Im Müllheizkraftwerk der EVO wird kaum noch „ertragreicher“ Hausmüll angeliefert.
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Im Müllheizkraftwerk der EVO wird kaum noch „ertragreicher“ Hausmüll angeliefert.

Offenbach

Angst vor teurerer Fernwärme

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Dem Heizkraftwerk der Energieversorgung Offenbach (EVO) fehlt der Hausmüll – und damit laut einer Bürgerinitiative der lukrative Ertrag. Sie fürchtet, dass die Fernwärmepreise steigen.

Die „Interessengemeinschaft EVO“, die in Dietzenbach und Neu-Isenburg für Transparenz bei der Fernwärme-Preispolitik kämpft, sieht Unheil auf die Fernwärmekunden der Energieversorgung Offenbach (EVO) zukommen. Im Müllheizkraftwerk der EVO an der Dietzenbacher Straße werde immer weniger Hausmüll aus der Region verbrannt, schreibt die IG in einer Pressemitteilung. Dadurch würden die EVO-Erträge sinken und der Fernwärmepreis werde steigen. Die Rhein-Main-Abfall GmbH, die Müll im Offenbacher Müllheizkraftwerk verbrennen lässt, widerspricht.

Die Verbrennung von Hausmüll im Müllheizkraftwerk garantiere hohe Erträge, schreibt die Interessengemeinschaft (IG). Für die Anlieferung und Verbrennung des Mülls müssten die Kommunen „sagenhafte 213 Euro pro Tonne bezahlen“. 2015 habe die Rhein-Main-Abfall GmbH (RMA) noch fast den gesamten Hausmüll der Stadt Offenbach, des Kreises Offenbach und der Stadt Maintal im Müllheizkraftwerk der EVO verbrennen lassen, so die IG. In der RMA sind neben diesen Kommunen auch die Stadt Frankfurt sowie der Hochtaunuskreis und der Main-Taunus-Kreis Gesellschafter.

Nach 2015 sei dann immer weniger Hausmüll im EVO-Heizkraftwerk angeliefert worden, 2019 seien die Anlieferungen dann gänzlich eingestellt worden. Stattdessen sei der gesamte, eigentlich für die EVO bestimmte Müll ab 2019 ins Müllheizkraftwerk der Mainova in Frankfurt-Heddernheim verbracht und dort verbrannt worden. Die IG spricht von 77 000 Tonnen Hausmüll, die statt nach Offenbach nach Frankfurt gekarrt wurden.

Durch die Müllverlagerung seien für die EVO die Erträge aus der Müllverbrennung im Jahr 2019 um sechs Millionen Euro gesunken, während die Mainova wohl in dieser Größenordnung profitiert habe. Laut IG zeigt der EVO-Geschäftsbericht 2019 auch auf, dass der durchschnittliche Ertrag auf 70 Euro pro Tonne sank, weil statt Hausmüll mehr „billiger“ Industriemüll verbrannt wurde. 2018 seien noch 90 Euro pro Tonne erlöst worden.

Wenn nun auch Klärschlämme im Müllheizkraftwerk verbrannt werden – die EVO wird dort schon bald 80 000 Tonnen pro Jahr thermisch verwerten –, würden die Erträge weiter sinken, mutmaßt die IG. Die 50 Millionen Euro, die der Energieversorger für die Klärschlammverbrennung investiert, sieht die Bürgerinitiative nämlich als problematisch an. „Bei den sich daraus ergebenden Abschreibungen dürfte es sich um Millionenbeträge handeln“, heißt es. Bei dieser finanziellen Belastung sei es wenig wahrscheinlich, dass die Herstellungskosten der Fernwärme reduziert werden könnten. Der Fernwärmepreis sei bei der EVO seit 2015 um bis zu 30 Prozent gestiegen.

Constanze Celten, Geschäftsführerin der RMA, bestätigt, dass ihre Gesellschaft den Hausmüll fast nur noch im Frankfurter Müllheizkraftwerk anliefert. Die Abfallentsorgung im Offenbacher Müllheizkraftwerk sei sukzessive verringert worden, „wir haben bei der EVO nur noch eine Kapazität von 11 500 Tonnen“, sagt sie. Abfallvermeidung sei der Grund, die Menge des Hausmülls habe sich in den vergangenen Jahren immer mehr reduziert. Der Vertrag mit der EVO sei schon 2013 ausgelaufen, werde nur noch jährlich verlängert. Die Offenbacher Anlage sei aber trotzdem ausgelastet, weil „jetzt Andere den Müll dorthin bringen“, sagt sie. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Gewerbeabfall. „Der brennt hervorragend, besser als Hausmüll“, sagt Celten. Da dieser Abfall „heizwertreicher“ sei, entstehe mehr Abwärme und damit auch mehr Fernwärme.

Die Fernwärmepreise hätten mit der geringeren Hausmüllanlieferung der RMA nichts zu tun. Die EVO habe vielmehr ihre Kalkulation geändert und die Kosten neu verteilt, „aber das ist die freie unternehmerische Entscheidung eines Wirtschaftsunternehmens.“

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