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Hohe Nahwärmepreise sorgen bei den Anwohnern im Baugebiet „An den Eichen 2“ in Offenbach für Frust. Eine Alternative haben sie nicht. Denn es herrscht ein Anschluss- und Benutzungszwang.

Offenbach

EVO zu Schlichtung bereit

  • Agnes Schönberger
    vonAgnes Schönberger
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Der Energieversorger geht auf die Anwohner im Offenbacher Baugebiet „An den Eichen 2“ zu und hofft auf eine „Beendigung der andauernden Debatte“.

Seit anderthalb Jahren kämpfen Bewohner im Baugebiet An den Eichen 2 im Osten Offenbachs gegen die aus ihrer Sicht überhöhten Preise für Nahwärme aus Pellets. Lange schien es so, als würden sie gegen Windmühlenflügel kämpfen. Der Frust über die „anwaltgesteuerte“ Kommunikation mit der Energieversorgung Offenbach“ (EVO) war groß. Zwei Hausbesitzer reichten Klage ein, ein Eigentümer wandte sich an die Landeskartellbehörde wegen „missbräuchlichen Verhaltens“ der EVO, die ihre Monopolstellung ausnutze.

Ob die rechtlichen Schritte den Energieversorger beeindruckten oder Aufsichtsratsvorsitzender und Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) möglicherweise einen anderen Umgang mit den Kunden anmahnte, ist nicht bekannt. Aber: EVO-Vorstandschef Christoph Meier wird sich an einer Schlichtung beteiligen. Die Initiative dazu sei von der Stadt ausgegangen, sagte EVO-Sprecher Harald Hofmann.

Als Schlichter wurde bereits ein Offenbacher Notar bestimmt. Der Versorger soll die Kosten des Verfahrens tragen. Voraussetzung für die Schlichtung ist, dass sich genügend Hausbesitzer und Vermieter dazu bereitfinden. Bis Mitte September soll Rafael Sartowski, Sprecher der Initiative betroffener Eigentümer, dem OB eine Liste mit Namen vorlegen.

Petition für „Faire Preise“

Damit sich möglichst viele Anwohner beteiligen, hat Dirk Goldecker die Petition „Faire Preise für Nahwärme An den Eichen 2“ gestartet. Aktuell seien 50 Haushalte zu der Schlichtung bereit, sagte er. Das Gebiet besteht aus 180 Wohneinheiten.

Hofmann erhofft sich von der Schlichtung für die EVO „eine Versachlichung und Beendigung der andauernden Debatte“. Sartowski nennt das Angebot ein „gutes Signal“. Er erwartet „signifikant“ günstigere Tarife, Transparenz bei der Preisgestaltung und auch eine Diskussion darüber, wieso es in Offenbach keinen einheitlichen Preis wie beim Gas für Nah- und Fernwärme gibt.

Die Anwohner kritisieren, dass die einst städtischen Grundstücke zugunsten der EVO zeitlich unbegrenzt belastet wurden. Es herrscht ein Anschluss- und Benutzungszwang. Der Versorger kann Fremdbezug und Eigenproduktion von Wärme verbieten. Ein Wettbewerb findet nicht statt.

Die Kartellbehörde teilte der FR mit, den Ausgang des Rechtsstreits vor dem Landgericht Darmstadt abwarten zu wollen. Ihr Sprecher Wolfgang Harms sagte, derzeit würden Daten zu Fernwärmepreisen erhoben. Erst wenn die Ergebnisse vorlägen, könne man entscheiden, eventuell Verfahren wegen missbräuchlicher Preise einzuleiten.

Die EVO hatte die hohen Preise damit begründet, das Areal „An den Eichen 2“ sei klein und die Kosten für den Aufbau von Netz und Anlage würden auf relativ wenige Verbraucher umgelegt. Sartowski dagegen meint, „gute Energie“ müsse nicht teuer sein. Er verweist auf ein Interview des Mainova-Vorstands Norbert Breidenbach. Er hatte gesagt, Fernwärme sei ein „absolut wettbewerbsfähiges Produkt“, das keines Anschlusszwangs bedürfe, „wenn Kundeninteressen angemessen berücksichtigt werden“.

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