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Hoch hinaus: Künftiges Schultürmchen der Mathildenschule.

Offenbach

Stadt beschreitet beim Schulbau neue Wege

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Im Mathildenviertel in Offenbach entsteht ein kleiner Schulturm. Das Beispiel und andere zeigen, dass sich die wachsenden Städte der Region kreative Lösungen einfallen lassen müssen.

Wer auf der Mühlheimer Straße in die Offenbacher Innenstadt fährt, wird seit kurzem von einem markanten ovalen Rohbau empfangen – das Gebäude soll ab Frühjahr 2021 die Grundschulklassen der Mathildenschule beherbergen. Wegen der engen Platzverhältnisse im Mathildenviertel wird der Bau sechs Geschosse hoch. Offenbach hat also bald einen kleinen Schulturm. Und das ist selbst im dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiet – noch – eine kleine Besonderheit.

Das Beispiel zeigt, dass sich die wachsenden Städte der Region kreative Lösungen einfallen lassen müssen, um die benötigten neuen Schulen bereitzustellen. In Offenbach, wo große Teile der Stadt wegen des Fluglärms Neubau-Restriktionen unterliegen, gilt das besonders. Es folgen Beispiele, die zeigen, wie es gelingt, dass trotzdem Schulen entstehen.

Am 21. September ist Spatenstich für die Erweiterung der Geschwister-Scholl-Schule.

Fluglärm
Offenbach liegt zum Großteil in der „Tagschutzzone 2“. Will die Stadt dort eine Schule errichten, benötigt sie eine Sondergenehmigung vom Regierungspräsidium (RP) Darmstadt. Für Grundschulen, die wohnortnah errichtet werden müssen, werden die Genehmigungen in der Regel erteilt. Deshalb darf auch im Mathildenviertel neu gebaut werden. Doch die Genehmigung gab es nur, weil in dem Türmchen Grundschulklassen untergebracht werden, sagt Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP). Die Haupt- und Realschule bleibt im Bestandsbau - der aber noch saniert wird. Eine Genehmigung liegt auch für die Erweiterung der Geschwister-Scholl-Schule vor – eine IGS, in der künftig 900 statt 590 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden können. Baubeginn ist am 21. September.

Verhandlungen mit Privaten
Eine Genehmigung in Aussicht gestellt hat das RP auch für den Neubau eines sechszügigen Gymnasiums (G9) am alten Güterbahnhof. Eine solche Zusage musste die Stadt einholen, bevor sie das Bebauungsplanverfahren für das Areal zu Ende bringt. Die für die Schule benötigte Fläche wurde dem Grundstücksbesitzer Aurelis abverhandelt. Im nächsten Frühjahr soll ein Wettbewerb für den Neubau samt Außenanlagen durchgeführt werden. Die Aufgabe ist komplex: Unter anderem muss ein öffentlicher Weg quer über das Schulgelände geführt und direkt an den Gleisen muss guter Schallschutz gewährleistet werden.

Container

Die Kinder sind schon da, die Schule noch nicht. Also werden Container aufgestellt. Das ist zwar keine besonders kreative Lösung, in Zeiten des Personalmangels in den Stadtverwaltungen aber eine häufig angewandte. So auch im Offenbacher Neubaugebiet Bieber-Nord – die Raummodule dort kosten 359 000 Euro Miete im Jahr.

Die Planungsunterlagen, die die Stadt für das Gymnasium beim RP einreichen musste, waren laut Dezernent Weiß „dick wie eine Doktorarbeit“. So mussten Alternativstandorte benannt werden – samt Begründung, warum dort nicht gebaut werden kann. Die Stadt hatte im Rahmen dessen sogar untersucht, ob es möglich wäre, ein Gymnasium auf Stelzen im Mainvorland zu errichten.

Lego-Prinzip
An der 2017 eröffneten Hafenschule wurden zwei Sporthallen aufeinandergestapelt.

Abriss von Altbauten
Auch die Bachschule – die bald IGS Lindenfeld heißen wird – muss erweitert werden. Damit das auf dem vorhandenen Gelände gelingt, ist geplant, zwei schmucke, aber in die Jahre gekommene Torhäuschen aus dem Jahr 1913 abzureißen.

Auslagerung der Planung
Damit es schneller geht, hat die Stadt den Neubau der Fröbelschule an die städtische Wohnungsbaugesellschaft GBO vergeben – verzögert hat sich der Baubeginn trotzdem.

An der Hafenschule wurden zwei Sporthallen übereinander errichtet.

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