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Michael Boddenberg (l.) unterhält sich mit Ministerpräsident Bouffier.

Hessen

Neuer hessischer Finanzminister macht Mut in der Corona-Krise

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Michael Boddenberg folgt als hessischer Finanzminister auf den verstorbenen Thomas Schäfer. Der Neue betont: „Wir können diese große Krise meistern“.

Mit Zuversicht will der neue Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) an die schwierigen Aufgaben während der Corona-Pandemie herangehen. Er wolle „deutlich machen, dass wir in der Lage sind, mit dieser Krise umzugehen“, sagte der 60-jährige Frankfurter am Dienstag bei seiner Vorstellung in einer Videokonferenz aus der hessischen Staatskanzlei. „Ich bin bereit, die Ärmel hochzukrempeln.“

Zuvor hatte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) ihm die Ernennungsurkunde überreicht. Wegen der Gesundheitsgefahren in der Corona-Krise verzichtete der Regierungschef auf den sonst üblichen Handschlag.

Der bisherige CDU-Fraktionsvorsitzende Boddenberg wird Nachfolger von Thomas Schäfer, der zehn Jahre lang die Finanzen des Landes gemanagt hatte. Der 54-jährige Christdemokrat war am Samstag ums Leben gekommen. Die Polizei geht von einem Suizid aus.

Bouffier sagte, jetzt wäre eigentlich die Zeit, innezuhalten und Schäfers zu gedenken. Gleichzeitig müsse aber gerade in der Corona-Krise „die volle Handlungsfähigkeit der hessischen Landesregierung“ gewährleistet sein, da „folgenschwere Entscheidungen“ zu treffen seien. Daher halte er es für unabdingbar, das Amt des Finanzministers so zügig neu zu besetzen, fügte Bouffier hinzu.

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Mathias Wagner kommentierte: „Wir alle haben nach dem Tod von Thomas Schäfer das Bedürfnis nach Innehalten und Trauer. Es gehört zu den bitteren Erfahrungen in der Politik, dass es diesen Raum oft nicht gibt oder aufgrund der Umstände nur eingeschränkt geben kann.“

Bouffier hat sich nach eigenen Angaben für Boddenberg entschieden, weil dieser dank seiner beruflichen und politischen Erfahrung in der Lage sei, „quasi aus dem Stand“ einzusteigen, formulierte Bouffier. So verfüge der CDU-Fraktionschef über die bundesweiten Kontakte, um sich mit den anderen Bundesländern und dem Bund abstimmen zu können. Boddenberg hatte diese Verbindungen vor allem in seiner Zeit als Bundesratsminister aufgebaut.

Boddenberg sagte, dass ihn die Sorgen am Arbeitsmarkt und in der Wirtschaft umtrieben. Er könne sie auch aus seiner eigenen beruflichen Erfahrung sehr gut nachvollziehen. Er äußerte die Hoffnung, dass die Menschen in der Krise „eine neue Solidarität wechselseitig entdecken“, und fügte hinzu: „Wenn wir alle beieinander stehen, können wir diese große Krise meistern.“ Ungewiss ist noch, wer Boddenberg im Amt des oder der Fraktionsvorsitzenden nachfolgen soll. Bouffier kündigte an, er werde der Fraktion „wahrscheinlich am Ende dieser Woche“ einen Vorschlag unterbreiten. Formell kann Boddenberg erst Finanzminister werden, wenn er vor dem Landtag vereidigt wurde. Das soll in einer kurzen Sondersitzung am Freitag geschehen. Zuvor will die CDU-Fraktion entscheiden, wer aus ihren Reihen an ihre Spitze rückt.

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Nancy Faeser lobte Boddenberg als „verlässlichen und fairen Kollegen“, der stets die Form wahre, ohne unnahbar zu sein. „Er übernimmt das Amt des Finanzministers in sehr schwierigen Zeiten. Deswegen wünsche ich Michael Boddenberg von ganzem Herzen eine erfolgreiche Amtsführung und eine glückliche Hand“, fügte Faeser hinzu.

Ähnlich wie die Sozialdemokratin bot auch der FDP-Fraktionsvorsitzende René Rock dem neuen Finanzminister eine „konstruktive Zusammenarbeit“ an, „um die Krise gemeinsam zu bewältigen“.

Zur Person: 

Michael Boddenberg,der designierte hessische Finanzminister, steht seit 2014 an der Spitze der CDU-Fraktion im Landtag. Zuvor hatte er fünf Jahre lang als Bundesratsminister die Interessen Hessens in Berlin vertreten. 

Der Frankfurter  ist gelernter Fleischermeister und arbeitete als Geschäftsführer in der Branche. In den 90er Jahren gehörte der Politiker, der im Stadtteil Sachsenhausen lebt, für sechs Jahre dem Frankfurter Magistrat an, ehe er 1999 in den Landtag gewählt wurde. Seit 2001 stand er acht Jahre lang als CDU-Generalsekretär dem damaligen Landesparteichef Roland Koch zur Seite. 

Der 60-jährige  gebürtige Rheinländer spielt gerne Rockgitarre. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. pit

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