Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Rauchen macht krank, aber macht es auch kriminell? (Symbolbild)
+
Rauchen macht krank, aber macht es auch kriminell? (Symbolbild)

Rauchen und Kriminalität

Der neue Kippen-Terror

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
    schließen

Rauchen macht krank. Macht Rauchen auch kriminell? Neue Fakten lassen eine Debatte überfällig erscheinen. Ein Kommentar aus der Sicht eines Frankfurter Rauchers.

Das kann einem schon zu denken geben. Tief unten, in den Katakomben der Frankfurter Gerichtsbarkeit, befindet sich der einzige Ort, an dem man dort noch rauchen kann: die Haftzellen. Es gibt dort Raucher- und Nichtraucherzellen. 90 Prozent der Klientel, versichern die Justizwachtmeister, entschieden sich für die Raucherzellen. Und machten dann auch noch davon Gebrauch.

Nun könnte man sagen: Die armen Kerle (tatsächlich ist die Stammkundschaft überwiegend männlich) sind nervös und müssen ja irgendwas dagegen unternehmen, in die Luft zu gehen. Und freilich ist es so, dass jede Zelle nicht nur eine Toilette hat, sondern auch so riecht – da kann man die Zigarette durchaus als Räucherstäbchen benutzen. Aber 90 Prozent? Allerhand. Man stelle sich mal vor, irgendeine andere Bevölkerungsgruppe belege 90 Prozent der Haftzellen – was da los wäre.

Rauchverbot an Klink aufgehoben

„Rauchen macht kriminell“ – diesen Hinweis sucht man auf Zigarettenpackungen bislang noch vergebens. Aber man hätte ja zumindest gewarnt sein können. 2009 hob das Frankfurter Oberlandesgericht in einem Anflug juristischer Großmut das absolute Rauchverbot in der Klinik für forensische Psychiatrie in Haina auf. Dort galt zuvor die großzügige Regelung, dass die Patienten zwar rauchen dürften, aber dafür das Klinikgelände verlassen müssten. Da es sich bei den Patienten in Haina unter anderem um aberwitzige Schwerverbrecher handelt, gingen die Verantwortlichen zu Recht davon aus, dass dies zu Irritationen in der Bevölkerung führen könnte, und untersagten es.

So ginge es nun aber auch nicht, urteilte daraufhin das Oberlandesgericht mit der fadenscheinigen Begründung, dass die Klinik ja eher so eine Art Behörde als ein Krankenhaus sei, zumindest im Sinne des Hessischen Nichtraucher-Schutzgesetzes.

Der ärztliche Direktor jedenfalls lobte damals in seinem Abgesang auf das Rauchverbot das „niedrigere Aggressionspotenzial“ der Patienten. Also zumindest derer, die darauf verzichteten, einen Veitstanz zu machen oder juristisch gegen die verordnete Abstinenz vorzugehen. Es gebe Studien, welche belegten, dass Rauchen die Gewalt unter den Patienten sowie zwischen den Patienten und den Klinik-Beschäftigten fördere.

Kinski rauchend und tobend

Dass da was dran sein mag, kann man ja an Helmut Schmidt beobachten. Der rüstige Kettenraucher wäre neulich beinahe persönlich in die Krim einmarschiert, wären da nicht die müden Beine gewesen. Von einem niedrigen Aggressionspotenzial kann bei Schmidt jedenfalls keine Rede sein.

Wer immer noch zweifelt, der kann sich ja auf Youtube alte Talkshows mit Klaus Kinski anschauen. Wie rumpelstilzt der Duracell-Psychopath sich da durch die Sendungen? Schwitzend. Tobend. Rauchend. Wie einst das HB-Männchen, die erste Werbefigur, die Sachbeschädigung, Jähzorn und fahrlässige Selbstverstümmelung zu liebenswerten Schrullen umzudeuten versuchte.

90 Prozent aller Häftlinge entscheiden sich für Raucherzellen. Selbst durch die sanfte Brille der Unschuldsvermutung betrachtet ein dicker Hund. Da muss der Sarrazin mal ein Buch drüber schreiben. Da muss mal eine tabufreie Debatte drüber geführt werden. Vielleicht könnten sich die Grünen drum kümmern, die haben ja Kapazitäten.

Stefan Behr ist Raucher.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare