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Das Autorenteam recherchierte ehrenamtlich für das Buch über die NS-Zeit.
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Das Autorenteam recherchierte ehrenamtlich für das Buch über die NS-Zeit.

NS-Zeit in Kelkheim

Nicht alle Zeitzeugen wollten reden

  • Andrea Rost
    VonAndrea Rost
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Eine Arbeitsgruppe veröffentlicht ein Buch über die Zeit des Nationalsozialismus in Kelkheim und bricht damit ein Tabu.

Lange haben Kelkheims Kommunalpolitiker das Thema Nationalsozialismus in ihrer Stadt nur mit spitzen Fingern angefasst. Erst 2013 einigten sich die im Parlament vertretenen Parteien auf einen gemeinsamen Antrag und beauftragten eine Arbeitsgruppe, über die Zeit zwischen 1933 und 1945 in Kelkheim und seinen Stadtteilen zu recherchieren. Anders als in Hofheim oder Hattersheim, wo die spezialisierte Zeithistorikerin Anna Schmidt engagiert wurde, sollten sich in Kelkheim Ehrenamtliche auf historische Spurensuche begeben.

Einfach sei das nicht immer gewesen, berichtete Rüdiger Kraatz bei der Präsentation des Buches „Kelkheim in der Zeit des Nationalsozialismus“, das jetzt erschienen ist. Der ehemalige Lehrer und Vorsitzende des örtlichen Museumsvereins hat zahlreiche Zeitzeugeninterviews geführt. Er hat ein „Schweigen zwischen den Generationen“ ausgemacht. Viele seiner Gesprächspartner, hätten nur ungern über die „dunkle Vergangenheit“ reden wollen. Auch in seiner Familie sei das Thema tabuisiert worden, bestätigte Kelkheims Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW). Weder sein Vater noch sein Großvater hätten über die Zeit des Nationalsozialismus gesprochen. „Deshalb ist es besonders wichtig, dass dieses Buch nun vorliegt.“

Dass der Geist des Nationalsozialismus auch die ländlichen Gebiete des Taunus durchdrungen hatte, lässt sich anhand der Fischbacher Orts- und Schulchronik nachvollziehen. Monika Öchsner hat sie ausgewertet. Sie berichtet von Aufmärschen zu Ehren des Führers, dem Streichen von Religionsstunden zugunsten von Sportunterricht in der örtlichen Schule, von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen, die auf dem Rettershof, dem Hof Gimbach und in Schreinereien eingesetzt wurden.

Eppenhainer Hofgut war NS-Führerschule

Die Geschichte der Kelkheimer Juden war der Schwerpunkt in Heidi Stögbauers Recherchen. Das Eppenhainer Hofgut sei zur NS-Führerschule umfunktioniert worden, hat sie herausgefunden. Aus der Ruppertshainer Lungenheilstätte wurden die jüdischen Ärzte vertrieben. Die Jüdin Anna Schmitt, die in Fischbach lebte, sei ins Konzentrationslager nach Auschwitz deportiert und dort 1943 ermordet worden. Ein Frankfurter Jude hingegen überlebte den Holocaust, weil ihn eine Fischbacher Familie in ihrem Haus versteckte. „Viele Menschen wussten davon, man hat darüber aber nicht gesprochen“, sagt Heidi Stögbauer.

Schweigen herrschte auch in Kirchenkreisen. Die Pfarrer vor Ort hätten sich mit politischen Aussagen zurückgehalten, in den Chroniken fänden sich keine Hinweise über Juden oder Zwangsarbeiter, berichtet Gerd Petzke, der bis 2003 Pfarrer in Kelkheim war. Die Sorge vor Repressalien durch die Polizei sei groß gewesen.

Eines der Kapitel hat der Militärhistoriker John Provan geschrieben. Er befasst sich darin mit dem Einmarsch der Amerikaner in Kelkheim am 29. März 1945. Informationen hat er unter anderem in Archiven in Washington gefunden. Kelkheim sei auf der Karte der US-Armee als Quadrant „M5271“ genannt. Bedeutsam sei die Taunusstadt, in der Munitionskisten aus Holz und Särge hergestellt wurden, für die Amerikaner nicht gewesen. „Dass im Februar 1945 Bomben auf Kelkheim fielen und elf Menschen ums Leben kamen, war kein gezielter Einsatz, sondern eher ein Zufall“, sagt Provan.

Das Buch „Kelkheim in der Zeit des Nationalsozialismus“ ist im Societätsverlag erschienen und kostet 19,80 Euro.

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