Offenbach

Gedränge und volle Busse trotz Verstärkung

  • Agnes Schönberger
    vonAgnes Schönberger
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Die SPD will in Spitzenzeiten auch Reisebusse für Schüler einsetzen, um Fahrgäste nicht einem „unnötigen Risiko“ durch das Corona-Virus auszusetzen. Dezernentin Sabine Groß ist skeptisch.

Gedränge an Haltestellen und in Bussen: Am ersten Schultag nach den Herbstferien herrschte gestern in Offenbach wieder das gewohnte Bild. Auf dem Weg zur Schule kamen sich Tausende junge Leute in vollen Bussen näher, als vielen wegen einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus lieb war.

Die Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB) setzen zwar morgens und nachmittags Verstärkerlinien ein, die im Schulverkehr für Entlastung sorgen sollen. Trotzdem sind die Fahrzeuge auf bestimmten Strecken überfüllt. Im Sommer war es nicht so schlimm gewesen, da etliche der 15 000 Schülerinnen und Schüler der weiterführenden und beruflichen Schulen in Offenbach aus Angst, sich anzustecken, aufs Fahrrad ausgewichen waren.

Mit Blick auf den Herbst hatte die SPD-Fraktion deshalb den Antrag gestellt, die Kapazität der in Spitzenzeiten eingesetzten Busse etwa durch Anmietung von Reisebussen zu erhöhen und die Schulzeiten zu entzerren, um Fahrgäste nicht einem unnötigen Infektionsrisiko auszusetzen.

OVB meldet Bus-Bedarf

Zur Begründung hieß es, seit Wiederaufnahme des Regelbetriebs in den Schulen im August sei es zu unhaltbaren Zuständen in den OVB-Bussen gekommen. Die Corona-Abstandsregeln hätten sich kaum noch einhalten lassen. Nachdem der Magistrat in der jüngsten Stadtverordnetensitzung erklärt hatte, das Problem erkannt zu haben und die Landeshilfe für mehr Busse prüfen zu wollen, zog die SPD ihren Antrag zurück.

Mobilitätsdezernentin Sabine Groß (Grüne) hatte zuvor klargestellt, die OVB könne nicht mehr Busse fahren lassen, da sie weder über genügend Personal noch Fahrzeuge verfüge. Reisebusse hält sie für nicht besonders geeignet, weil die schmalen Türen einen schnellen Ein- oder Ausstieg erschwerten. Die Folge wären „Staus“ an den ohnehin stark frequentierten Haltestellen.

Nach ihren Angaben sind die Busse nur kurzzeitig voll, „aber bisher nicht überfüllt“. Das hätten Fahrgastzählungen ergeben. Groß zufolge hat die OVB beim Land Bedarf für fünf zusätzliche Busse angemeldet. Sie sagte, das Land unterstütze die Stadt erst, wenn die Schulen ihre Anfangszeiten aufeinander abstimmten. Ein Ministeriumssprecher erklärte dagegen, eine Entzerrung des Unterrichtsbeginns sei nicht Voraussetzung für eine Förderung.

Gespräche von Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) mit Eltern, Schulleitern und Schulamt über eine Entzerrung der Schulzeiten haben ergeben, dass einige Linienbusse „rappelvoll“ sind, weil der früher eingesetzte Verstärkerbus kaum genutzt werde. „Zehn Minuten länger zu schlafen, bedeutet Jugendlichen wohl sehr viel“, meinte er.

Laut dem Staatlichen Schulamt haben sich einige Schulen abgestimmt, um eine Entzerrung zu erreichen. Weiß zufolge sind die Möglichkeiten aber beschränkt. An Gymnasien sei ein neuer Unterrichtsbeginn schwierig, weil die Oberstufen gemeinsame Leistungskurse hätten. Eine Änderung an einem Gymnasium beträfe auch die anderen. Die Vorstellung des Landes, die Schulzeiten zu entzerren, sei eher von der Situation im ländlichen Raum geprägt, sagte Weiß.

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