Baden im Schultheisweiher ist wegen Bauarbeiten verboten. Foto: Monika Müller
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Baden im Schultheisweiher ist wegen Bauarbeiten verboten. Foto: Monika Müller

Offenbach

Offenbach: 2021 soll im Schultheisweiher wieder gebadet werden

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Die Arbeiten zur Sanierung des Offenbacher Schultheisweihers liegen im Zeitplan. Ab 2021 soll wieder gebadet werden können. Die Linke hatte den Baufortschritt und die Sperrung hinterfragt.

In diesen Sommer dürfen coronabedingt nur wenige Menschen in Offenbachs einzigem Freibad auf der Rosenhöhe baden. Die gleichzeitige sanierungsbedingte Sperrung des Schultheisweihers trifft die Stadtbevölkerung deshalb besonders hart. Die Rathausfraktion der Linken kritisiert nun die Sperrung des beliebten Sees im Mainbogen: „Viele Bürgerinnen und Bürger fragen sich zu Recht, warum das Baden im See nicht freigegeben wird, bis die Arbeiten an der Anlage tatsächlich beginnen“, so der linke Stadtverordnete Peter Schnell in einer Presseerklärung.

Doch Offenbachs Umweltsamtsleiterin Heike Hollerbach kann hier schnell ein Missverständnis aufklären. Denn auch wenn von den Arbeiten nicht viel zu sehen sei, liefen diese seit Jahresbeginn. Alle behördlichen Genehmigungen seien erteilt und zehn Grundwassermessstellen bereits gebaut worden. Diese sollen nun mit GPRS-“Loggern“ ausgestattet werden. So könne man das Grundwasser einfacher auf Phosphatkonzentrationen und weitere Parameter untersuchen, erklärt Hollerbach.

Der See

Der Schultheisweiher ist ein im Stadtgebiet liegender Flachsee mit einer mittleren Wassertiefe von 2,50 m und einer Wasserfläche von rund 10 Hektar. Als Bestandteil des Naturschutzgebietes „Rumpenheimer und Bürgeler Kiesgruben“ erfüllt er als Rastplatz von Zugvögeln, als Fischereigewässer, Naherholungsgebiet und Badesee wichtige Funktionen für Mensch, Tier- und Pflanzenwelt.

Ohne Phosphatentnahme ist mit lang anhaltendem Sauerstoffmangel, der Zerstörung der Wasserpflanzen, Fischsterben, dem Verlust der ökologischen Funktionen im Naturschutzgebiet und damit der Störung des Erhalts im erheblichen Maße und einem dauerhaftem Badeverbot zu rechnen. (fab/Stadt OF)

Das ist wichtig, weil zu viel Phosphat die Wasserqualität beeinträchtigt. Wegen hoher Phosphatwerte musste der See in den vergangenen Jahren mehrfach für den Badebetrieb gesperrt werden – 2019 war das an 28 Tagen der Fall und 2018 an 43 Tagen. Derzeit seien die Werte nicht im Alarmbereich. Gesperrt sei der See ausschließlich wegen der Arbeiten. Bald führe man eine Befischungsaktion mit Anglern durch, zudem wird die Feuerwehrrampe erneuert und auch im See eine Messstation errichtet.

Die Liste der Dinge, die der Wasserqualität im See zusetzen, ist lang: Dazu zählen Sumpfkrebse, die den See leer fressen und Blaualgen, die Sauerstoff produzierenden Wasserpflanzen die Lebensgrundlage entziehen. Und sonnige Trockenperioden sorgen dafür, dass der 2,50 Meter flache See noch flacher wird.

Offenbachs Umweltamt hatte deshalb im letzten Jahr rund 20 Möglichkeiten untersucht, die Wasserqualität zu verbessern. Als vielleicht letzte Rettung stellte das Amt schließlich eine mit Strom betriebene Anlage zur Phosphatentnahme vor. 600 000 Euro investiert die Stadt in das Gerät, das in diesem Jahr gebaut werden soll. Derzeit bereitet das Amt die Ausschreibung vor. Nach Beendigung der Vogelbrutzeit sollen dann am künftigen Standort der Anlage Bäume gefällt werden – später erfolgen Neupflanzungen.

„Die Aufstellung der Anlage liegt im Zeitplan“, sagt Hollerbach. Man verfolge das Ziel, den See „nachhaltig zu stabilisieren und das Erforderliche dafür zu tun, um eine Nutzung als Badesee dauerhaft zu ermöglichen“. Läuft alles nach Plan, sollte 2021 also dauerhaftes Baden in einem sauberen See möglich sein. Die Sperrung in diesem Sommer nutzt die Stadt derweil für weitere Arbeiten: So wurde ein Schilfgürtel zur Vergrämung der Gänse angelegt. Und die Duschanlagen wurden saniert – zumindest sie können auch jetzt schon wieder zur Abkühlung genutzt werden.

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