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Bluttat in Maintal

Neuer Prozess um getötetes Ehepaar

  • Jochen Dietz
    VonJochen Dietz
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Der Prozess um die Tötung eines Ehepaars in Maintal an Pfingsten 2014 fängt von vorne an. Der BGH hatte den Freispruch aufgehoben.

Zwei gelassene, scheinbar routinierte „alte Bekannte“ sitzen da auf der Anklagebank, ebenso ihre Verteidiger. Nur die Schwurgerichtskammer ist eine andere. Seit Montagmorgen wird vor dem Hanauer Landgericht das spektakuläre Verfahren um die Tötung eines damals 57 Jahre alten Maintaler Ehepaars neu aufgerollt. Geschehen war die Bluttat am Freitag vor Pfingsten 2014 auf einem heruntergekommenen ehemaligen Pferdehof zwischen dem Ortsrand von Maintal-Dörnigheim und dem Main.

In erster Instanz waren die beiden heute 63 und 33 Jahre alten Angeklagten – Vater und Sohn – von der Ersten Strafkammer des Hanauer Landgerichts nach monatelanger Hauptverhandlung, Dutzenden Zeugen und zäher Beweisaufnahme freigesprochen worden. Das Gericht hatte auf eine Notwehrsituation erkannt.

Der Bundesgerichtshof (BGH) folgte aber den Revisionsanträgen von Staatsanwaltschaft und Nebenklage, kassierte den Freispruch und hat das Verfahren an das Landgericht zurückverwiesen.

Opfer monatelang vermisst

Die Erste Strafkammer habe damals die Einlassung der Angeklagten „unwiderlegbar als Nothilfe“ gewertet. Innerhalb der Beweisaufnahme habe eine „umfassende Gesamtwürdigung“ all dessen gefehlt, was be- oder entlastend für die Angeklagten habe sein können“, bemängelte der BGH. Den Anforderungen an die Beweiswürdigung genüge das Urteil nicht, sie weise „durchgreifende Lücken“ auf, hieß es aus Karlsruhe.

Die Verteidigung der beiden Männer sieht das freilich anders: „Die Einlassungen des BGH, dass die damalige Kammer etwas übersehen oder nicht gewürdigt habe, verwundern“, so Thomas Scherzberg und Karl Kühne-Geiling. Beide verlesen zum Auftakt des Revisionsverfahrens die Einlassungen ihrer Mandanten, die sie bereits im ersten Durchgang verlesen hatten.

Der Fall hatte im Sommer 2014 auch deshalb Aufsehen erregt, weil die beiden Opfer monatelang als vermisst galten. Die Leichen der Eheleute waren erst im Oktober des Jahres unter einem Misthaufen auf dem Hof gefunden worden. Und zwar nach einem Hinweis der Angeklagten selbst, die sie dort verscharrt hatten. Sie hätten Leichen, Spuren und Tatwaffen verschwinden lassen, weil die Polizei ihnen ohnehin nicht geglaubt hätte, so der Vater in seiner damaligen Einlassung.

Die späteren Opfer hatten die ehemalige „Main River Ranch“ gepachtet und an die beiden Männer illegalerweise unterverpachtet. Die hausten hier zunächst ohne Wissen des Eigentümers, hielten Tiere, obwohl das Anwesen nicht als Wohngebäude genehmigt war.

Durch prekäre finanzielle Verhältnisse auf beiden Seiten war es dann immer wieder zu Mietstreitigkeiten gekommen, die an jenem 6. Juni 2014 eskalierten. Seiner Forderung nach ausstehenden Mietzahlungen hatte das spätere Opfer an der Tür des Gebäudes gegenüber dem 33-jährigen Sohn mit einem Messer Nachdruck verleihen wollen. Es kam zum Gerangel und zum Kampf wobei der 33-Jährige dem 57-Jährigen das Messer hatte entringen können, seinerseits auf ihn einstach und mit 17 Messerstichen an Ort und Stelle tötete. Unterdessen hatte der 63-jährige Vater den Kampf zwischen seinem Sohn und dem Vermieter mitbekommen, eilte hinzu und wollte eingreifen. Doch inzwischen drohte die mit einem Beil bewaffnete Ehefrau des 57-Jährigen, auf seinen am Boden liegenden Sohn einzuhacken. Daraufhin griff der 63-Jährige zu einer Pistole und erschoss die Frau.

Am Montag werden vorerst nur die Personalien festgestellt, das Urteil des BGH sowie das der ersten Instanz verlesen. „Wir stellen alles auf Reset. Wir fangen ganz von vorne an“, stellt Susanne Wetzel, Vorsitzende der Zweiten Strafkammer, eindringlich klar. Sie wünsche sich eine sachliche Hauptverhandlung. Der Freispruch Anfang August 2015 hatte zu tumultartigen Szenen im Landgericht geführt.

Die Kammer hat bislang neun Verhandlungstage anberaumt. Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze bezweifelt, ob die ausreichen werden. Und wie es ausgeht, sei ebenso offen. „Es kann wieder mit Freispruch enden. Fest steht aber, dass das erste Urteil handwerkliche Fehler hat.“

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