Vor dem Zugang zum ehemaligen FKK-Bereich weist ein Schild auf den Textilzwang hin.  
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Vor dem Zugang zum ehemaligen FKK-Bereich weist ein Schild auf den Textilzwang hin.  

Rodgau

Nudisten protestieren gegen Ausschluss am Rodgauer Badesee

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Der Bekleidungszwang, der coronabedingt in dieser Saison am Rodgauer Badesee herrscht, hat einen Proteststurm der FKK-Anhänger heraufbeschworen.

Die Stadt Rodgau hat sich den Zorn der FKK-Anhänger zugezogen. Diese laufen Sturm gegen die coronabedingte Entscheidung, im Strandbad Nieder-Roden den bisherigen Nacktbadebereich als Textilgelände auszuweisen. Der Badesee bleibt somit in dieser Saison den Gästen in Badehose, Badeanzug oder Bikini vorbehalten. Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) weiß, dass die Nudisten mit dieser Regelung „nicht glücklich sind“. Nur so könne man jedoch eine Teilung des Badebetriebs in eine Früh- und Spätschicht vermeiden.

Am gestrigen Freitag öffnete das Strandbad erstmals wieder. Der Andrang war angesichts des meist bedeckten Himmels überschaubar – doch die Verantwortlichen waren froh, dass es in dieser Saison, in der Corona vieles verändert und erschwert, nicht gleich wieder „voll losging“.

Am Eingang werden die Tickets gescannt.  

17 500 Quadratmeter groß ist die Liegefläche. Die Corona-Vorschrift der Landesregierung verlangt, dass jeder Badegast fünf Quadratmeter Platz haben muss; somit dürfen also maximal 3500 Personen aufs Gelände. Um möglichst vielen Menschen ein Badevergnügen zu ermöglichen, beschloss der Magistrat, den FKK-Bereich umzuwidmen. Man wolle den Menschen einen ganzen Urlaubstag bieten können und nicht nur einen halben, machte der Bürgermeister gestern bei einem Vororttermin klar.

Eintritt

In dieser Saison gibt es am Rodgauer Badesee nur Tagestickets, die unter freibadtickets.de maximal zwei Tage im Voraus, aber auch noch direkt in der Warteschlange vor Ort gebucht werden können.

Erwachsene zahlen 3 Euro, Kinder bis 16 Jahre, Rentner, Studenten und Schwerbehinderte 1,50 Euro. Dazu kommt jeweils ein Corona-Aufschlag von 50 Cent.

Der Zutritt erfolgt ein paar Meter vor dem eigentlichen Eingang, der Ausgang unterhalb der Volleyballplätze. Dort werden die Tickets noch einmal gescannt. ann

Am Eröffnungstag bekamen die Nudisten gleich vor Augen gehalten, was Sache ist: Das Schild „Textilstrand“ prangte über dem Zugang zum eigentlichen FKK-Abschnitt. Mittags lag gerade einmal eine gute Handvoll Badegäste in dem Bereich, den sonst die Nudisten bevölkern. War das stiller Protest durch Fernbleiben? Gerade sie sind es doch normalerweise, die das Strandbad auch dann aufsuchen, wenn die Sonne nicht unbedingt vom Himmel lacht.

Fakt ist: Viele Nudisten fühlen sich gegängelt, weil sie Badebekleidung anlegen müssen, und äußern in den sozialen Medien lautstark ihren Unmut. „Wer überzeugt FKK betreibt, für den ist das keine Alternative“, heißt es. Die treueste Gemeinde werde ausgegrenzt. Die Entscheidung der Stadt verstoße gegen das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, weil eine bestimmte Personengruppe von vorneherein ausgeschlossen werde.

Die Anhänger der Freikörperkultur sprechen von Diskriminierung; man hätte doch genauso gut – ebenso diskriminierend – entscheiden können, dass nur nackt gebadet werden darf. „Sind FKKler in den Augen der Entscheider Menschen zweiter Klasse, die nicht aufs Gelände dürfen, weil Textilbadende bessere Menschen sind, denen man den Vorzug geben muss?“, fragt einer. Und ein anderer stellt fest, die „Textiler“ hätten doch genügend andere Ausweichmöglichkeiten. Sogar mit juristischen Schritten wird der Stadt gedroht.

In den vergangenen Tagen seien online, telefonisch und schriftlich mehr als 200 Beschwerden eingegangen, sagt Hoffmann Thomas Dursun, Fachbereichsleiter Strandbad, und erklärt, warum so entschieden wurde: Die Nudisten machten über die Saison gesehen nur ein Viertel der Besucher aus, könnten normalerweise aber die Hälfte des Geländes nutzen. „Familien können dieses Jahr wegen Corona nicht in Urlaub fahren, deshalb appellieren wir an die Solidarität der FKK-Anhänger“, sagt Hoffmann.

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