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Auf dem neuen Spielplatz im Offenbacher Hafenviertel treffen Arm und Reich aufeinander.

Offenbach

Etwas weniger arme Kinder

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Der Sozialbericht zeigt bei der Kinderarmut in Offenbach eine positive Entwicklung in 2019. Doch es gibt weiter viele Arbeitslose in der Stadt. Und wegen Corona verschlechtert sich die Lage nun wieder.

Der Anteil der Kinder und Jugendlichen in Offenbach, deren Familien Sozialleistungen beziehen, weil sie arbeitslos sind oder von ihrer Arbeit nicht leben können, ging 2019 das fünfte Jahr hintereinander zurück. Mit 24 Prozent liegt er im Vergleich zu hessenweit 13 Prozent aber weiterhin auf sehr hohem Niveau. Das geht aus dem Sozialbericht für 2019 hervor, den die Stadt vorgestellt hat.

In absoluten Zahlen ausgedrückt, lebten in Offenbach im vergangenen Jahr 5855 Kinder und Jugendliche in sogenannten Bedarfsgemeinschaften, die auf Unterstützung des kommunalen Jobcenters Mainarbeit angewiesen waren. Noch im Jahr 2015 fielen mehr als 7000 der unter 18-Jährigen in diese Kategorie – damals genau ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen in der Stadt. 2012 war Offenbach mit dieser Quote noch bundesweites Schlusslicht. Heute liegt die Stadt immerhin auf Platz 377 von 401 Landkreisen und kreisfreien Städten, hinter vielen ebenfalls vom Strukturwandel gebeutelten Kommunen, vor allem im Ruhrgebiet. Im hessenweiten Vergleich ist Offenbach seit 2019 ebenfalls nicht mehr Schlusslicht: Diese unrühmliche Rolle kommt mit einer Kinderarmutsquote von 25,3 Prozent nun Kassel zu.

Neues Schlusslicht Kassel

24 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Offenbach lebten 2019 in Familien, die Sozialeistungen beziehen. Diese Kinderarmutsquote liegt nur in einer hessischen Großstadt höher – in Kassel mit 25,3 Prozent. In Wiesbaden lag der Wert bei 20,9 Prozent, es folgten Darmstadt (19,3) und Frankfurt (17). Landesdurchschnitt war 13 Prozent.

Den kompletten Sozialbericht kann man unter folgenden Link einsehen: bit.ly/31jadNS.

Auch die Arbeitslosenquote in Offenbach ist 2019 weiter gesunken. Mit unter 7000 Bedarfsgemeinschaften und einer Quote von 8,2 Prozent verzeichnet das städtische Statistikamt sogar den niedrigsten Wert seit Einführung der Grundsicherung für Arbeitssuchende im Jahr 2005. Sozialdezernentin Sabine Groß (Grüne) bezeichnete die Entwicklung im vergangenen Jahr als günstig. Offenbach habe „im Vergleich zu anderen Städten weiter deutlich aufgeholt“.

Erklären lassen dürfte sich diese Entwicklung einerseits durch die dynamische Entwicklung der Rhein-Main-Region generell – zumindest vor Corona. Außerdem verzeichnete Offenbach in den vergangenen Jahren einen enormen Zuzug auch von Menschen mit höherem Einkommen, die sich in den vielen Neubauten am Hafen und im Neubaugebiet „An den Eichen“ niedergelassen haben. Ebendiesen Vierteln bescheinigt das Statistikamt nun sehr niedrige Bezugsquoten von Sozialleistungen, was keine Überraschung ist, da dort keine einzige Sozialwohnung entstanden ist, sich Arme das Wohnen in diesen Vierteln also nicht leisten können.

Bis 2015 war die Anzahl der Offenbacher Kinder und Jugendlichen im Leistungsbezug noch gewachsen. Die Stadt erklärt das unter anderem mit der starken Zuwanderung aus ärmeren EU-Staaten Süd- und Osteuropas. Die „wirtschaftliche Integration“ dieser Zuwanderer habe in den Folgejahren „recht gut funktioniert“, heißt es im Sozialbericht. So bezogen beispielsweise im Jahr 2019 nur noch 13,5 Prozent der griechischen Staatsbürger in Offenbach Sozialleistungen, 2015 waren es noch 22,6 Prozent. Allerdings gibt es unter den Nationalitäten deutliche Unterschiede – vor allem Menschen aus Bulgarien und aus Marokko leben in Offenbach demnach weiterhin in prekären Verhältnissen.

Dezernentin Groß weist zudem darauf hin, dass sich vor allem wegen der Corona-Pandemie wieder eine negative Entwicklung abzeichne. So registriere man derzeit „stark steigende Zahlen von Antragstellern und Leistungsberechtigten“. Wohl auch, weil in Offenbach besonders viele Menschen ohne Schulabschluss leben. Und sie dürften die ersten sein, die bei den zu erwartenden Stellenstreichungen – etwa bei Fraport – ihre Jobs verlieren.

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