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Auf der einen Uferseite wurde die Böschung auf sechs Meter Breite abgeflacht. Somit hat die Rodau jetzt Platz, um sich auszuweiten.
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Auf der einen Uferseite wurde die Böschung auf sechs Meter Breite abgeflacht. Somit hat die Rodau jetzt Platz, um sich auszuweiten.

Rodgau

Neues altes Gesicht für die Rodau

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Der einst begradigte Bachlauf der Rodau ist im Rodgauer Gewerbegebiet Nieder-Roden renaturiert worden – und ist jetzt ein mögliches Habitat für den seltenen Moorfrosch.

Die Rodau, die sich durch den östlichen Landkreis Offenbach zieht, hat im Rodgauer Stadtteil Nieder-Roden einen Teil ihres ursprünglichen Gesichts zurückerhalten: Sie wurde im dortigen Gewerbegebiet renaturiert. Durch die Umgestaltung sollen Tiere und Pflanzen ein neues Zuhause finden oder ein Rückzugsgebiet und ein Laichhabitat erhalten – wie etwa der in Hessen sehr seltene, aber in Rodgau seit Jahren beheimatete Moorfrosch. Schon seit 2003 treibt die Stadt Rodgau die Renaturierung des Gewässers abschnittsweise voran.

Ein aufgeschreckter kleiner Eisvogel kündet bei der Begehung des verschneiten Uferstreifens am Dienstagmorgen davon, dass es sich gelohnt hat, den naturnahen Zustand der einst begradigten Rodau im Gewerbegebiet Nieder-Roden wiederherzustellen. Das Ufer des Bachlaufs wurde auf der einen Seite großflächig ausgeweitet und abgeflacht, die Böschung ist dort jetzt sechs Meter breit und eineinhalb Meter hoch. „Wir geben der Rodau mehr Platz, damit sie ihr Bachbett selbst gestalten kann“, sagt die Biologin Juditha Sender, die im Rathaus für Artenschutz und Biotopentwicklung zuständig ist.

Die Stadt legte eine Flutmulde – eine zusätzliche Rinne zum Altlauf des Baches – zur Entschleunigung des Wassers an. So entstand dort eine Flachwasserzone, die ein Rückzugsgebiet für Amphibien sein kann. „Das könnte ein potenzielles Areal für den Moorfrosch sein“, erklärt Juditha Sender.

Die Rodau

Die Rodau ist ein 28 Kilometer langer Bachlauf, der im Rödermarker Stadtteil Urberach entspringt, durch Rodgau und Obertshausen führt und in Mühlheim in den Main mündet.

Zwölf der 28 Kilometer durchfließen die Stadt Rodgau, rund 3,5 Kilometer davon sind mittlerweile renaturiert. Die größten Aktionen waren dabei in den Jahren 2003 und 2004 die Renaturierungen zwischen Jügesheim und Hainhausen sowie zwischen der A3 und der B448 bis nach Obertshausen.

In Rödermark wurde der Bach bisher in drei Streckenabschnitten aus seinem schnurgerade gezogenen Bachbett befreit.

Auf der gegenüberliegenden steilen Uferseite wurden Holzbuhnen aus gerodeten Weiden errichtet, die mit Steinen im Bachbett und Böschungsbereich fixiert wurden. Diese am Uferrand errichteten Wälle sollen dabei helfen, dass sich die Rodau selbst einen neuen Weg sucht und so möglichst vielfältige Lebensräume für Tiere entstehen.

Auch die Entwicklung des angrenzenden Uferbereichs wurde in die Umgestaltung des Gewässers mit einbezogen. Im nordöstlichen Abschnitt soll sich ein Auwald mit Gehölzen, Sträuchern und Stauden entwickeln, im südwestlichen Teil schließt sich ein geschütztes Großseggenried an. Dieses sehr nasse Biotop wird hauptsächlich aus Seggen – das sind krautige Sauergräser – gebildet. Das Ried und die Flutrinne werden zukünftig vom Baum- und Strauchbewuchs frei gehalten. Gleichzeitig wurden in Ufernähe aber auch Sträucher und Dornenhecken für Vögel angepflanzt.

Die Renaturierung kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Rodau ein großes Problem hat: Die Wassergüte ist sehr schlecht, weil die Kläranlagen in Rödermark und in Rodgau-Weiskirchen ihr Abwasser einleiten. Eigentlich sollte dies von Schadstoffen befreit sein, „aber die Kläranlagen schaffen es nicht, Phosphate herauszufiltern“, so Juditha Sender.

35 000 Euro hat die Stadt Rodgau aus Mitteln des Gewässerschutzes in die Hand genommen, um den Bachlauf in diesem Abschnitt zu renaturieren. Begonnen wurde schon im Jahr 2015, um so die Europäische Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen, die einen guten Zustand der europäischen Gewässer zum Ziel hat. In Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde war die Renaturierung dann auch eine Ausgleichsmaßnahme für die Umwandlung von gesetzlich geschützten Biotopflächen. Die Natur hatte sich nämlich im Lauf der Jahre nicht verkaufte Gewerbegrundstücke im Gewerbegebiet Nieder-Roden zurückgeholt, die dann als Biotope ausgewiesen wurden. Die Renaturierung ist jetzt quasi der Ersatz für die Biotope, die Gewerbegrundstücke können somit wieder verkauft und genutzt werden.

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