Dem alten Stadion geben Stadt und Verein keine Zukunft.
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Dem alten Stadion geben Stadt und Verein keine Zukunft.

Bad Nauheim

Neue Arena mit Platz für Messen

Die Planung einer Multifunktionsarena in Bad Nauheim steht ganz am Anfang, entschieden ist noch gar nichts.

Die handelnden Akteure – Bürgermeister Klaus Kreß, Erster Stadtrat Peter Krank und EC-Geschäftsführer Andreas Ortwein – haben auf Grundlage einer Machbarkeitsstudie der Architekturbüros Glöckner (Nürnberg) und BLFP (Friedberg) aber klare Vorstellungen von der Realisierung des rund 35 Millionen Euro schweren Investitionsvorhabens. Jetzt beginnt die Überzeugungsarbeit in Gremien, bei Investoren, Standortnachbarn und in der Bevölkerung.

Die Experten der Firma Glöckner hatten ihr Gutachten bereits im Februar vorgelegt. „Diese Studie sprang aber zu kurz, beleuchtete in erster Linie den Standort und ließ viele Fragen offen“, sagt Bürgermeister Kreß. EC-Chef Ortwein machte sich deshalb zusammen mit dem BLFP-Architekturbüro daran, eine 54-seitige Projektskizze zu entwerfen, die nun abgeschlossen ist. Danach soll die 4500 Zuschauer fassende Arena im Bereich der Talaue zwischen Sportpark und VW-Autohaus Marnet entstehen. Der Parkplatz ist direkt neben dem Autohändler vorgesehen. Beide Grundstücke befinden sich in Privatbesitz und sind zusammen rund drei Hektar groß.

MARODES STADION

Konkrete Pläne für den Neubau eines Eisstadions gab es erstmals vor 13 Jahren. 2007 wollte der damalige Bürgermeister Bernd Witzel (UWG) auf dem Stoll-Gelände ein Stadion und ein Fachmarktzentrum errichten lassen. In der CDU/UWG-Koalition entwickelte sich ein Machtkampf, der zum Ende der Zusammenarbeit führte.

Die Stadt setzte auf Sanierung der alten Sportstätte, steckte Millionen Euro in das marode Colonel-Knight-Stadion. Erst 2017 begann die Politik der Argumentation des EC, der um das Profi-Eishockey in Bad Nauheim fürchtet, mehr Gehör zu schenken. Im Juni 2019 wurde die Machbarkeitsstudie für den Neubau in Auftrag gegeben.

Hauptargument für die Talaue ist die Verkehrsanbindung mit Anschluss an die B3. Von dort aus sind es nur wenige Meter bis zum Parkplatz, der über eine Abfahrt von der Friedberger Straße zu erreichen sein wird. Weitere Pluspunkte dieser Grundstücke sind der fast quadratische Zuschnitt und der Flächennutzungsplan. Dort ist das Gelände bereits für Sport und Freizeit ausgewiesen.

„Wir haben vor allem auf eine hohe wirtschaftliche Attraktivität geachtet. Die Arena soll auch Bürgerbegegnungszentrum mit Platz für Vereine werden und Raum für Firmen bieten, die etwas mit Sport zu tun haben. Diese Unternehmen könnten als Co-Investoren einsteigen“, erklärt Ortwein. Die Arena, die nicht als „quadratischer Kasten“ gedacht ist, wird aus zwei Teilen in einem Gebäude bestehen. Eine kleine Trainingshalle soll zweistöckig werden und auch Gastronomie und Büros beinhalten. Das eigentliche Stadion wird drei Geschosse haben.

Zur Frage des Hauptinvestors hält sich der Geschäftsführer bedeckt. Erst jetzt, mit einem halbwegs konkreten Konzept könne der EC in ernsthafte Verhandlungen mit zwei interessierten Unternehmen einsteigen. Laut Kämmerer Krank ist es verfrüht, über die Finanzierung oder den städtischen Anteil an den Investitionskosten zu reden. Nur so viel: „In den kommenden Jahren müssten mindestens zehn Millionen Euro bereitgestellt werden, um das alte Stadion am Leben zu erhalten.“ Ein Betrag in ähnlicher Höhe als städtischer Anteil wäre also vorstellbar. Mehr Klarheit herrscht bei den Betriebskosten. Ortwein geht pro Jahr von Einnahmen und Ausgaben von je rund 1,15 Millionen Euro aus. Wobei die Stadt jährlich 400 000 Euro beisteuern würde, um Kosten für öffentlichen Eislauf und Breitensport der Vereine zu decken.

Als Betreiber würde eine Arena GmbH fungieren, der als Gesellschafter neben Stadt, EC und Investoren eine Event und Catering GmbH angehören soll. Diese Firma würde sich um die Vermarktung kümmern. Ortwein zufolge wären neben Konzerten Kongresse, Unternehmensveranstaltungen, Messen oder Sportveranstaltungen möglich.

Kreß zufolge sollen die parlamentarischen Gremien im September den Auftrag für eine 190 000 Euro teure Vorentwurfsplanung vergeben. Im ersten Quartal 2021 könnten Ergebnisse vorliegen.

Kreß sagte: „Von heute an benötigen wir wohl vier, fünf Jahre. Die Arena könnte 2025 eröffnet werden.“

BERND KLÜHS

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