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Er hat die Täler, von denen er singt, auch durchwandert: Mark Lanegan.

Gibson Club in Frankfurt

So ein Herz so düster

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Mark Lanegan mischt seit Jahrzehnten im Musikgeschäft mit. Jetzt kommt die einstige Grunge-Ikone aus Los Angeles mit seiner Band in den Frankfurter Gibson Club.

Als Mark Lanegan unlängst sein jüngstes Album vorlegte, das vierte in fünf Jahren, erntete er gewohntes Echo: Die Kritik reagierte annähernd unisono begeistert, es gab Vergleiche mit dem guten Tropfen Wein, der mit den Jahren nur besser werde, doch in den Rotationen großer Radiostationen landeten die Songs wieder mal nicht.

Anerkennung kennt der Songschreiber mit dem abgrundtiefen Bariton nicht nur seitens der Fans und Musikpresse; auch unter Musikern ist der einstige Sänger der Grunge-Melodiker Screaming Trees beliebt. Gern wird der Hüne mit den vielen Tätowierungen als Gastvokalist eingespannt, ob bei den Queens Of The Stone Age, bei Moby oder dem Elektronica-Duo Soulsavers; seine Kollaborationen umfassen den alten Mitbewohner Greg Dulli von den Afghan Wighs, die Indie-Elfe Isobel Campell oder zuletzt den Londoner Songwriter Duke Garwood.

Von außen betrachtet wirkt Lanegan wie ein manischer Vielschreiber. Einer jedoch mit ungewöhnlich viel Lust auf neue Einflüsse und einem sicheren Gespür für sein charaktervolles Instrument. Seine grabestiefe Reibeisenstimme bringt er immer wieder mit interessanten Texturen zwischen Americana und verhangenem Psychedelic-Pop in Verbindung – ohne ins Stereotyp des lebensweisen Predigers zu verfallen. Das einzige Mal, als der Autodidakt aus Ellensburg bei Seattle mit einem Majorplattenvertrag in den Rock-Mainstream aufstieg, geschah relativ früh: Damals war er mit den Screaming Trees mitten im Grunge-Hype gelandet; doch die Posterboys der Generation X wurden bekanntlich andere.

Fans aus jenen Jahren sind Mark Lanegan seither erhalten geblieben, doch wies die Richtung wieder in Richtung Underground. Vielleicht fehlten dem rotblonden Hünen die Eigenschaften, die es braucht, um es auf die Frontseiten der Musikmagazine und in die Talk-Shows zu bringen.
Der Mann, der seinen Teil einer Absturz-Biografie samt Knast-Erfahrung und Heroin-Sucht schon gelebt hat, ist ein wahrlich schlechter Selbstverkäufer: wortkarg im Gespräch, einer, der auf der Bühne oft so wirkt, als sei er fehl am Platz im Spotlight. Zum Thema Unwohlsein im Rampenlicht erklärte der 52-Jährige unlängst in einem Online-Magazin: „Ich mag den Moment des Auftretens und Abtretens nicht, das versuche ich schnellstmöglich hinter mich zu bringen.“ Sobald das Konzert erstmal laufe, sei „alles gut“.

Dass Mark Lanegan im Reinen mit sich und seiner Bandumgebung ist, merkt man vor allem seinen Platten an. Besonders rund und dichtgewoben ist die aktuelle, seine zehnte. Darauf lotet der Songschreiber mit Adresse in Los Angeles sein musikalisches Spektrum mit beiläufiger Eleganz aus: Blues und Gospel bilden den Boden, auf dem vieles andere gedeiht: von melodieseligem Garage-Rock wie in „Beehive“ über elektronisch infizierten Rock nach Art englischer Schwarzseher wie Sisters Of Mercy bis zum sehnsuchtssatten Dark Folk, der in Songs wie „Goodbye to Beauty“ von fern an Nick Cave erinnert. Wenn es um den australischen Songpoeten geht, wird Lanegan selbst zum Fanboy. Der sei längst jenseits der 50 – „but still completely kicks ass!“, findet er. Dabei ist Lanegan selbst einer von denen, die mit den Jahren noch an Klasse gewinnen.

Wenn die Mark Lanegan Band jetzt in Deutschland eine Handvoll Konzerte spielt, sollte man auch das Vorprogramm beachten: Neben dem belgischen Musiker Lyenn kommt auch Duke Garwood angereist. Der Londoner schwelgt mit seinem langsamtretenden Desert Blues in ähnlichen Abgründen wie Lanegan, was 2013 in das gemeinsame Album „Black Pudding“ mündete.

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