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Viele Offenbacher tragen Maske - auch auf der Straße, wie hier in der Fußgängerzone. Foto: Christoph Boeckheler

Corona

Neue Infektionen in Offenbach – „Ein künftiger Lockdown ist nicht völlig ausgeschlossen“

  • Agnes Schönberger
    vonAgnes Schönberger
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Der Krisenstab hat beschlossen, Besuche in Altenheimen nur noch im Freien und in großen Räumen zu erlauben. Für mehrere Kita-Gruppen wurde Quarantäne angeordnet.

  • In Offenbach sind die Corona-Infektionszahlen zuletzt sprunghaft angestiegen.
  • Die Stadt hat nun weitere Maßnahmen beschlossen.
  • Zudem gibt es einen Infektionsfall in einer Kita.

Wir haben die Situation derzeit noch unter Kontrolle“, sagt Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD). Das klingt zunächst paradox, weil die Infektionszahlen in der Stadt mit ihren über 140 000 Einwohnern zuletzt sprunghaft angestiegen waren. Der Krisenstab hat deshalb gestern weitere Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus beschlossen. Besuche in Alten- und Pflegeheimen sind nur noch im Freien oder größeren Räumen möglich. Außerdem wurde für mehrere Kita-Gruppen Quarantäne angeordnet, nachdem ein Kind positiv getestet worden war.

Neue Corona-Infektionen in Offenbach: „Ein künftiger Lockdown ist nicht völlig ausgeschlossen.“

Trotz der aktuellen Entwicklung sind die Verantwortlichen in Offenbach zuversichtlich, die weitere Ausbreitung des Virus verhindern zu können. Vieles spricht laut OB dafür, dass es eine niedrigere Dunkelziffer gibt als während der ersten Welle im Frühjahr. „Wir haben mehr Tests als damals; wir kennen die meisten Infektionsketten und ihren Ursprung.“ Die erkrankten Menschen seien in Quarantäne (aktuell 438). Schwenke betonte aber auch: „Ein künftiger Lockdown ist nicht völlig ausgeschlossen.“

Aktuell sind 300 Menschen in Offenbach positiv auf Covid-19 getestet worden, das ist ein moderater Anstieg um fünf auf 64 akute Covid-19-Fälle. Am Wochenende hatte die Stadt mit 35,6 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern die Warnstufe Drei des hessischen Eskalationskonzepts erreicht. Gestern stieg die Sieben-Tage Inzidenz auf 39,4.

Neuinfektionen

In Offenbach ist die Zahl der Neuansteckungen mit 39 pro 100 000 Einwohnern am höchsten. Der Rheingau-Taunus-Kreis folgt mit 22, der Odenwaldkreis und Wiesbaden mit jeweils 20. In der Landeshauptstadt kam es zu einem Anstieg von 15 auf 20 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner. Wegen gestiegener Corona-Zahlen haben die Kreise Rheingau-Taunus und Odenwald sowie Wiesbaden die Warnstufe 2 des hessischen Eskalationskonzepts erreicht.

Wie Stadtsprecher Fabian El Cheikh auf Anfrage mitteilte, sind alle Ansteckungen der vergangenen sieben Tage auf Reisen zurückzuführen. 15 Menschen hatten sich während einer Busfahrt zu einer Käsefabrik in den Niederlanden beziehungsweise danach infiziert. Zu den hohen Zahlen haben auch 19 Reiserückkehrer aus dem Ausland, insbesondere aus Risikogebieten, beigetragen.

Neue Corona-Infektionen in Offenbach: Hoher Aufwand alle Kontaktpersonen zu finden

Nach Angaben von Gesundheitsdezernentin Sabine Groß (Grüne) könnten die Infektionszahlen steigen, weil viele Menschen in Quarantäne mit einer bereits erkrankten Person in einem Haushalt lebten. Die Stadt Offenbach ist dennoch vorsichtig optimistisch, das Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen. Nur bei sechs der 46 zuletzt positiv Getesteten weiß man nicht, wo sie sich angesteckt haben.

Der Aufwand, alle Kontaktpersonen zu finden, gleicht einer mühseligen Detektivarbeit. Das Gesundheitsamt befragt jeden Infizierten nach allen Kontakten und später auch noch die Kontaktpersonen selbst. Die Behörde sei voll auf Corona konzentriert, alle anderen Arbeiten würden liegenbleiben, sagt El Cheikh.

Das Amt mit seinen 20 Vollzeitstellen wurde um neun Stellen aufgestockt, weitere werden folgen. Das ist nötig, weil sich die Behörde laut Stadtsprecher seit Ausbruch im 24/7-Modus befinde. Zu ihren Aufgaben gehört es auch, mit täglichen Telefonaten zu kontrollieren, ob die Quarantäne eingehalten wird. Und sie erkundigen sich nach dem Gesundheitszustand der Leute.

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