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Polizisten kontrollieren eine Gruppe von Neonazis, die im März ein Rechtsrock-Konzert in Leun-Stockhausen besuchen wollen.

Lahn-Dill-Kreis

Razzia gegen Neonazis

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Die Polizei findet Schusswaffen und NS-Devotionalien in einem Szenetreffpunkt im Lahn-Dill-Kreis.

Bei der Durchsuchung eines bekannten Treffpunkts der Neonazi-Szene im Lahn-Dill-Kreis haben Spezialeinheiten der hessischen Polizei am Mittwoch Schusswaffen und Devotionalien mit Bezug zum Nationalsozialismus beschlagnahmt. In dem Anwesen in Leun-Stockhausen, das als „Bistro Hollywood“ bekannt ist und in der rechten Szene „Teutonicus“ genannt wird, wurden zudem ein provisorischer Schießstand und eine Übungsgranate entdeckt.

Wie die Polizei mitteilte, wurden am Mittwochmorgen die Wohnungen von insgesamt fünf Beschuldigten durchsucht. Die Staatsanwaltschaft Wetzlar ermittelt gegen die Männer im Alter von 17, 18, 30 und 50 Jahren wegen des Verdachts auf gefährliche Körperverletzung, räuberische Erpressung und Verstoß gegen das Waffengesetz.

Zwei der Beschuldigten sind den Angaben zufolge 18 Jahre alt, sie leben in Ehringshausen beziehungsweise Solms. Gegen beide wurde in der Vergangenheit bereits wegen Erpressung, Diebstahls und Drogendelikten ermittelt, die Polizei zählt sie aber nicht zur rechten Szene. Den jungen Mann aus Ehringshausen trafen die Beamten nicht in seiner Wohnung an, er wurde wenig später an seinem neuen Wohnort festgenommen.

Porträts von Adolf Hitler

Der Schwerpunkt der Polizeiaktion lag auf dem Bistro Hollywood in Leun, wo die drei 17, 30 und 50 Jahre alten Beschuldigten wohnen. Die beiden älteren Männer sind der Polizei als rechte Straftäter bekannt. In dem Anwesen, das mehrere Wohnungen umfasst, fanden die Ermittler mehrere Gewehre, eine scharfe, geladene Pistole sowie Messer, Wurfsterne und ein Bajonett, die alle nach dem Waffengesetz verboten sind. Außerdem entdeckten sie eine Übungsgranate. Da zunächst nicht klar war, ob es sich um eine scharfe Granate handelt, musste das Anwesen evakuiert werden, bis Spezialisten des LKA Entwarnung gaben.

In dem Gebäude kamen außerdem zehn Gramm Haschisch und ein provisorischer Schießstand auf einem der Dachböden zum Vorschein. Zudem fanden die Ermittler mehrere Armbinden mit Hakenkreuzen, Porträts von Adolf Hitler und mit SS-Runen verzierte Dolche.

Alle fünf Beschuldigten wurden vorläufig festgenommen und nach Abschluss der Vernehmungen wieder auf freien Fuß gesetzt. Der 50-Jährige aus Leun erlitt bei der Razzia einen Schwächeanfall und musste im Krankenhaus behandelt werden. Ein Polizeisprecher sagte der Frankfurter Rundschau, die fünf Männer seien alle miteinander bekannt, weshalb man ihre Wohnung gleichzeitig durchsucht habe. Man gehe aber nicht davon aus, dass sie eine rechtsradikale Gruppe gebildet hätten.

Für kommenden Freitag wird in der hessischen Neonazi-Szene bereits seit längerem für ein Rechtsrock-Konzert geworben, bei dem nach bisherigem Stand zwei Mitglieder der Hooligan-Band „Kategorie C“ und die Gruppe „Nahkampf“ auftreten sollen. Nach FR-Informationen soll die heimlich organisierte Veranstaltung mit dem Motto „Rock against Communism“ im Bistro Hollywood stattfinden. Dort hatte es in der Vergangenheit immer wieder Neonazi-Konzerte gegeben. Zuletzt waren dort im März die Bands „Oidoxie“ und „Kategorie C“ aufgetreten, nachdem die hessische NPD mit ihrem Plan gescheitert war, ein Rechtsrock-Festival in der Wetzlarer Stadthalle abzuhalten.

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