WasserspieleFR01_071020
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Versprechen Abkühlung an heißen Tagen: Die – in diesem Sommer teils defekten – Wasserspiele im Leonhard-Eißnert-Park.

Offenbach

Ein Notfallplan für heiße Tage

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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In Offenbach tritt ein Hitzeaktionsplan in Kraft, der an heißen Tagen der Stadtbevölkerung helfen soll. Einige Projekte zur Abkühlung der Stadt laufen aber nicht wie gehofft.

Das Thermometer ist in Offenbach im vergangenen Jahr an 27 Tagen über 30 Grad geklettert. Am heißesten war es laut dem Portal Wetterkontor.de mit 39,9 Grad an einem Julinachmittag. Die Leiterin des Offenbacher Umweltamts, Heike Hollerbach, geht davon aus, dass die Menschen der Region infolge des Klimawandels auch künftig mit solch hohen Temperaturen rechnen müssen. Für Offenbach hat die Amtsleiterin deshalb mit anderen Teilen der Verwaltung einen „Hitzeaktionsplan“ erstellt, der regelt, was getan und wer informiert werden muss, wenn es in der Stadt heiß wird – damit möglichst wenige Menschen an der Hitze Schaden nehmen.

Klimaanpassung

Starkregen, Hitze und Trockenheit – um die Folgen solcher im Zuge des Klimawandels verstärkt auftretender Wetterphänomene abzuschwächen, hat Offenbach – wie andere Städte – ein Klimanpassungskonzept erarbeitet.

Teil davon ist der nun in Kraft getretene Offenbacher Hitzeaktionsplan. Mehr Informationen gibt es auf der Seite der Stadt Offenbach: bit.ly/3nh0hym. fab

Bisher gebe es solche Pläne erst in einigen wenigen Städten wie Mannheim oder Köln, sagt Hollerbach. Der Plan tritt in Kraft, sobald der Deutsche Wetterdienst eine Hitzewarnung herausgibt. Das ist dann der Fall, wenn eine starke Hitzebelastung für mindestens zwei Tage in Folge zu erwarten ist. Der Plan soll wie ein Schneeballsystem funktionieren, an dessen Ende etwa eine Geschäftstreibende steht, die Kunden von sich aus kostenlos Trinkwasser anbietet, oder ein Erzieher, der in der Kita ein Planschbecken zur Abkühlung aufstellt. So sollen vor allem junge und alte Menschen vor Überhitzung geschützt werden. Es gehe aber auch darum, dass sich überhaupt eine Wahrnehmung für das Thema Hitze entwickele, erklärt Hollerbach: „Bei vielen ist das Problem noch gar nicht angekommen.“

So hat sich die Stadt im Zuge der Erarbeitung des Plans zunächst mit vielen Akteurinnen und Akteuren vernetzt und beraten. So habe man etwa mit Kirchen darüber gesprochen, ob es nicht besser wäre, Seniorentreffs im Sommer lieber zu kühleren Tageszeiten durchzuführen, anstatt mitten am Nachmittag – um nur ein Beispiel zu nennen.

Ein Problem ist, dass Städte wie Offenbach baulich kaum für die Hitze ausgelegt sind. Zudem laufen einige Projekte, die Offenbach abkühlen sollen, nicht wie erhofft. So wurde für ein Förderprogramm, bei dem Fassadenbegrünungen in der Innenstadt bezuschusst werden, noch kein einziger Antrag gestellt. Außerdem gelingt es der Stadt nicht, genügend Bäume zu pflanzen: Zwar haben die Stadtverordneten dafür und für Staudenbeete im aktuellen Haushalt 500 000 Euro zusätzlich bewilligt – doch reichen die Gelder insgesamt nur für 300 Bäume im Jahr. Doch allein 2019 mussten innerhalb des bebauten Stadtgebiets rund 800 Bäume wegen Hitze, Trockenheit und Folgeerkrankungen gefällt werden.

Doch es gibt auch positive Nachrichten. So ist am Marktplatz ein Trinkwasserbrunnen geplant. Und in der Oberen Grenzstraße wird derzeit der Spezialasphalt einer Offenbacher Firma getestet, der Wasser aufsaugt und verdunsten lässt – und so zur Abkühlung der Stadt beitragen soll. Noch vor dem Winter wird die Deckschicht des Asphalts durch ein belastbareres Material ausgetauscht – Teile der Schicht hatten sich abgelöst.

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