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Auf diesem Bild der Prä-Corona-Ära nicht zu erkennen: Ein Viertel der Kickers-Fans sind weiblich.

Offenbach

Auch Frauen sollen ihre Leidenschaft Fußball leben

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Die Stadt Offenbach ehrt die Leiterin des Kickers-Fanprojekts, Antje Hagel, für ihren Einsatz gegen Sexismus in der Fußball-Fankultur.

Egal ob es ein einzelner anzüglicher Spruch ist oder ein aus vielen Kehlen dröhnender Fangesang, der sexuelle Gewalt gegen Frauen verharmlost – Antje Hagel arbeitet in Offenbach seit vielen Jahren gegen solch harsche Realitäten in der Fußball-Fankultur an. Für ihr Engagement gegen Sexismus und für Frauen und Mädchen in der Fanszene hat die 58-jährige Kickers-Unterstützerin jetzt den Sophie-von-La-Roche-Preis der Stadt Offenbach erhalten. Die Auszeichnung, die dem Lebenswerk der Schriftstellerin Sophie von La Roche und der Gleichberechtigung von Frauen gewidmet ist, wird alle zwei Jahre verliehen und ist mit einem Preisgeld von 1500 Euro dotiert.

Antje Hagel.

Frauen erlebten bis heute in vielen Fußballvereinen – auch im Stadion am Bieberer Berg – verschiedene Formen von Sexismus und sexualisierter Gewalt, erzählt Hagel. Diese reichten von Ausgrenzungen bis hin zu körperlichen Übergriffen. Sexistisch sei auch die verbreitete Unterstellung, dass viele Frauen, die Fußball schauen, gar kein eigenständiges Interesse an dem Sport hätten, sondern nur der Männer zuliebe dabei seien, sagt Hagel. Dabei gebe es viele weibliche Fans – bei den Kickers seien es heute geschätzt rund ein Viertel.

Das Projekt und der Preis

In Offenbach gibt es wie in über 60 anderen deutschen Städten das sozialpädagogische Fanprojekt, das Fans als Anlaufstelle dient. Das Projekt bietet Beratungen und Veranstaltungen – etwa Lesungen – hilft aber auch bei Problemen mit der Polizei und arbeitet gegen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie. Leiterin ist Antje Hagel (Bild). Träger des Fanprojekts Offenbach ist der Internationale Bund (IB).

Mehr Infos zu diesen Initiativen auf fanprojekt-offenbach.info, f-in.org und instagram.com/fan.tastic.females – mehr Infos zum Sophie-von-La-Roche-Preis der Stadt Offenbach gibt es hier: bit.ly/2Ry1ItS

Als Leiterin des Fanprojekts Offenbach versucht die Kultur- und Politikwissenschaftlerin seit 2001 Mädchen und Frauen Mut zu machen, selbst aktiv zu werden, wenn sie ihre Leidenschaft Fußball leben wollen. Dabei sieht Hagel über die Jahre durchaus auch eine positive Entwicklung: „Frauen zeigen sich heute mehr und sind sichtbarer.“ So sei es mittlerweile ganz normal, dass im Fanbeirat des OFC oder in der Interessengemeinschaft Stadionbau Frauen vertreten seien.

Beim Kickers-Fanmagazin „Erwin“ ist das eh so – schließlich hat Hagel das 1994 nach OFC-Legende Erwin Kostedde benannte Heft, das auch explizit für Toleranz und Vielfalt Stellung bezieht, mitbegründet.

Die Liste der Dinge, die Hagel in den letzten Jahrzehnten mit angestoßen hat, ist lang. So initiierte sie etwa mit anderen weiblichen Fans das „Netzwerk Frauen im Fußball“ (F_in) und holte im letzten Jahr mit aktiven OFC-Fans die Ausstellung „Fantastic Females“ über Frauen in der Fußballkultur nach Offenbach. Hagel war auch maßgeblich an der Entwicklung eines Handlungskonzepts gegen sexualisierte Gewalt in der Fankultur des Männerfußballs beteiligt – ebenfalls 2019. Das Konzept soll es Vereinen erleichtern, Zuschauerinnen vor Sexismus zu schützen, etwa durch Prävention.

Eine konkrete Änderung ergab sich daraus auch schon für den OFC, erzählt Hagel: So habe der Verein im Februar seine Satzung dahingehend überarbeitet, dass diskriminierende Handlungen wegen der sexuellen Orientierung oder des Geschlechts fortan einen Vereinsausschluss zur Folge haben können.

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