_20200513pj011_190820
+
Stammsitz von Picard in Obertshausen mit einer riesigen Damenhandtasche als Skulptur.

Obertshausen

Picard entlässt 30 Prozent der Beschäftigten

  • Agnes Schönberger
    vonAgnes Schönberger
    schließen

Der Taschenhersteller Picard ist gerettet, eine „Finanzspritze“ ermöglicht ein Insolvenzverfahren in Eigenregie. Das Firmenareal in Obertshausen wird verkauft.

Der Taschenhersteller Picard aus Obertshausen kann vorerst weitermachen. Der 1928 gegründete Traditionsbetrieb, der in vierter Generation von Georg Picard geführt wird, hatte sich im Mai unter ein vorläufiges Schutzschirmverfahren begeben. Auslöser war die Corona-Krise, die zu hohen Umsatz- und Zahlungsverlusten geführt hatte.

Wie die Fachzeitschrift „Textilwirtschaft“ berichtete, soll Ende August das Insolvenzverfahren in Eigenregie eröffnet werden. Ermöglicht habe das eine „Finanzspritze“. Die Rede ist von einem siebenstelligen Betrag, den Familie und Freunde aufgebracht hätten.

Der Sanierungsplan sieht vor, dass rund ein Drittel der Belegschaft am Stammsitz entlassen wird. Das sind laut der Fachzeitschrift 37 Leute, von denen die meisten in eine Transfergesellschaft wechseln sollen. Picard beschäftigt in Deutschland etwa 200 Leute, weltweit sollen es rund 2000 sein.

Mindestens 20 Stellen sollen in der Fertigung in Obertshausen erhalten bleiben, um weiter mit dem Label „Made in Germany“ werben zu können. Der Großteil der Ledertaschen wird allerdings schon lange in eigenen Werken in der Ukraine, in Tunesien und Bangladesch hergestellt.

Zur Rettung des Unternehmens soll auch der Verkauf des Firmengeländes in Obertshausen beitragen. Das heißt, es muss ein neuer Standort gesucht werden. Picard versprach mit Blick auf den Wohnort vieler Beschäftigten, in der Nähe bleiben zu wollen. Teil des Sanierungsplans ist es auch, sich von unrentablen Retailflächen zu trennen. Das dürfte vor allem Läden an Flughäfen betreffen. Laut „Handelsblatt“ erzielte der Taschenhersteller im Geschäftsjahr 2018/2019 einen Umsatz von 27 Millionen Euro, ein Viertel davon im Ausland.

Das Schutzschirmverfahren ist die mildeste Form des Insolvenzverfahrens. Es bietet Unternehmen drei Monate Zeit, dem Gericht einen Sanierungsplan vorzulegen, der die Entschuldung aufzeigt. In dieser Zeit ist es vor Ansprüchen der Gläubiger geschützt.

Picard hatte gegenüber der FR im Mai von Umsatzverlusten in Höhe von sieben Millionen Euro für die Monate März bis Ende Mai gesprochen. Der Internetvertrieb habe die Einnahmenrückgänge durch die Schließung von Geschäften im In- und Ausland aber nicht kompensieren können. Topkunde von Picard ist die Kaufhauskette Galeria-Kaufhof-Karstadt, auch sie hatte ihre Filialen wochenlang geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare