Nur wenige Schulen in Hessen nutzen die neue Freiheit und verzichten auf herkömmliche Notengebung.
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Nur wenige Schulen in Hessen nutzen die neue Freiheit und verzichten auf herkömmliche Notengebung.

Schule

Noten 1 bis 6 bleiben in Hessen Standard

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Nur wenige Schulen in Hessen nutzen die neue Freiheit und verzichten auf herkömmliche Notengebung. Die SPD hat dafür eine Erklärung.

In Hessen sollen Schulen mehr Freiheiten bei ihrem pädagogischen Konzept bekommen. Dazu gehört die Abschaffung von Noten. 30 Schulen sollen jedes Jahr diesen Weg einschlagen können, 150 insgesamt (von rund 2000 hessischen Schulen). Tatsächlich werden damit nach den Sommerferien allerdings lediglich 14 beginnen – weniger als von der Landesregierung erwartet.

CDU und Grüne hatten in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, dass hessische Schulen die Möglichkeit erhalten sollten, „pädagogisch neue Wege bei der Erreichung der Bildungsziele zu gehen“.

So können sie beispielsweise Unterricht fächerübergreifend erteilen, jahrgangsübergreifende Lerngruppen bilden sowie Schülerinnen und Schüler stärker in die Gestaltung des Unterrichts einbeziehen.

Unwillen in Teilen der CDU erregt hatte allerdings vor allem ein weiterer Punkt. Die Schulen sollen nämlich „Rückmeldungen über den Lernfortschritt und den Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler in Form einer schriftlichen Bewertung geben“ können – die Notengebung 1 bis 6 würde damit abgeschafft.

Jedoch nicht vollständig. Denn beim Verlassen der Schule oder bei einem Schulwechsel muss dann doch noch ein Zeugnis mit Noten erstellt werden.

Von den 14 Schulen, die sich für den Modellversuch beworben haben, werden allerdings nur vier tatsächlich auch auf die herkömmliche Notengebung verzichten.

Es sind dies die Astrid-Lindgren-Grundschule in Marburg, die Karl-Treutel-Grundschule in Kelsterbach, die Kooperative Gesamtschule Niederrad in Frankfurt sowie die Friedrich-Wöhler-Schule in Kassel.

Daniel May, bildungspolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, zeigte sich trotz der Zurückhaltung der Schulen bei der Bewerbung um mehr Selbstständigkeit zufrieden: „Unser Ansatz, neue Wege der Schulentwicklung unter Beibehaltung der Bildungsstandards zu ermöglichen, wird sehr gut angenommen.“

Werben um Teilnehmer

May warb zugleich um mehr Beteiligung. So würden die Anmeldefristen großzügig gehandhabt, teilnehmende Schulen erhielten eine erhöhte Lehrerzuweisung und könnten sich zudem bei einer der vier hessischen Versuchsschulen zu neuen pädagogischen Konzepten beraten lassen.

Auch Kultusminister Alexander Lorz (CDU) ermunterte Schulen, sich auf den Weg zu mehr pädagogischer Freiheit zu begeben. „Teilnehmende Schulen erhalten erweiterte Handlungsspielräume, um eigene konzeptionelle Schwerpunkte für ihre Qualitätsentwicklung und insbesondere für ihre Unterrichtsentwicklung zu setzen“, sagte er.

Christoph Degen (SPD), bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, hatte dazu eine Anfrage an das Kultusministerium gerichtet. Er nennt die Beteiligung der Schulen „enttäuschend“, hat dafür allerdings auch Verständnis. „Die Landesregierung schafft theoretische Möglichkeiten, gibt aber den Schulen nicht die nötigen Ressourcen, um diese auch zu verwirklichen“, kritisiert er.

Beispielsweise sei mit dem Verzicht auf Noten viel Arbeit verbunden, da stattdessen ausführliche schriftliche Beurteilungen angefertigt werden müssten. „Eine kleine Grundschule erhält dafür aber gerade einmal eine Wochenstunde zusätzlich“, so Degen.

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