richtfest oder die Fertigstellung eines Wohnbauprojekts an. Und davon kann Offenbach gar nicht genug bekommen, weil die Stadt rasant gewachsen ist, aber der Wohnungsbau damit nicht Schritt gehalten hat (siehe Tabelle rechts).

Gestern war Hain gekommen, um gemeinsam mit dem auch fürs Wohnen zuständigen Minister Tarek Al-Wazir (Grüne) und Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) Richtfest für den „Gustavshof“ im gründerzeitlichen Senefelder-Quartier zu feiern. Es ist eines der kleineren Bauprojekte, die die Heimstätte in Offenbach realisiert. Sie baut dort laut Hain bis 2024 in sieben Jahren 1000 neue Wohnungen.

Im „Gustavshof“ entstehen 70 Wohnungen, 62 sind frei finanziert mit Quadratmeterpreisen ab 10,50 Euro. Für die acht geförderten Wohnungen liegt der Mietpreis bei 6,90 Euro. Dass nur acht Mietwohnungen im geförderten Segment sind, trübte die gute Stimmung nicht. OB Schwenke versprach, Hain werde keine kritische Debatte erleben. „Denn wer dieses Viertel kennt, weiß, dass es hier nicht an günstigen Wohnungen fehlt.“ Der Quadratmeterpreis von 6,90 Euro, den die NH verlange, liege über der Durchschnittsmiete im Quartier.

Der Oberbürgermeister äußerte sich zwar erfreut darüber, dass der Zuzug nach Rhein-Main nicht mehr an Offenbach vorbeigehe. Inzwischen lebten über 140 000 Menschen in der Stadt. Das Wachstum habe aber seinen Preis: Der Druck auf die Mieten habe zugenommen.

Die Zahl der Einwohner ist von 2010 bis 2019 um 20 000 Menschen gestiegen. Im selben Zeitraum entstanden aber nur 1333 neue Wohnungen. Das heißt, dem kräftigen Zuzug (plus 16,8 Prozent) steht gerade mal ein Plus von 2,2 Prozent beim Wohnungsbestand gegenüber. Längst gibt es viel weniger Wohnungen als Haushalte (71 576 zum 31.3. 2020).

Offenbach: Einwohner- und Wohnungsneubauentwicklung

Tatsächlich ist jedoch der Wohnraum je Einwohner deutlich geschrumpft. Nach Angaben von Matthias Schulze-Böing, Leiter des Amts für Arbeitsförderung, Statistik und Integration, haben Offenbach und Frankfurt unter den kreisfreien Städten Hessens schon seit Jahren die geringste Wohnfläche pro Einwohner. Beide Kommunen gehörten auch zu den Städten mit den meisten Kindern. Das erklärt nach seinen Worten zum Teil, dass die Stadt trotz Wohnungsmangels wächst. Die Zunahme verdanke sich fast ausschließlich dem Zuwachs der ausländischen Bevölkerung. Die Zahl der Deutschen in der Stadt stagniere dagegen.

Nach Angaben der städtischen Pressestelle entstehen auf innerstädtischen Konversionsflächen und in den neuen Baugebieten Bieber-Nord und Bürgel-Ost in den nächsten fünf Jahren 4200 Wohnungen. Die Neubautätigkeit reicht allerdings nicht aus, um den Bedarf zu decken. „Bei einem jährlichen Zuzug von 2000 Personen sind die genannten Bauvorhaben nicht ausreichend“, teilte die Stadt auf FR-Anfrage mit. Das Institut Wohnen und Umwelt prognostizierte für die Jahre 2021 bis 2030 für Offenbach einen Bedarf von 7100 neuen Wohnungen.

Ende 2019 gab es in Offenbach 3721 geförderte Wohnungen, 120 weniger als 2018. In den nächsten fünf Jahren sollen in den anstehenden Bauprojekte weitere 450 geförderte Wohnungen entstehen. Im Saldo wird ein Bestand von 3900 geförderten Wohnungen erwartet, da Wohnungen aus der Belegungsbindung fallen werden.

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