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Nahe der Waldfreizeitanlage in Rodgau-Jügesheim ist immer noch Windbruch zu finden. rolf oeser

Kreis Offenbach

Noch immer liegt Sturmholz im Kreis Offenbach herum

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Die Sturmschäden von 2019 sind in den Wäldern im Kreis Offenbach noch nicht vollständig aufgearbeitet. Jetzt machen dem Forstamt auch noch geschädigte Kiefern und Buchen Sorgen.

Es steht schlecht um den Wald im Kreis Offenbach. Vor einem Jahr hatte ein Unwetter eine Schneise der Verwüstung hinterlassen und ganze Waldabteilungen dem Erdboden gleichgemacht, jetzt setzen Pilze sowie Trockenheit und Hitze den Bäumen zu, die den Sturm überlebt haben. Vor allem bei den Kiefern und den Buchen gebe es massive Probleme, sagt Michael Löber, stellvertretender Leiter des Forstamts Langen, das für den gesamten Kreis und die Stadt Offenbach zuständig ist.

Die Schäden, die der Sturm im August 2019 in den Wäldern des Landkreises verursacht hat, sind noch immer nicht vollkommen beseitigt. 120 000 Festmeter Holz sind laut Löber bisher angefallen – wobei ein Festmeter ungefähr einem Kubikmeter Baumstämmen entspricht. „Im Stadtwald Rodgau liegen aber noch große Bestände, die wir bisher nicht aufarbeiten konnten“, sagt Löber. Am Ende werden es wohl 150 000 Festmeter werden, rechnet er vor.

Das viele Laubholz, das bei dem Unwetter anfiel, konnte das Forstamt Langen problemlos verkaufen. Anders sah es beim Nadelholz aus. Der Absatz sei sehr schwierig gewesen, erzählt Löber, weil europaweit wegen der Borkenkäferplage viel Fichtenholz auf dem Markt ist. Das Forstamt verkaufte deshalb Kontingente für einen niedrigen Preis an Selbstwerber. Diese Unternehmer holten das Schadholz mit Harvestern aus dem Wald und verkauften es auf eigene Rechnung.

Die „eigentlich durchaus standortgerechte Kiefer“ bereitet dem Forstamt große Sorgen. Sie sei im dritten Jahr hintereinander durch Trockenheit und Hitze gestresst. Der Diplodia-Pilz, der in die frischen Triebe und die Nadeln eindringt, habe leichtes Spiel mit den geschwächten Bäumen. „Die Nadeln sterben dann ab, und der Baum ist tot“, sagt Löber. Vor allem in den Wäldern, die nahe der Raststätte Weiskirchen an der Autobahn 3 liegen und der Stadt Seligenstadt sowie der Gemeinde Hainburg gehören, seien ganze Waldstücke nur noch braun statt grün. Auch in den Stadtwäldern von Rödermark und Rodgau stünden eine Unmenge geschädigter Kiefern.

Wer auf der A3 von Seligenstadt in Richtung Offenbach, aber auch am Gut Neuhof in Dreieich unterwegs ist, sieht noch ein anderes Problem: Alte Buchenbestände mit Bäumen, die 100 bis 120 Jahre alt sind, sterben massiv ab. Intensive Sonneneinstrahlung führt dazu, dass sich die Blätter an der Krone einrollen und abfallen. Die Wasserversorgung der Bäume ist dann geschädigt, die dünne, feine Rinde platzt ab, Äste werden trocken und brüchig. Der Baum sterbe von oben her ab, sagt Löber. Auch jüngere Eichen reagierten schon auf die Hitze.

„Wir wünschen uns, dass es bis Weihnachten jede Nacht regnet“, sagt der stellvertretende Forstamtsleiter. Es sei zwar in diesem Jahr etwas mehr Regen gefallen als im Vorjahr, aber „fast wirkungslos verpufft“, weil der Boden so hart ist, dass das Wasser nicht versickern kann. „Gerade mal die obersten zehn Zentimeter sind durchfeuchtet.“

Die Revierleiter kartieren aktuell die Mengen, die erkennbar noch absterben werden. „Es wird noch einiges an geschädigten Bäumen dazukommen in diesem Sommer“, sagt Löber und prognostiziert einen Anteil von mindestens 20 Prozent – „eher wohl sogar mehr“.

In den Windbruchflächen setzen die Waldbesitzer darauf, dass sich neue Bäume von selbst ansamen. Aufforstung ist nämlich teuer: Pro Hektar sind beispielsweise 8000 Eichen notwendig – und die kosten inklusive Pflege und Wildschutzzaun rund 30 000 Euro, bis sie stark genug sind. Darüber hinaus hat das Forstamt Probleme, Pflanzmaterial zu bekommen, weil derzeit die riesigen Kahlflächen in Nordhessen wiederbewaldet werden.

Im Rodgauer und Seligenstädter Forst werde man in Abstimmung mit den Waldbesitzern aufforsten müssen, sagt Löber, im Langener Wald sei unter dem Großteil der Windbruchflächen genug Naturverjüngung vorhanden. Welche Baumart dort keimt, sei zweitrangig; das Forstamt sei froh um jeden Baum, der auf den Kahlflächen wachse.

Der Pilz hat die Bäume am Wasserturm im Rodgauer Stadtteil Jügesheim absterben lassen. rolf oeser

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