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Özlem Bumin soll für die SPD antreten

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„Ich mach’ keine halben Sachen“, sagt die designierte SPD-Kandidatin für das Landratsamt, Özlem Bumin. Und freut sich auf den Wahlkampf. knapp
„Ich mach’ keine halben Sachen“, sagt die designierte SPD-Kandidatin für das Landratsamt, Özlem Bumin. Und freut sich auf den Wahlkampf. knapp © mkn

Unterbezirksvorstand schlägt Hattersheimerin als Kandidatin für Landratswahl vor

Main-Taunus - Mit der Hattersheimerin Özlem Bumin hat die SPD Main-Taunus gestern eine echte Überraschungskandidatin für die Landratswahl im kommenden Jahr vorgestellt. Die 51-Jährige, die erst seit zweieinhalb Jahren Parteimitglied ist, hatte dem Unterbezirksvorstand ihre Bereitschaft zur Kandidatur signalisiert - und dann in der persönlichen Vorstellung überzeugt, wie Parteichef Michael Antenbrink berichtete.

Ganz selbstverständlich war das nicht. Immerhin hatten die Genossen ernsthaft überlegt, ob es überhaupt Sinn mache, gegen einen fest im Sattel sitzenden Landrat Michael Cyriax einen aus ihren Reihen als Gegenkandidaten aufzubieten. Die 30-Prozent-Grenze habe man bei Landratswahlen mit seinen Kandidaten im Grunde nie überschritten. Und gerade noch 16 Prozent habe die SPD bei der jüngsten Kommunalwahl erhalten, erinnerte Antenbrink. 2023 sei zudem mit der Landtagswahl ein zweiter Wahlkampf zu bestreiten, da sei die Frage berechtigt gewesen, ob es nicht besser sei, dafür die Ressourcen zu schonen, so der Unterbezirksvorsitzende.

Einstimmiger Beschluss des Parteivorstandes

Dass es am Ende anders gekommen ist, führt der SPD-Chef vor allem auf die Kandidatin zurück. Mit „ihrem Engagement, ihrer Motivation und ihrer Durchsetzungsstärke konnte sie wirklich überzeugen und hat am Ende alle Stimmen für sich gewonnen“, so Antenbrink. Özlem Bumin sei als Frau, als Mensch mit Migrationshintergrund und mit ihrem Blick für das Soziale ein wirklicher Gegenentwurf zum Amtsinhaber. Mit ihr hoffe man, auch andere Wählergruppen ansprechen zu können, sagt SPD-Pressesprecher Moritz Löw.

Die gebürtige Kölnerin, deren Eltern aus der Türkei nach Deutschland kamen, ist kommunalpolitisch ein beinahe unbeschriebenes Blatt. Zwar ist Özlem Bumin Vorstandsmitglied der Hattersheimer SPD, hat aber keinerlei parlamentarische Erfahrung. Immerhin: In Hattersheim hatte sie schon einmal ihren Hut in den Ring geworfen, als ein Kandidat für die Bürgermeisterwahl gesucht wurde. Es gelang ihr dabei, genauso viele Stimmen zu bekommen wie ihr Konkurrent Mesut Çetin, für den am Ende das Los den Ausschlag gab.

Im Kreistag sei sie schon mal dabei gewesen, verriet Bumin, die sich jetzt schnell einarbeiten will in die Themen. Die Diplom-Kauffrau (Schwerpunkt Marketing) hat vor allem sehr viel ehrenamtliche Erfahrung in verschiedensten sozialen Projekten, auch mit Leitungsaufgaben. Im Kunstverein Bad Soden oder im Türkisch-Deutschen Klub ist sie im Vorstand.

Beruflich war die Mutter von zwei Kindern (17 und 19 Jahre alt) von 2016 bis 2019 für den Main-Taunus-Kreis auf einer Projektstelle als Ausbildungs-Coach im Jobcenter tätig. Seit drei Jahren arbeitet sie im Jobcenter der Stadt Wiesbaden als Fallmanagerin.

Mit einem „Ja“ antwortet Bumin selbstbewusst auf die Frage, ob sie sich die Leitungsaufgabe im Hofheimer Landratsamt denn überhaupt zutraue. Auch Michael Cyriax habe einmal angefangen, fügt sie hinzu. Ihre Familie stehe hinter ihr, und mit der SPD habe sie ja jetzt noch eine viel größere Familie, die sie unterstütze. Die Einsicht, dass sie als Özlem Bumin zwar einiges in der Gesellschaft bewirken könne, es aber für mehr einfach eine Parteimitgliedschaft brauche, hat Bumin mit dem rassistisch motivierten Attentat im Februar 2020 in Hanau gewonnen. Die Hattersheimerin, die von sich sagt: „Ich mach’ keine halben Sachen“, soll am 1. März beim Unterbezirksparteitag in ihrer Wahlheimatstadt offiziell als SPD-Kandidatin nominiert werden.

Die mageren Aussichten, die der Parteichef nicht schönreden mag, können Özlem Bumin nicht deprimieren. Sie kontert sie mit dem Bert Brecht zugeschriebenen Zitat, mit dem sie schon beim Unterbezirksvorstand punktete: „Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

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