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Pandemie

Offenbach erreicht Hessens Corona-Warnstufe Rot

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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  • Fabian Scheuermann
    Fabian Scheuermann
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Offenbach hat bundesweit die höchste Corona-Neuinfektionsrate: Die Stadt hat deshalb weitere Kontaktbeschränkungen und eine nächstliche Sperrstunde für die Gastronomie beschlossen.

Der Corona-Planungsstab der Stadt Offenbach hat am Freitag neue Kontaktbeschränkungen sowie eine nächtliche Sperrstunde für die Gastronomie ab 24 Uhr beschlossen. Zuvor hatte die Stadt als einzige im Land aufgrund vieler Neuinfektionen die vierte von fünf Warnstufen des hessischen Eskalationskonzepts erreicht. Diese rote Warnstufe gilt, wenn in einer kreisfreien Stadt oder in einem Landkreis binnen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner gemeldet werden. Ab einem Wert von 75 gilt Stufe „dunkelrot“, von der an das Land die Krisenplanung vor Ort übernimmt. In Offenbach lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Freitag bei 52 – der zurzeit deutschlandweit höchste Wert.

Bis vorerst 3. September sind in Offenbach Aufenthalte im öffentlichen Raum nur noch in Gruppen von maximal fünf Personen erlaubt oder mit Angehörigen zweier Hausstände. Diese verschärfte Regelung gilt auch in Restaurants und Cafés. Öffentliche Veranstaltungen sind fortan auf 100 Personen beschränkt, bei Treffen im Privaten sind es 50 Personen, bei Seniorentreffen 25.

Man versuche, „möglichst exakt zum Problem passende Entscheidungen zu treffen“, erklärte Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) am Freitag bei einer Pressekonferenz im Stadion am Bieberer Berg. Dabei sei es wichtig, „Schäden für Wirtschaft, Gastronomie, Kultur und Sport so gering wie möglich zu halten“. Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne), der schon Freitagfrüh eine Sitzung des Offenbacher Corona-Planungsstabs besucht hatte, bezeichnete das Vorgehen der Stadt als „ausdrücklich richtig“.

Insbesondere im Ballungsraum würden zunehmend die kritischeren Stufen des Eskalationskonzepts erreicht, sagte Klose. Hauptursachen für die steigenden Infektionszahlen seien, nicht nur in Offenbach, Reisen, Feiern mit Familien und Freunden sowie mehr Freizeitaktivitäten und berufliche Kontakte.

Land unterstützt die Stadt

Wie es die vierte Warnstufe des Eskalationskonzepts vorsieht, berät sich die Stadt jetzt regelmäßig mit dem Krisenstab des Landes, der auch am Freitag zusammentrat. „Wir stehen im engen Kontakt mit den betroffenen Kommunen, um sie bei den entsprechenden Maßnahmen zur Eindämmung von Infektionen zu beraten und zu unterstützen“, sagte Klose. Der Minister appelliert an alle, die Corona-Regeln nicht zu vernachlässigen. Rückreisende aus Risikogebieten sollten ihrer Testpflicht nachkommen. OB Schwenke forderte, derzeit niemanden zu treffen, „den man nicht unbedingt sehen muss“.

Das Land unterstützt die Stadt auch bei der Nachverfolgung von Kontaktpersonen, indem zehn freiwillige Medizinstudierende dem Gesundheitsamt zugeteilt werden. Offenbachs Gesundheitsdezernentin Sabine Groß (Grüne) zufolge ist die Hilfe wegen der vielen Menschen in Quarantäne nötig: Am Freitag waren es in Offenbach 650, 92 meist jüngere waren akut mit dem Virus infiziert – das geringe Durchschnitssalter erklärt, warum nur eine Person im Krankenhaus lag.

Ein Problem ist laut Schwenke, dass manche Reiserückkehrer aus Risikogebieten erst spät von ihrem positiven Testergebnis erfahren und in der Zwischenzeit unerlaubt in der Stadt unterwegs seien – bei einer Person sei das elf Tage so gegangen. Ordnungsdezernent Peter Freier (CDU) kündigte an, die Stadtpolizei werde vermehrt die Einhaltung der Quarantäne kontrollieren.

Die 67 Offenbacher, die in den vergangenen sieben Tagen als infiziert gemeldet wurden, sind überwiegend Reiserückkehrer und deren Kontaktpersonen. Viele hatten ihre Familien im Kosovo, in der Türkei, in Kroatien oder Bulgarien besucht, wo die Infektionszahlen derzeit hoch sind. So lässt sich die Entwicklung in Offenbach erklären.

Die Stadt hatte erst am Donnerstag die dritte Corona-Warnstufe erreicht und eine erweiterte Melde- und Quarantänepflicht für diese Länder beschlossen. Ebenfalls hatte man sich auf eine Maskenpflicht im Unterricht geeinigt – einige Eltern und Kinder demonstrierten nach dem Pressetermin am Freitag dagegen vor dem Stadion.

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