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Pfarrerin Astrid Bender und Petra Kühl betrachten den Dachboden der Kirche.

Wahrzeichen

Neues Dach für die Erlöserkirche in Bad Homburg

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Wegen Wasserschäden steht dem Gotteshaus seine bislang aufwendigste Sanierung bevor. Am Mittwoch soll das Gerüst aufgebaut werden.

Ab der kommenden Woche müssen die Bad Homburger für eine Weile auf den gewohnten Anblick eines ihrer Wahrzeichen verzichten: Rund um die evangelische Erlöserkirche soll am Aschermittwoch ein Gerüst aufgebaut werden. Grund sind dringend nötige Sanierungsarbeiten am Dach der 1908 eingeweihten Kirche.

Bereits vor zwei Jahren seien Schäden an Tragwerk und Dachflächen entdeckt worden, sagt Volker Weber, in der Erlöserkirchengemeinde zuständig für Bauangelegenheiten. Nachdem sich diverse Gutachter das Ganze angesehen hatten, stand fest: Das Schieferdach muss neu gedeckt werden. Außerdem müsse man die Gaubenfenster komplett austauschen und die schadhaften Holzbalken über dem Kirchenschiff erneuern. Im Zuge der Arbeiten soll darüber hinaus die unterhalb des Daches verlaufende Elektronik modernisiert werden. Sie stamme noch aus Kaisers Zeiten, sagt Weber. Wilhelm II. war maßgeblich für den Bau der Kirche verantwortlich.

Dass man nicht den kompletten Dachstuhl austauschen müsse, sei der Weitsicht der damaligen Bauverantwortlichen zu verdanken, erklärt Volker Weber. Die Konstruktion besteht aus einem Mix von Stahl und Holz. Der Stahl sorge dafür, dass die Statik des Daches trotz der Wasserschäden gesichert sei, so Weber. Auch die Kupferhauben der Türme seien noch in Ordnung. Sie müssen nicht erneuert werden.

Dennoch handele es sich wohl um die bislang aufwendigste Sanierung in der Geschichte der Erlöserkirche, sagt die Vorsitzende des Kirchenvorstands, Petra Kühl. 1,2 Millionen Euro sind dafür veranschlagt. Allein der Aufbau des Gerüsts kostet mehr als 100 000 Euro. 80 Prozent der Gesamtkosten übernimmt die Evangelische Kirche von Hessen und Nassau (EKHN), 240 000 Euro muss die Erlöserkirchengemeinde selbst stemmen.

Die Erlöserkircheist auf Initiative des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. gebaut und am 17. Mai 1908 eingeweiht worden. Sie gilt als das am besten erhaltene Gebäude des damaligen kaiserlichen Kirchenbauprogramms.

Äußerlichpräsentiert sich die Erlöserkirche im neoromanischen Stil, das Innere orientiert sich an byzantinischen Kirchen wie der Hagia Sophia.

Für die Sanierunghat die Kirchengemeinde ein Spendenkonto eingerichtet,

IBAN: DE59 5125 0000 0001 0885 80. Stichwort „Ev. Erlöserkirche Bad Homburg“. twe

Da ihre Rücklagen dafür nicht ausreichen, wirbt die Gemeinde um die Hilfe von Sponsoren und Spendern. Auch ein finanzieller Beitrag der Stadt wäre sehr willkommen, sagt Petra Kühl. Am Sonntag, 31. März, wird es um 17 Uhr ein Konzert der drei Chöre der Erlöserkirchengemeinde geben, dessen Einnahmen in die Dachsanierung fließt. Es gebe bereits weitere Ideen für Spendenaktionen wie Zeitkapseln oder eine Krimi-Lesung, ergänzt Pfarrerin Astrid Bender.

Dass sie für eine ganze Weile keine Gottesdienste in dem angestammten Gebäude halten kann, sei „ein schmerzlicher Einschnitt ins Gemeindeleben“, meint Bender, aber eben ein notwendiger. Bis Ostern werde es noch möglich sein, den Innenraum zu nutzen. Anschließend müsse die Gemeinde für die Sonntagsmesse in die Unterkirche ausweichen, kündigt Bender an.

Zu größeren Gottesdiensten, etwa dem zur Konfirmation, werde man allerdings in die benachbarte katholische St. Marienkirche umziehen. Als diese vor zwei Jahren renoviert worden ist, hatten die Protestanten ihrerseits den Bad Homburger Katholiken in der Erlöserkirche Unterschlupf gewährt.

Die Verantwortlichen hoffen, dass die Dachsanierung Mitte November beendet sein kann. Auf einen genauen Termin für die Wiedereröffnung wollen sie sich aber nicht festlegen. Schließlich sei man bei denkmalgeschützten Gebäuden vor unliebsamen Überraschungen nie gefeit.

Im Zuge der Dacharbeiten sollen in der zweiten Jahreshälfte auch die beiden Orgeln überholt werden. Bei der Sauer-Orgel, die aus der Entstehungszeit der Erlöserkirche stammt, müsssen die Pfeifen gründlich gereinigt werden. Die jüngere Bach-Orgel werde komplett ausgebaut, um technische Schäden beheben zu können, erklärt Volker Weber.

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