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Ein Schaf, zwei Schafe, drei Schafe, vier Schafe, fünf Schafe, sechs Schafe, sieben Schafe, acht Schafe, neun Schafe, zehn Schafe. .

Nonnenroth

Wo Schläfer wie Schäfer schlafen

  • Steffen Herrmann
    VonSteffen Herrmann
    schließen

In Mittelhessen lockt eine besondere Herberge: Wer in Nonnenroth bei Hungen einkehrt, zählt womöglich nicht nur in der Nacht Schäfchen.

Kein Schaf, nirgends. Der weiße Fleck auf einer Wiese ist bloß ein Storch – schade. Auf den Felder vor den Toren von Hungen sind keine Schafe zu sehen. Stattdessen: Apfelbäume, Wildkräuter und ein paar Fahrradfahrer. Wer weiß, vielleicht haben in Mittelhessen auch Wollproduzenten Sommerferien.

Die Schäferstadt Hungen ist trotzdem eine Reise wert. Vor allem, wenn man sie verlässt: Zum Beispiel in Richtung Nonnenroth, knapp fünf Kilometer von Hungen entfernt. Das Dorf ist gut zu Fuß oder per Fahrrad zu erreichen. Es geht durch dichten Wald, vorbei an Seen und über Wiesen. Zwar ohne Schafe, dafür mit desinteressierten Rindern und aufdringlichen Mücken.

Das Erholungsgebiet „Drei Teiche“ bei Nonnenroth: Der Stachelsee (Foto), der Gleichensee und der Hubachweiher.

In Nonnenroth wartet eine ganz besondere Herberge: sechs Schäferwagen mit 18 Schlafplätzen. Die Wagen sind wahre Platzwunder: Ein Doppelbett, ein Einzelbett, ein kleiner Schrank, Tisch und Hocker – viel Holz auf wenig Raum. Aber das Zusammenrücken sollte während der Corona-Krise kein Problem sein – und wenn doch: Draußen warten Kirschbäume, Wiesen und Felder.

„Die Idee der Schäferwagen-Herberge ist bei einem Glas Wein entstanden.“ Das erzählt Marlies Schmied, die für das evangelische Dekanat Hungen arbeitet und die Buchungen verwaltet. Aus der Weinidee wurde dann im Mai 2018 Realität. Die Schäferwagen waren von Anfang an eine beliebte Unterkunft: Nach nur drei Monaten feierten die Nonnenrother bereits die 1000. Übernachtung. Oft sind es Familien mit kleinen Kindern, die die Schäferwagen zu ihrem kurzzeitigen Zuhause machen.

„Vor allem am Wochenende kommen viele Wiederholungstäter“, erzählt Schmied und lacht. Wegen der Corona-Krise sei die Herberge zwar im April und Mai geschlossen gewesen, inzwischen nehme die Auslastung aber wieder zu. Natürlich habe die Herberge auch ein Hygienekonzept, betont die 59-Jährige. „Wir geben uns große Mühe.“

Der Schäferwagen ist ein Tiny-House.

Manchmal kommen auch Wanderer in die Herberge: Der 360 Kilometer lange Lutherweg führt durch den Ort. Die Pilger folgen den Spuren des Reformators Martin Luther, der im Frühjahr 1521 von Wittenberg zum Reichstag in Worms und zurück zur Wartburg bei Eisenach gelaufen war.

Damals war der Weg beschwerlich und voller Gefahren, Heute müssen Pilger bloß den vielen Schildern folgen. Die führen sie unter anderem zur eindrucksvollen – und natürlich evangelischen – Kirche, die auf einer Anhöhe über Nonnenroth und den Schäferwagen thront.

Holz, Holz, Holz in allen Formen: Die Schäferwagen stehen auf einer Streuobstwiese.

Unten ist viel Platz für Abenteuer. Das Naturschutzgebiet „Seifenwiesen und Luchsee“ ist nur einen kleinen Spaziergang entfernt. Hier verstecken sich einige Exoten mit märchenhaften Namen: das Sumpf-Weidenröschen, der Wachtelkönig oder die Wasserspitzmaus zum Beispiel.

Das wichtigste Tier aber ist das Schaf, denn Nonnenroth ist ein Stadtteil von Hungen. Die Schäferstadt ist so etwas wie das Mekka der hessischen Schäfer: Schon um 1600 weideten Schafe auf den weitflächigen Wiesen um Hungen, knapp 320 Jahre später gründete sich der hessische Schäferverband in einer Hungener Gaststätte. Bis heute lockt das Schäferfest alle zwei Jahre Züchter und Tiere nach Hungen. Hier müssen sie dann ihr Können in verschiedenen Disziplinen beweisen, zum Beispiel die Herde an Hindernissen vorbeiführen.

Der Kirchturm von Nonnenroth.

Viele Schäfer sind es allerdings nicht mehr: Knapp 70 sollen es in Hessen noch sein – Tendenz fallend. Ein Beruf, der vom Aussterben bedroht ist. Umso wichtiger, etwas über die harte Arbeit der verbliebenen Schäfer zu erfahren. Besucher können auf den Spuren der Schäfer über die Weiden rund um die Stadt wandern sowie die Schaukäserei und den „Erlebnisraum Schaf“ in der „Käsescheune“ besichtigen. Auch ein Besuch beim Hungener Stadtschäfer ist nach Anmeldung möglich.

Das entschädigt vielleicht für die Tatsache, dass auf den Wiesen um die Schäferwagen nur Obstbäume, aber keine Schafe stehen. „Manche vermissen die Tiere auf dem Gelände“, sagt Marlies Schmied, „aber in deren Hinterlassenschaften treten will auch niemand.“

Verlosung

Heute verlosen wir einen Kurzurlaub im Dorf Nonnenroth in der Schäferstadt Hungen - stilecht wird im Schäferwagen geschlafen. Eine Familie, ausdrücklich gerne auch eine Großfamilie, darf zwei Nächte dort verbringen. Wenn Sie an der Verlosung teilnehmen möchten, dann rufen Sie bis zum heute, 28. Juli, um 14 Uhr bei unserer Gewinn-Hotline 01378-800831*an und nennen Sie das Stichwort „Schäfer“. Damit wir Sie im Gewinnfall benachrichtigen können, hinterlassen Sie bitte Ihren Namen, Ihre Anschrift und Telefonnummer.

*Der Anruf kostet 50 Cent aus dem dt. Festnetz, Mobilfunk teurer. Anbieter Telemedien Interactive GmbH, Datenschutz unter: datenschutz.tmia.de. Die Gewinner werden per Zufall ermittelt und telefonisch benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, eine Barauszahlung der Gewinne findet nicht statt. Mitarbeiter der Frankfurter Societäts-Medien GmbH sind von der Teilnahme ausgeschlossen.

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