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Junge Waschbären dürfen ganzjährig geschossen werden.

Jagdverordnung

Neue Regeln für Hessens Jäger

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Junge Waschbären dürfen ganzjährig geschossen werden.

Schluss mit den strengen Schonzeiten für Waschbären: Vom nächsten Jahr an sollen junge Exemplare ganzjährig bejagt werden können. Derzeit gebe es dazu eine Anhörung, sagte Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) am Mittwoch bei der mündlichen Verhandlung zum Normenkontrollverfahren der FDP-Landtagsfraktion gegen die im Dezember 2015 in Kraft getretene Hessische Jagdverordnung. Bislang dürfen in Hessen von August bis Ende Februar keine Waschbären erlegt werden.

Drei Jahre verstrichen, bis alle Gutachten und Schriftsätze ausgetauscht und die Richterstellen nach der Landtagswahl neu besetzt waren. In einem Jahr soll die jetzt beklagte Verordnung novelliert werden. Gleichwohl hat das Verfahren seine Berechtigung. Es soll auch Grundsätzliches klären und die Hinweise der Richter würden in die Neuauflage einfließen, versicherte Hinz.

Die Kritik der von der stellvertretenden Vorsitzenden Wibke Knell vertretenen FDP richtet sich gegen jene Paragrafen, die die Jagdzeiten von rund 30 Tierarten verkürzten oder gar völlig aufhoben. Sie sieht darin einen verfassungswidrigen Eingriff in das Jagd- und Jagdausübungsrecht, das durch die Eigentumsgarantie geschützt sei. Auch hätte das Parlament beteiligt werden müssen, argumentiert Knell, die selbst Jägerin ist. Der FDP-Verfahrensbevollmächtigte Michael Brenner sprach von einem „Frontalangriff auf Jagd und Jäger“. Pächter hätten das Recht auf Ertrag.

Landesregierung hält den Antrag für unbegründet

Die Landesregierung hält den Antrag für unbegründet. Seit mehr als 70 Jahren werde die Jagdausübung per Verordnung geregelt. Das ermögliche mehr Flexibilität, sagte Hinz. Beim Waschbären etwa müsse sie nicht den langen Weg übers Parlament gehen, sondern könne schnell reagieren. Es habe sich gezeigt, dass die Population drastisch steige, auch gebe es neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Deshalb gelte vom nächsten Jahr an nur noch die übliche Schonzeit für Elterntiere. Die seinerzeit bei einigen Arten erfolgte Verlängerung der Schonzeit begründete Hinz damit, dass wegen des Klimawandels die Zeiten der Geburten schwankten – nach Meinung der Gegenseite ein zu dünnes Argument, zumal es sich laut Gutachten um Einzelfälle handelt. Die Ministerin betonte, Ausnahmen seien immer möglich, etwa in der Rhön oder der Wetterau, wo besonders viele Waschbären ihr Unwesen treiben.

Der Staatsgerichtshof erfuhr in der vierstündigen Verhandlung viel über die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Dass Waschbären die Gelbbauchunken oder Erdkröten mancherorts ausgerottet haben. Dass die Population der Marderhunde stagniert. Und von den Nöten einer Ministerin, die die Interessen von Eigentümern, Jägern und Wildtieren abwägen muss.

Hinz hatte nicht nur in Sachen Waschbären positive Nachrichten für die Jäger: Der Bestand an Blesshühnern habe sich dank des Abschussverbots erholt. „Die Jagd ist künftig wieder möglich.“ Sie stellte aber klar, dass die größten Feinde der Rebhühner nicht Raubtiere seien, sondern die von der Landwirtschaft ausgeräumte Landschaft.

Das Urteil soll am 12. Februar verkündet werden.

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