Freizeit

Neue Schwimmsaison, alte Probleme

Hessens Schwimmbäder brauchen zusätzliches Aufsichtspersonal, das händeringend gesucht wird. Auch das Geld ist weiterhin knapp.

Mit neuen Ideen und alten Sorgen sind die hessischen Freibäder in die Saison gestartet. Ein Problem nach wie vor für viele kommunale Schwimmbäder: Personalmangel am Beckenrand. Die Situation sei "angespannt bis hoffnungslos", berichtet der Geschäftsführer des hessischen Landesverbandes Deutscher Schwimmmeister, Michael Schad. In Hessen fehlten demnach weiterhin etwa 400 Bademeister. Gerade in der Freibadsaison müssten Rentner oder Rettungsschwimmer als Mini-Jobber einspringen.

Hessens größte Stadt Frankfurt sucht derzeit "Wasseraufsichtskräfte für die Sommersaison 2019". Zu den Anforderungen gehören neben einem Rettungsschein in Silber der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und der Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs Belastbarkeit, Bereitschaft zum Schichtdienst und Verantwortungsbewusstsein.

Der Personalbedarf sei im Sommer stets größer, weil sieben Freibäder zum Angebot hinzukämen, sagt Boris Zielinski, der Geschäftsführer der Bäderbetriebe Frankfurt. Die Suche nach Bademeistern sei aber ein "fortlaufendes Projekt" - und die richtige Kommunikation nach außen dabei wichtig: "Wir müssen noch mehr rüberbringen, dass das ein spannender Job ist." Man trage Verantwortung, habe viel mit Menschen zu tun und könne draußen unterwegs sein.

Die Landeshauptstadt hat in diesem Jahr mit einer konzentrierten Kandidatensuche auf die Lage reagiert: Anders als in den vorherigen Sommern habe Wiesbaden in diesem Jahr ausreichend Saisonkräfte, sagt Thomas Baum, der Betriebsleiter des städtischen Eigenbetriebs "mattiaqua". "Wir sind gut aufgestellt." Hilfreich waren demnach zwei Aktionstage, zu denen die Stadt Interessierte via Facebook eingeladen hatte. Dabei sei der Job und seine Anforderungen vorgestellt worden.

Der Schwimmmeister-Landesverband sieht grundlegende Probleme als Ursache für den Mangel an Bewerbern und Nachwuchskräften gerade im hauptberuflichen Bereich: Der Beruf müsse attraktiver und die Bezahlung besser werden. Die Arbeitszeiten seien beispielsweise wegen Überstunden und Schichtbetriebes nicht familienfreundlich.

Bäder attraktiver machen

Das Thema Attraktivität spielt für die kommunalen Bäder auch auf anderen Ebenen eine wichtige Rolle: "Da müssen wir uns etwas einfallen lassen", sagt Betriebsleiter Baum in Wiesbaden mit Blick etwa auf die Konkurrenz privater Spaßbäder. "Das Thema Alleinstellungsmerkmal geht auch die kommunalen Träger an." So habe die Landeshauptstadt im vergangenen Jahr das Kinderplanschbecken in einem ihrer Freibäder zu einer "Wasserspiellandschaft" ausgebaut.

Auch in Kassel will man den Freibad-Gästen einen neuen Service bieten: Bei gutem Wetter bleiben diese länger als bis 19 Uhr geöffnet, den Besuchern wird das durch einen Liveticker im Internet mitgeteilt. Baulich steht einer erfolgreichen Schwimmbadsaison wenig im Weg: Kassels Bäderlandschaft wurde in den vergangenen Jahren neu geordnet, etliche Bäder sind saniert. Neuerungen auch in Gießen: Dort wurde nach Angaben der Stadtwerke etwa der Nassbereich der Sauna saniert und im Freibad ein zweites Beachvolleyballfeld aufgebaut. In Fulda gibt es neue Spielgeräte für Kinder - um die Attraktivität zu steigern, wie ein Sprecher der RöhnEnergie Fulda mitteilt.

Investitionen in die Schwimmbäder bleiben ein Dauerthema, nach wie vor ist der Sanierungsbedarf groß im Land. Wo Kommunen die finanziellen Mittel für Pflichtaufgaben wie die Kinderbetreuung fehle, bleibe erst recht nicht viel oder gar kein Geld für freiwillige Aufgaben übrig, heißt es dazu beim Hessischen Städte- und Gemeindebund. Ein vom Land aufgelegtes Förderprogramm sei zwar ein guter Ansatz, reiche jedoch nicht aus. Das Modernisierungsprogramm hat nach Angaben des Innenministeriums ein Volumen von 50 Millionen Euro. Die Landesregierung wolle so dafür sorgen, "dass in Hessen die Menschen weiterhin überall schwimmen können". Bislang seien mehr als 160 Investitionsprojekte angemeldet worden.

Der Landessportbund Hessen beobachtet die Entwicklung der Bäder mit Sorge: Diese seien "ein unverzichtbarer Bestandteil der Daseinsvorsorge", sagt Verbandspräsident Rolf Müller. Schwimmen sei "nicht nur ein attraktiver Sport, der fit und gesund hält, sondern auch eine bedeutsame Kulturtechnik". Das Förderprogramm des Landes begrüßt der Verband - die große Nachfrage zeige aber, wie hoch der Investitionsbedarf sei. (dpa)

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