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Notfallpläne für einen Blackout

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Stadt und Wehr richten sich auf Gasmangel ein

BAD HOMBURG - Dunkelheit, Gestank, Lärm, panische Menschen - was bei einem Blackout, also einem überregionalen, längeren Stromausfall - passieren würde, ist bisher noch allenfalls Filmstoff. Zum Glück. In den jetzigen Zeiten von Gasmangel und allgemein unsicherer Weltlage trifft das Thema auf die Realität, wenn sich besorgte Menschen fragen, ob in ihrer Stadt vorgesorgt wird.

In Bad Homburg hat am Donnerstagabend der Klima- und Umweltausschuss auf CDU/SPD-Initiative einstimmig einen Bericht vom Magistrat gefordert: Welche Vorkehrungen wurden und werden getroffen? Wie will man die kritische Infrastruktur schützen? Und: Sind „Wärmeinseln“ geplant, falls es im Winter zu einer Gasmangellage kommt?

Bei einem Blackout ist nicht das Hauptproblem, dass die Bürger frieren müssen oder keine Lampe geht.

Es geht um die Bedrohung unseres Lebens, wie wir es kennen. Alle Menschen sind gleichermaßen betroffen. Gebäudeaufzüge, medizinische Geräte, die Lebensmittelkühlung und Abwasser-Hebeanlagen fallen aus. Man kommt nicht mehr in den Supermarkt. Handynetze brechen zusammen, Ampeln gehen nicht mehr und Computer, die so vieles heute steuern. „Unser Umfeld ist zunehmend abhängig von Strom“, erläutert Feuerwehrchef Daniel Guischard.

„Im Fall eines längerfristigen Blackouts ist sehr rasch mit verketteten Kaskadeneffekten in allen Bereichen der kritischen Infrastrukturen zu rechnen“, ergänzt Bürgermeister Dr. Oliver Jedynak (CDU). Eins führt zum anderen - je länger, umso gewaltiger. „Die Ressourcen werden knapp und die Informationslage unklar.“ Die Verwaltung arbeitet, angestoßen von der Feuerwehr, schon seit 2015 an einer ganzheitlichen Risikobetrachtung. Details werden derzeit, auch in Kooperation mit den Stadtwerken, noch ausgearbeitet.

Jedynak spricht von drei Szenarien, denen man nachgehe: Stromausfall, Gas-Mangellage und schlimmstenfalls beides zusammen. Dies sei Experten zufolge zwar unwahrscheinlich, aber man müsse mit allem rechnen. „Derzeit befinden wir uns intensiv in der Vorbereitung auf ein Szenario einer Gasmangellage mit Auswirkungen wie begleitenden Stromausfällen mit mindestens bis zu 72 Stunden“, so der Bürgermeister. Eine noch länger funktionierende Notversorgung mit Wasser, Wärme und Schutz sei unrealistisch.

Technische Hilfsmittel und Vorräte in den Keller

So sei es auch nicht möglich, für alle knapp 56 000 Einwohner „Wärmeinseln“ bereit zu stellen. Wohl aber werde es Anlaufpunkte für verletzliche Gruppen geben - ältere Menschen, kleine Kinder und alle, die durch langanhaltende Kälte gefährdet wären. „Elementar wichtig ist aber, dass sich die Bevölkerung generell selbst versorgt und die eigene Resilienz (Widerstandskraft) gegenüber Kälte erhöht“, so Guischard. Die Stadt verteilt Broschüren, welche Vorräte und technischen Hilfsmittel man zu Hause vorrätig haben sollte. Die Informationen sind auch im Internet abrufbar (etwa unter www.asb.de oder https://survival-kompass.de/blackout/).

Die Feuerwehr bereitet sich schon seit knapp zehn Jahren auf einen möglichen Stromausfall vor. Basen sind die Feuerwache in der Dietigheimer Straße sowie die Gerätehäuser in allen Stadtteilen - sie sind Anlaufstellen für eine begrenzte Anzahl von Bürgern im Krisenfall.

Wie Guischard erläutert, haben die neuen Feuerwehrstützpunkte in Dornholzhausen, Ober-Eschbach und an der Dietigheimer „ortsfeste Netzersatzanlagen“ - also kleine Kraftwerke, die das Gebäude auch ohne Stromzufuhr in voller Funktion erhalten können. Die noch nicht sanierten Gerätehäuser Kirdorf, Ober-Erlenbach und Gonzenheim würden mit externen Netzersatzanlagen ausgestattet, die Heizung und Lüftung am Laufen halten würden, wenn es kein Gas gibt.

Jedynak berichtete im Ausschuss, es werde gerade ein „Hotmobil“ - eine Ölpumpe in einem kleinen Fahrzeug - angeschafft. Der Bürgermeister ist froh über den Vorsprung durch die Feuerwehr - und darüber, dass alle Stadtteile einen eigenen Stützpunkt haben.

Und was, wenn es länger als 72 Stunden weder Strom noch Gas gibt? Bleiben Heizöl und Diesel; die Wehr hat laut Guischard eine Tankstelle so ertüchtigt, dass die Feuerwehr Treibstoff für die Notstromaggregate abzapfen kann.

Auch die Wasserversorgung ist ein wichtiges Thema: Die Experten rechnen für jeden Menschen einen Bedarf von zwei Litern Trinkwasser pro Tag. Zum Glück, so Guischard, habe man in Bad Homburg eigene Quellen; auch an die Hochbehälter käme die Wehr im Notfall dran, um das Wasser dann zu verteilen. Zurzeit arbeitet die Stadt an einer Personalplanung für diverse Krisenstäbe und an einer Notbesetzung der Wehren.

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