Neue Routen - weniger Lärm?

Fluglotsen erwarten Zunahme

Frankfurt · 11. April · gang · Nach Darstellung der Deutschen Flugsicherung (DFS) wird die Region mit Einführung eines neuen Landeverfahrens ab 14. April von Fluglärm entlastet. Dagegen behauptet die Gewerkschaft der Fluglotsen (GdF), in vielen Kommunen werde es lauter.

Ab 14. April ist nachts zwischen 23 und 5 Uhr für den Frankfurter Flughafen ein neues Anflugverfahren vorgeschrieben. Den kontinuierlichen Sinkflug, in der Fachsprache Continuos Descent Approach (CDA) genannt, hatte die DFS Ende März den Medien vorgestellt und auf gute Erfahrungen an anderen europäischen Flughäfen verwiesen.

Bei dem CDA-Verfahren sinken die Flugzeuge ab einer Höhe von 2300 Metern bei gedrosselter Triebwerksleistung gleichmäßig. Dies führe zu einer Lärmreduzierung zwischen einem und fünf Dezibel, hatte ein DFS-Sprecher damals vorausgesagt.

400 Prozent mehr Überflüge

Das sieht die Gewerkschaft der Lotsen ganz anders. "Das Verfahren wird nur in wenigen Regionen des Rhein-Main-Gebiets eine Verbesserung bringen", sagte GdF-Sprecher Marek Kluzniak. Für "viele Gebiete" werde der kontinuierliche Sinkflug dagegen "eine Zunahme der nächtlichen Überflüge um bis zu 400 Prozent" mit sich bringen. Dies hätten entsprechende Simulationen ganz deutlich gezeigt.

Betroffen seien insbesondere Hanau und das vordere Kinzigtal. Bei Ostwind würden auch die Ortschaften westlich von Mainz verstärkt überflogen. Für diese Gebiete hatte die DFS dagegen eine Entlastung vorausgesagt.

Ausschlaggebend für die Lärmzunahme ist nach Einschätzung der Lotsen-Gewerkschaft die künstliche Verlängerung der Flugstrecke bis zur Landung. Bislang seien die Lotsen stets bemüht gewesen, anfliegende Maschinen auf dem kürzesten Weg direkt zur Endanfluglinie zu führen. Der Endanflug beginnt etwa 16 Kilometer vom Flughafen entfernt.

Bei der Anwendung des neuen Verfahrens müssten die Maschinen ihren Endanflug aber bereits in einer Entfernung von 30 Kilometern beginnen. Dies bringe zusätzlichen Fluglärm für jene Kommunen, die im Bereich zwischen 16 und 30 Kilometer vom Airport entfernt liegen, sagte Kluzniak der FR. Durch das CDA-Verfahren würde auch die Arbeit der Lotsen "unnötig kompliziert".

Der Sinkflug war auf Drängen der Fluglärmkommission sowie des Regionalen Dialogforums von der DFS eingeführt worden.

Dossier: Wächst der Flughafen weiter?

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