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Daniel Brettschneider im Homeoffice mit PC, Kaffee und Kippe, Film-DVDs und Buch. 

Kochen

Offenbach: Daniel Brettschneider erhält „Kochbuch-Oscar“

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Daniel Brettschneider erhält für sein Buch „Kino Kulinarisch“ einen Preis, obwohl er sich nicht beworben hatte. Wegen Corona gibt er Tipps für Filme, „die glücklich machen“.

Daniel Brettschneider hat Glück. Er kann auch in der Corona-Krise seinen großen Leidenschaften frönen: gutem Essen und guten Filmen. Doch der begeisterte Cineast, der 2012 die Reihe „Kino Kulinarisch“ begründete, vermisst den Zauber des gemeinsamen Erlebens. Am 21. Februar konnten Kino-Kulinarisch-Fans vorerst ein letztes Mal die Kombination von gutem Kino und Essen in der Alten Schlosserei genießen. Weitere Filmabende wurden wegen Corona abgesagt.

Doch trotz der Krise gibt es noch gute Nachrichten. Zumindest für Brettschneider. Der 39-jährige Offenbacher wurde für sein im Herbst veröffentlichtes Buch „Kino Kulinarisch - Filme nach meinem Geschmack“ mit dem Gourmand World Cookbook Award ausgezeichnet, der seit 25 Jahren Koch- und Getränkebücher aus aller Welt kürt.

Für Brettschneider kam der „Kochbuch-Oscar“ völlig überraschend. Er hatte sich gar nicht beworben. Frankfurter Freunde hatten das Buch eingereicht. Als der Offenbacher die Nachricht erhielt, konnte er es kaum glauben. Er spricht von einem „unerwarteten Glücksgefühl“. Schließlich sei es kein klassisches Kochbuch, sondern ein sehr persönliches Werk, das auch vom Aufwachsen in Offenbach handele.

Die Gewinner wurden erstmals in der Geschichte des Wettbewerbs vorab informiert, „wohl damit wir uns trotz Corona über etwas freuen können“, erzählt er. Die geplante Zeremonie Anfang Juni in Paris wurde abgesagt.

Wegen der Kontaktbeschränkungen konnte Brettschneider den Erfolg bislang nicht groß feiern. Mit der Freundin hat er bei einem Glas Wein auf den Preis angestoßen. Das war’s. „Aber das holen wir beim nächsten ‚Kino Kulinarisch‘ nach“, verspricht er.

Das Buch

„Kino Kulinarisch - Filme nach meinem Geschmack“ von Daniel Brettschneider mit Illustrationen von Jan Buchczic erschien im Herbst 2019 im Verlag Offenbacher Editionen. Es hat 143 Seiten und kostet 19,80 Euro. Das Buch ist eine Mischung aus Film- und Kochempfehlungen sowie Autobiografie.

Die Isolation und der damit verbundene Müßiggang scheinen ihn - vielleicht noch - nicht zu stören. Sein Lachen am Telefon ist laut und fröhlich. Finanziell hat er das Glück, halbtags als Schulpädagoge zu arbeiten. Sein Gehalt wird weiterbezahlt. „Insofern bin ich im Vergleich zu anderen Künstlern privilegiert.“ Dennoch macht er sich Gedanken über die fehlende Wertschätzung für freischaffende Künstler, die bei den Finanzhilfen aus dem Raster fielen. Da müsse nachgebessert werden, fordert er.

Etwa ein Jahr hat Brettschneider an dem Buch gearbeitet. Die Zeichnungen stammen von Jan Buchczik, den er von einem gemeinsamen Projekt an der Hochschule für Gestaltung kennt. Dass der viel beschäftigte Illustrator, zu dessen Kunden der New Yorker gehört, ihm zugesagt hat, nennt er ein großes Glück. „Jan ahnte wohl nicht, wie viel Arbeit das sein würde.“ Buchczik schaute sich alle 17 Filme an, zu jedem gab es mehrere Entwürfe.

Das Schreiben habe ihm Spaß gemacht, sagt Brettschneider. Als das Buch fertig war, dachte er, der Job sei getan. Das war blauäugig. Denn nun sollte er sein Werk vermarkten. Das fiel dem Filmliebhaber, der schon so viele Menschen zum Kinobesuch verführt hat, schwer. Doch dann kam Corona, und alle Lesungen wurden abgesagt. Besonders traurig ist er darüber nicht.

Brettschneider ist Offenbacher mit Leib und Seele. Das Studium in Berlin brach er nach zwei Semestern ab, „aus Heimatverbundenheit“, wie er sagt. Er vermisste Familie und Freunde. Zurück in Offenbach, studierte er Erziehungswissenschaften in Frankfurt. Und kam in die Pötte, wie er sagt. Direkt nach dem Studium ergab sich die Chance mit den Filmnächten im Hafen 2, weitere Kinoprojekte folgten.

Brettschneider ist erfolgreich, weil es ihm Freude bereitet, Menschen zusammenzubringen und eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich alle wohlfühlen. Selbst beim Schlangestehen vor dem Film- und Essenserlebnis ärgern sich die Leute nicht mehr, „sondern schwätzen miteinander“. Seine Kinoprojekte finden wegen Corona derzeit nicht statt. Das findet er zwar bitter. Doch kleinkriegen lässt er sich von dem Virus nicht. Zur Überbrückung der „zähen Zeit“ zu Hause gibt er auf Facebook Tipps für Filme, „die nachweislich glücklich machen“.

Es sind viele Klassiker darunter, etwa von Billy Wilder und Alfred Hitchcock. Bisher sind zwölf Folgen von „Couchkino“ erschienen. Wer seinen Vorschlägen folgt, wird vielleicht nicht happy. Er kann aber sicher sein, gut unterhalten zu werden.

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