+
Freitagfrüh in Offenbach: Busfahrer treten wie in ganz Hessen in den Warnstreik.

Tarifstreit

Neun von zehn Busfahrern in Hessen streiken

  • schließen

Seit Monaten fordern Busfahrer in Hessen mehr Lohn und Urlaub. Mit dem Warnstreik am Freitag erhöhen sie den Druck .Die nächste Eskalation könnte bald folgen.

Am Freitag haben in ganz Hessen große Teile der Busfahrer die Arbeit niedergelegt. Während Pendler vielerorts vergeblich auf ihren Bus warteten oder auf S-, U- und Straßenbahnen umsteigen mussten, zeigte sich Streikleiter Jochen Koppel zufrieden. „Die Stimmung ist gut. Die Busfahrer sind motiviert und wollen heute ein Zeichen setzen“, sagte er der Frankfurter Rundschau. Am Streik, der von 2.30 Uhr Freitagnacht bis 2.30 Uhr des Folgetags andauern sollte, beteiligten sich laut Verdi rund 3000 Busfahrer, was 90 Prozent entspreche.

Demnach blieben in den hessischen Städten Hanau, Gießen, Darmstadt, Offenbach und Kassel die Busse im Depot. In Frankfurt wurden 57 von 64 Buslinien bestreikt, wie ein Sprecher der Verkehrsgesellschaft Traffiq am Freitag sagte.

Ebenso stand der Busverkehr im Landkreis und in der Stadt Fulda, in Bad Hersfeld sowie Weiterstadt teils still. In einigen Landkreisen wie etwa dem Lahn-Dill-Kreis und dem Odenwaldkreis lief der Busverkehr dagegen nach Angaben des Landesverbands Hessischer Omnibusunternehmer (LHO) weitgehend regulär.

Dem Warnstreik war nach der vierten Runde der Tarifverhandlungen für die private Busbranche in Hessen eigentlich ein erstes Angebot vonseiten des LHO vorausgegangen. Doch der Gewerkschaft ging das nicht weit genug.

Die Arbeitgeber hatten eine Gehaltserhöhung von 13,50 auf 15,10 Euro pro Stunde binnen vier Jahren vorgeschlagen. Die Gewerkschaft fordert 16,60 Euro Stundenlohn sowie 30 statt 25 Tage Urlaub im Jahr. Laut Koppel will man nun erreichen, „dass die Bevölkerung und die Politik endlich aufmerksam wird. Die Busfahrer wollen sich das nicht mehr länger gefallen lassen. Die Politik muss auf uns zukommen.“ Aufgrund der Energiewende werde umfangreich investiert in neue Antriebstechnologie und die Busse an sich. Doch Koppel bemängelt: „Die Fahrer vergisst man.“

Volker Tuchau, Geschäftsführer des LHO, sieht den Warnstreik „sehr kritisch“. Er bedauere, dass die Gewerkschaft ihre Forderungen „mit der Brechstange“ durchsetzen will. Die Verhandlungsstrategie halte er für „jenseits von Gut und Böse“. Die Vorstellungen seien vonseiten der Unternehmen schlichtweg nicht zu stemmen, „ohne dass diese vor die Hunde gehen“, so Tuchan.

Am 14. November wird das nächste Mal verhandelt, doch die Vorstellungen liegen sehr weit auseinander. In der festgefahrenen Lage sind laut Koppel auch weitere Streiks möglich. Vor der nächsten Tarifrunde sei eine Urabstimmung geplant, bei der die Busfahrer über eine Fortsetzung des Arbeitskampfs entscheiden wollten. So soll gesichert werden, dass man „nach der nächsten Verhandlung so schnell wie möglich reagieren kann“. Koppel geht davon, dass die Abstimmung „positiv ausfällt“. Der Warnstreik würde dann ein unbefristeter Streik, was als das letzte Mittel und die schärfste Waffe in einem Tarifkonflikt gilt.

Der Tarifstreit besteht bereits seit rund acht Monaten. Zu einem ersten Warnstreik war es Ende September gekommen. Zehntausende Pendler waren davon betroffen. Der aktuelle Tarifkonflikt betrifft rund 4400 Busfahrer.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare