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Mehr Deutschunterricht: An den Grundschulen in Hessen wird das vom nächsten Schuljahr an Wirklichkeit.

Neuerungen an Schulen

900 neue Stellen für Hessens Schulen

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Der Kultusminister stellt seine Pläne für das nächste Schuljahr in Hessen vor. Es soll mehr Deutschunterricht geben und mehr Sozialpädagogen. Überhaupt mehr von allem. Es gibt nur einen Haken.

Hessens Schulen bekommen mehr Personal. Diese Botschaft verkündete Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Dienstag bei der Vorstellung seines Haushalts für 2020. Insgesamt 900 Stellen für Lehrkräfte, Sozialpädagogen, Betreuer und Verwaltungskräfte sollen geschaffen werden. Am sichtbarsten werden die Veränderungen wohl an den Grundschulen sein.

Denn für die Viertklässler an den knapp 1200 Grundschulen wird das neue Schuljahr nach den Sommerferien mit einer zusätzlichen Stunde Deutschunterricht auf dem Stundenplan beginnen. Damit setzt Lorz eine Vereinbarung des schwarz-grünen Koalitionsvertrags um. 100 zusätzliche Lehrerstellen sind dafür vorgesehen.

4,2 Milliarden Euro umfasst der Haushaltsplan des Kultusministeriums. Das sind knapp 160 Millionen mehr wie 2019 und so viel wie nie zuvor. 


Die Zahl der Lehrerstellen steigt auf mehr als 55 000 (inklusive Schulen für Erwachsene). Hessen hat rund 1850 allgemeinbildende Schulen.

Die Zahl der Schülerinnen und Schüler liegt etwa bei 630 000. pgh

Der Haken: Es werden nicht unbedingt die Deutschlehrerinnen der jeweiligen Schülerinnen und Schüler sein, die den Unterricht erteilen. Die Schulen erhalten zwar eine erhöhte Zuweisung, eine vierzügige Grundschule also vier zusätzliche Stunden je Woche. Wie sie damit die neue Deutschstunde umsetzen, ist aber ihnen überlassen. So kann es sein, dass die Schule eine Hilfskraft engagieren muss, um den Unterricht überhaupt erteilen zu können, weil sie keine ausgebildete Lehrerin zur Verfügung hat. „Das sollte dann aber nur eine Zwischenlösung sein“, erläuterte Lorz und räumte ein, dass es zu Beginn noch „ein wenig ruckeln“ könne.

Womit eine der Hauptschwierigkeiten angesprochen ist: der Personalmangel. Der Etat des Kultusministeriums sieht neben den 100 Stellen an den Grundschulen vor, knapp 160 Lehrerstellen zu schaffen, um dem Anstieg der Schülerzahlen gerecht zu werden. 230 neue Stellen sollen für den Ausbau von Ganztagsangeboten geschaffen werden, 40 Stellen für Förderpädagogen zur Umsetzung der Inklusion, 140 Sozialpädagogen sollen zu den bereits existierenden 700 Stellen für sozialpädagogische Fachkräfte hinzukommen, um Lehrkräfte im Unterricht zu entlasten. Die Zahl der Schulkrankenschwestern soll auf 20 verdoppelt werden. 100 zusätzliche Verwaltungsfachkräfte sollen die Schulen von administrativen Aufgaben entlasten.

„Bei all diesen Professionen gibt es bereits einen Fachkräftemangel“, räumte Lorz ein. Dennoch zeigte er sich optimistisch, zumindest mittelfristig die Stellen tatsächlich besetzen zu können. So seien die Ausbildungskapazitäten an den Hochschulen aufgestockt worden und würden 100 zusätzliche Stellen für Lehrer im Vorbereitungsdienst (Referendare) geschaffen. Insgesamt steige deren Zahl mit 5150 auf ein Rekordniveau.

Die Linke warf dem Minister „Selbstherrlichkeit“ vor. Zentrale Probleme wie eine „hohe Pflichtstundenzahl und schlechte Bezahlung im Grundschulbereich“ würden nicht gelöst. Die Lage an den Schulen bleibe angespannt, kritisierte auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Es fehlten fast überall ausgebildete Lehrkräfte. Zudem müsse die Landesregierung die Besoldung an Grundschulen auf das Niveau anderer Schulformen anheben. Siehe Kommentar

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