Oberursel 13.02.20 Ministerpräsident Volker Bouffier(r.) im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern der Hochtaunusschule Oberursel,vlnr: Franziska Hechler, Denise Jankow, Christoph Gründer.
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Oberursel 13.02.20 Ministerpräsident Volker Bouffier(r.) im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern der Hochtaunusschule Oberursel,vlnr: Franziska Hechler, Denise Jankow, Christoph Gründer.

Drogenpolitik

Bouffier mahnt bei Cannabis: „Hände weg von dem Zeug“ - Schüler diskutieren mit dem Ministerpräsidenten

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier diskutiert mit Schülern in Oberursel. In der Drogenpolitik widerspricht er den Jugendlichen.


  • Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) diskutiert mit Schülern
  • Drogenpolitik ein umstrittenes Thema
  • Wichtiges Thema auch der Klimaschutz

Nachher muss Volker Bouffier nach Berlin. Aber hier, in der Hochtaunusschule in Oberursel, scheint die Krise der CDU weit weg zu sein.

Kein einziges Mal in anderthalb Stunden fällt der Name von Annegret Kramp-Karrenbauer. Niemand fragt etwas über die Nachfolge der CDU-Vorsitzenden oder über die politische Krise in Thüringen.

Die mehr als 200 Schülerinnen und Schüler im Saal und die drei bestens vorbereiteten Moderatorinnen und Moderatoren haben ganz andere Themen auf dem Zettel: Was wird aus der Freiheit im Internet? Warum sind die Busverbindungen vom Hintertaunus nach Oberursel so schlecht? Oder auch: Warum wird Cannabis nicht freigegeben?

Oberursel: Ministerpräsident warnt vor Folgen von Cannabis

Der Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzende spricht sich eindringlich gegen eine Freigabe von Cannabis aus. Der Drogenkonsum habe schlimme gesundheitliche Langzeitfolgen wie Schizophrenie, Angstzustände oder Panikattacken, mahnt Bouffier. „Ich werbe dafür, dass man von dem Zeug die Hände lässt.“ Der Satz könnte von einem der Lehrer stammen, auf dessen Stuhl Bouffier heute sitzt – aber das Wort des prominenten Gastes hat möglicherweise mehr Gewicht.

Er ist nicht der erste hochrangige Politiker, den Schulleiter Markus Büchele an der Beruflichen Schule begrüßen kann. Seit 2016, als eine Lehrerin ihren Kontakt zum damaligen SPD-Landesvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel für eine Einladung nutzte, hat die Hochtaunusschule Erfahrungen mit solchen Diskussionen gesammelt. Man merkt es.

Oberursel: EU-Urheberrecht und Rentenprobleme

Selbst Bouffier, der gerne ausführlich doziert, antwortet, ohne auszuschweifen. Auch wenn er anmerkt, man könne weder das EU-Urheberrecht noch die Rentenprobleme in einer Minute erläutern, fasst er sich so kurz, dass Zeit für alle geplanten Themen bleibt. Das ist auch Denise Jankow, Franziska Hechler und Christoph Gründer aus dem Powi-Kurs von Barbara Finkeldey in Jahrgangsstufe 12 zu verdanken, die als Moderatoren durch den Morgen führen und sich nicht von der Schulglocke irritieren lassen, die zur Pause ruft.

Energisch widerspricht Bouffier Schülern, die von einer liberaleren Drogenpolitik einen Rückgang des Konsums erwarten und dafür Erfahrungen aus anderen Ländern anführen. Er kenne kein Land, bei dem dieses Ziel in Erfüllung gegangen sei, entgegnet der Regierungschef. Dann aber hat er genug von dieser Debatte. „Haben wir nicht anderes als ,Wir brauchen mehr Rauschgift?‘“, gibt er den Jugendlichen zurück. „Ich glaube, wir haben noch ein paar ganz andere Probleme.“

Das sehen die Jugendlichen genauso. Der Begriff Klimaschutz fällt zwar nicht, aber die Diskussion ist in Oberursel angekommen.

Oberursel: Klimaschutz ist ein wichtiges Thema

Moderator Gründer räsoniert über München-Flüge, die billiger sind als Bahntickets. Das sei „nicht in Ordnung“. Als Bouffier ihn allerdings fragt, ob er den 20-Euro-Flug nehme, räumt der Schüler ein, dass er bei solchen Preisen nicht widerstehen kann. Bouffier ist obenauf und wirbt dafür, nicht das Fliegen einzuschränken, sondern an synthetischen Kraftstoffen zu forschen. „Ich möchte, dass Sie möglichst ohne schädliche Konsequenzen fliegen“, sagt er.

Dann muss der Ministerpräsident pünktlich Schluss machen. Es geht per Flieger nach Berlin. Doch nicht nur, um die Nachfolge-Debatte um Kramp-Karrenbauer zu ordnen. Sondern auch wegen der synthetischen Kraftstoffe. Wie praktisch, dass ein Schüler sich darüber beklagt hat, die Suche nach alternativen Antrieben konzentriere sich zu sehr auf Elektroautos. Bouffier findet das auch. „Ich glaube, dass die Elektromobilität nur eine Zwischentechnologie ist“, urteilt der Regierungschef.

Vor wenigen Wochen hat Hessen ein „Kompetenzzentrum für Klima- und Lärmschutz im Luftverkehr“ im Frankfurter Stadtteil Gateway Gardens auf die Beine gestellt. Es soll eine Pilotanlage für Power-to-Liquid aufbauen, um das sogenannte E-Kerosin zu testen. Bouffier will nun bei Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) erreichen, „dass wir das nationale Zentrum dafür sind“. Und nicht München, Leipzig oder Dresden.

In einem Interview äußert sich der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) über seine politische Zukunft. Einen vorzeitigen Rückzug schließt er nicht aus.

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