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Ein herkömmlicher Gemeiner Holzbock.

Gesundheit

Neue Zeckenarten gehen in Hessen auf die Jagd

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Eingewanderte Arten übertragen auch andere Krankheiten. Das Ministerium ist gegen eine Meldepflicht für Borreliose und setzt auf Aufklärung.

Zecken lieben Wärme. Steigt das Thermometer über sieben Grad, verlassen sie ihr Winterquartier. In diesem Jahr war das bereits im Februar. Doch nicht nur deshalb rechnen Experten mit einem Zecken-Rekordjahr und einem höheren Infektionsrisiko für Mensch und Tier. Wegen des heißen Sommers und milden Winters haben sich die Blutsauger besonders stark vermehrt. Und sie haben Verstärkung von Verwandtschaft aus dem Süden bekommen: von der tropischen Hyalomma-Zecke und der Auwaldzecke. Beide sind deutlich größer als der Gemeine Holzbock, warten auch nicht, bis ein Mensch oder ein Tier vorbeikommt, sondern gehen selbst auf die Jagd. 

Und sie übertragen andere gefährliche Erreger; etwa Fleckfieber-Bakterien oder den Krim-Kongo-Fieber-Virus. Nachdem Hyalomma-Zecken im vergangenen Jahr vermehrt entdeckt wurden, hatte das Hessische Landeslabor die Bürger im Mai dazu aufgerufen, ihnen verdächtige Exemplare zur Untersuchung zuzusenden. „Uns wurden bislang keine Befunde geschickt“, sagt Laborsprecher Roy Ackmann der Frankfurter Rundschau auf Anfrage. Auch könne er nicht bestätigen, dass in diesem Jahr besonders viele Zecken unterwegs sind. „Bislang gibt es keine Auffälligkeiten.“

In Hessen gibt es keine Meldepflicht

Von Zecken übertragene Krankheiten sind auch Thema einer Anfrage der SPD-Landtagsabgeordneten Daniela Sommer an das hessische Sozialministerium. Konkret geht es dabei um die Lyme-Borreliose, die - anders als die regional begrenzte FSME - überall vorkommt und gegen die es keinen Impfschutz gibt. Die Infektion ist mit Antibiotika gut behandelbar. Aber nur, wenn sie frühzeitig erkannt wird. Sommer will von der Landesregierung wissen, wie die Krankheit sich in Hessen entwickelt und was die Regierung unternimmt, damit sie frühzeitig erkannt und besser behandelt werden kann.

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Die Übertragung der Keime beim Zeckenstich braucht bis zu 24 Stunden. Also möglichst flott entfernen.

Die Zeckenvorsichtig aus dem Körper ziehen; am besten mit einer speziellen Zange oder Pinzette. So nah an der Haut wie möglich fassen, nicht reißen oder den Hinterleib quetschen. Danach die Einstichstelle desinfizieren.  

Anders als in Bayern, Thüringen und sieben anderen Bundesländern gibt es in Hessen keine Meldepflicht, heißt es in der Antwort des Ministeriums. Die Auswertung der Abrechnungsdaten der Kassenärzte der vergangenen fünf Jahre zeige, dass die Anzahl der Erkrankten in Hessen schwanke. In Frankfurt etwa waren es im vergangenen Jahr 1830 Menschen, in Offenbach 342 und in Wiesbaden 1192. Eine Meldepflicht hält das Ministerium angesichts der schwierigen Diagnostik nicht für sinnvoll und schließt sich damit der Meinung des Robert-Koch-Instituts an. Wenn, dann müsse sie vom Bund verordnet werden. Die Ärzteschaft sei über Erfordernisse bei Diagnostik und Therapie aufgeklärt. Die Behandlung erfolge zunächst über Hausärzte, die gegebenenfalls an Neurologen oder Kliniken verweisen oder das Nationale Referenzzentrum einschalten.

„Die Lyme-Borreliose ist aus verschiedenen Gründen schwierig zu bekämpfen“, heißt es abschließend in der Antwort des Ministeriums. Deshalb sei die Aufklärung der Bevölkerung sehr wichtig.

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