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Das neue Sehen

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Von: Franziska Schubert

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Zu Gast in Offenbach: der renommierte US-Theaterregisseur Robert Wilson.
Zu Gast in Offenbach: der renommierte US-Theaterregisseur Robert Wilson. © Lucie Wilson

Erstmals beleuchtet eine Biennale in Frankfurt genreübergreifend die aktuellen Entwicklungen des Bewegtbildes. Prominente und Experten stellen revolutionäre Formate für Fernsehen, Kino, Computerspiele, Kunst, Kommunikation und Design vor.

Die Revolution des Lebens durch die neuen Medien ist in vollem Gange: Szenarien durchzuspielen, wie die Zukunft aussehen und sich dadurch unser Nutzerverhalten verändern wird, kann daher sehr spannend sein. Bernd Kracke, Präsident der Hochschule für Gestaltung in Offenbach (HFG), kann sich beispielsweise vorstellen, dass sich Kinobesucher künftig kollektiv zum interaktiven Computerspielen versammeln.

Große kreative Freiheiten, gar die Neuerfindung des Mediums Film, beobachtet Kracke zudem derzeit in den USA bei der Produktion von Serien. Ein gutes Beispiel für die neue Ästhetik sei „Breaking Bad“, in der ein krebskranker Chemielehrer zu einem fiesen Kriminellen mutiert, so Kracke. Außerdem können Serien als moderne Erzählform eine ungeahnte epische Breite entfalten, die bei Kino-Blockbustern völlig undenkbar wäre. Kracke stellt sogar die These auf, dass das Fernsehen derzeit experimenteller sei als Kinoproduktionen, „die oft starren, dafür aber Erfolg versprechenden cineastischen Standards unterliegen“. Ihn wundert deshalb auch nicht die Ankündigung des US-Regisseurs Steven Soderbergh („Solaris“, „Erin Brockovich“, „Ocean’s Eleven“), künftig nur noch für das Fernsehen arbeiten zu wollen.

Diese Entwicklungen werden rund 100 Akteure aus ganz verschiedenen Bereichen aus Kino, Fernsehen, Kunst, Design und Kommunikation bei dem erstmals stattfindenden Festival „B3 Biennale des bewegten Bildes“ diskutieren. An der genreübergreifenden Programmkonzeption ist die HFG federführend beteiligt, dabei unterstützen sie zwölf regionale Partner, neben Museen und Galerien macht auch die hessischen Film- und Medienakademie mit.

Prominente als Publikumsmagnet

Träger für die alle zwei Jahre geplante Veranstaltungsreihe sind das Land Hessen, die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien und die Stadt Frankfurt. Eine beachtliche Zahl von Prominenten wird darüber hinaus als Publikumsmagnet dienen: Das Line-up besteht aus Größen wie der Sängerin und Performancekünstlerin Laurie Anderson, dem Theatermacher Robert Wilson, Spieleautorin Rihanna Pratchett („Tomb Raider“) und dem Drehbuchautoren Tom Fontana (Produzent der „Borgia“-Fernsehserie). Letzterer wird unter anderem berichten, wie Autorenpools die komplexen Handlungsstränge der Vatikan-Saga entwickeln, während teilweise sogar schon die Dreharbeiten begonnen haben. Fontana, dem Ideengeber von „Borgia“ (die zweite Staffel ist vor kurzem im ZDF gestartet) wird auch darüber sprechen, warum er glaubt, dass „wir im Fernsehen heute Dinge erzählen, die Blockbuster nicht erzählen können“.

Nachhaltige Impulse auszusenden ist das erklärte Ziel von Bernd Kracke. Deshalb ist ihm auch an der Nachwuchsförderung so viel gelegen, er strebt an, „die junge Generation mit der historischen Entwicklung der Medien vertraut zu machen, damit sie sich als Nutzer Urteile bilden und ihr Leben selbstbestimmt gestalten kann“.

Medienkompetenz erwerben können Interessierte während des Festivals in zahlreichen Workshops. Beim Themenblock „B3 Campus“ dürfen Teilnehmer beispielsweise selbst eine experimentelle Fernsehserie entwickeln.

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