+
Der vor kurzem neu ernannte Bischof von Fulda, Michael Gerber, geht nach seiner Ansprache zu den zahlreichen Gläubigen im Dom.

Katholiken in Hessen

Neuer Bischof besucht Fulda

Michael Gerber, der neue Bischof von Fulda, stattet der Stadt einen Antrittsbesuch ab und nimmt dabei ein Bad in der Menge.

Er ist der jüngste Bischof der katholischen Kirche in Deutschland, aber das Bad in der Menge beherrscht Michael Gerber (48) schon recht überzeugend - vor allem agiert er authentisch und herzlich. Am Donnerstag stattete der von Papst Franziskus neu ernannte Oberhirte seinem Bistum in Fulda einen Antrittsbesuch ab. Nach einem Gebet am Grab des Heiligen Bonifatius und einer Ansprache im mit einigen hundert Gästen gut besuchten Dom kam er bei seinem Weg durch den Mittelgang des Gotteshauses irgendwann nicht mehr weiter. So entwickelte sich eine in dieser Ausführlichkeit wahrscheinlich nicht geplante Begegnung mit dem Kirchenvolk.

Genau im Mittelgang, dort bekamen die Besucher im Dom nach seiner Rede einen weiteren Eindruck zur Frage: Wie ist der Neue so? Gerber präsentierte sich als Muster an Zugänglichkeit und Freundlichkeit. Er ist nahbar, kommunikativ und immer für ein paar Sätze bei Begegnungen zu haben. Gerber sagte dazu später: „Wenn man sich selber einlässt auf die Menschen, selbst offen ist, dann kommt einem etwas entgegen.“

Gerber nahm spontan formulierte Glückwünsche von Müller, Meier, Schmitz entgegen. Schüttelte noch viel mehr Hände und erwiderte sanft und wohlwollend das Strahlen der Menschen. Einer Frau, die förmlich darauf bestand, spendete er auch einen Segen. . 

Aber wie nun da durchkommen, zum nächsten Programmpunkt, zum Gespräch mit den Medien? Gerber ließ keine Hektik aufkommen und absolvierte mit großer Geduld seine Aufgabe, die ihm durch die Begeisterung der Besucher zugefallen war. Einem „vielen Dank“ ließ Gerber dann ein abbindendes und weiter moderierendes „Na also“ oder „sooo“ folgen, um sich den nächsten Gratulanten widmen zu können. Ab und zu hörte man auch ein „des isch toll“ und ein „subber“ des aus dem Schwarzwald stammenden Mannes. Jeder der ihm gratulieren wollte, konnte ihn in der Menschentraube gut erblicken. Gerber überragt die meisten Mitmenschen und misst 1,92 Meter. „Damit kommt man noch glücklicherweise durch jede Norm-Tür“, erwiderte er scherzend auf die Frage nach seiner Körpergröße. 

Im März feierliche Einführung ins Amt

Am 31. März folgt für Gerber wohl das nächste Bad in der Menge, wenn er ab 15 Uhr im Dom feierlich in sein Amt eingeführt wird. Das Bistum gab den Termin am Donnerstag bekannt. Gerber war am 13. Dezember zum neuen Bischof ernannt worden. Er tritt die Nachfolge von Heinz Josef Algermissen (75) an, der nach 17 Jahren an der Bistumsspitze in den Ruhestand gegangen war. Algermissen wohnte der Begrüßungszeremonie am Donnerstag im Dom bei und wirkte emotional bewegt. Bis Gerber sein Amt antritt, leitet noch Weihbischof Karlheinz Diez vorübergehend als Diözesanadministrator das Bistum mit seinen rund 393 000 Mitgliedern. Diez versicherte Gerber: „Wir freuen uns außerordentlich und sind an deiner Seite.“

Inhaltlich konnte Gerber zu seinem Programm und seinen Zielen noch nicht viel sagen. Er wolle erst einmal ankommen und zuhören. Eine konkrete Erwartungshaltung an ihn als jüngsten Bischof verspüre er nicht. Aber dass ihm junge Menschen, die Zukunft der Kirche, sehr wichtig sind, das machte Gerber in vielen Sätzen deutlich.

Er sei überzeugt, dass auch junge Menschen in unserer Zeit „einen Draht finden zu Gott“. Dabei zu helfen, sei für die Kirche eine Herausforderung; einen Weg zu finden in einer „pluralen, multioptionalen Gesellschaft“ - in einer Gesellschaft also, in der die Kirche als Sinnstifter enorm eingebüßt hat und einen Bedeutungsverlust konstatieren muss. Daher kommt ein weiteres, übergeordnetes Ziel auch nicht von ungefähr. Es sei wichtig, mit der Kirche einen Beitrag zum Zusammenhalt der Gesellschaft zu leisten.

Dass sein Blick dabei auch stark jungen Menschen zufällt, liegt wohl auch an Gerbers Werdegang. Seit 1980 mache in der Kirche Jugendarbeit in verschiedenen Positionen. Weitere Posten: Hochschulseelsorger und Kontaktbischof für katholische Pfadfinder-Verbände. Der im Erzbistum Freiburg aufgewachsene Gerber war dort seit dem Jahr 2001 für die Priesterausbildung verantwortlich. Gerber sagte in Fulda: „Ich spüre die Sehnsucht, in Kontakt mit jungen Menschen zu sein.“ Das Gespräch mit ihnen empfinde er als belebend. (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare