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Neue Gesellschaft zur Filmförderung gegründet

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Von: Regine Seipel

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Der Produzent Hans Joachim Mendig leitet die neue Gesellschaft.
Der Produzent Hans Joachim Mendig leitet die neue Gesellschaft. © Alex Kraus

Die Hessen Film und Medien GmbH soll die Branche voranbringen. Von dort kommen allerdings eher Befürchtungen, dass Filme auch künftig eher nach wirtschaftlichen denn nach künstlerischen Aspekten gefördert werden. Minister Rhein weist die Kritik als "vollkommen überzogen" zurück.

Von hessischen Filmemachern lange ersehnt, vom Land seit Jahren versprochen: Die neue Hessen Film und Medien GmbH, die die Branche voran bringen soll, ist am Dienstagabend offiziell gegründet worden. Wie Kulturminister Boris Rhein (CDU) am Mittwoch bei der Pressekonferenz zum hessischen Film- und Kinopreis mitteilte, wird sie mit rund 6,8 Millionen Euro vom Mehrheitsgesellschafter, dem Land Hessen, und dem Hessischen Rundfunk ausgestattet. Dies entspreche der bisherigen Filmförderung, sagte Rhein.

Der Aufsichtsrat, dessen Vorsitzender Rhein ist, habe in seiner ersten Sitzung den Filmproduzenten Hans Joachim Mendig nun auch offiziell zum Geschäftsführer bestellt. Er wird am 1. Oktober die Arbeit aufnehmen und hat schon ein provisorisches Büro in den Räumen der bisherigen kulturellen Filmförderung beim Hessischen Rundfunk bezogen.

Eine wichtige Forderung der Filmschaffenden, die sie vergangene Woche noch einmal in einer Resolution an den Minister bekräftigt hatten, wird die neue Gesellschaft nicht erfüllen können: Der Großteil der Fördermittel, fünf Millionen Euro, soll – wie bisher von Hessen Invest Film – weiter nach Gesichtspunkten der Wirtschaftlichkeit als Darlehen an Filmemacher vergeben werden. Diese Mittel konnten bisher nicht für die Nachwuchsförderung eingesetzt werden. „Ich nehme die Kritik an der Art der zur Verfügung stehenden Mittel ernst“, sagte Rhein. In einem ersten Schritt werde daher die Verzinsung der Darlehen von bisher zwei auf einen Prozent gesenkt.

In der Resolution hatten die Filmemacher weiter gefordert, dass die Mittel für die kulturelle Filmförderung, die künstlerisch anspruchsvolle Arbeiten unterstützt, „mindestens in bisheriger Höhe“ erhalten bleiben. Auch das lehnt Rhein ab. Eine Festlegung sei „unklug“, die Filmförderung müsse flexibel bleiben, sagte er. Die Filmschaffenden bezweifeln daher, dass es mit der neuen Gesellschaft einen inhaltlichen Neuanfang geben wird und befürchten einen „empfindlichen Rückschlag“ für das Filmland Hessen. Solche Kritik findet Rhein „vollkommen überzogen". Nachwuchs- und kulturelle Filmförderung, sagte er, würden auch weiterhin „eine tragende Rolle“ spielen.

Filmemacher zurückholen

Der 1953 in Bonn geborene Hans Joachim Mendig hat sich als Produzent von Fernsehserien, etwa „Die Kommissarin“ oder „Ein Fall für zwei“, einen Namen gemacht. Er ist Diplom-Betriebswirt und habe „neben einer künstlerischen Ader auch unternehmerische Kompetenz“, lobte Rhein. Bei seinem ersten Auftritt als Geschäftsführer formulierte Mendig bei der Filmpreis-Pressekonferenz seine Ziele. Er wolle nicht nur hessische Talente im Land halten, sondern auch Drehbuchautoren, Schauspieler und Produktionsfirmen, die weggegangen sind, wieder zurückholen.

Der Anspruch ist also hoch, mit welchem Personal er umgesetzt wird, noch offen. Ob der bisherige Geschäftsführer der kulturellen Filmförderung, Frank Stefan Limbach, der den diesjährigen Hessischen Film- und Kinopreis noch betreut hat, im Team sein wird, ist unklar. „Das wird sich in den kommenden Wochen zeigen“, sagte er am Rande der Pressekonferenz. Die bisherige Co-Geschäftsführerin Christel Schmidt wird nicht in der neuen GmbH mitarbeiten. Über die Personalausstattung will der Aufsichtsrat im Dezember entscheiden.

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