Verkehr

Neubaustrecke Frankfurt - Mannheim: Bahn setzt auf Tunnel bei Lampertheim

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Vorschlag kommt in der Region gut an - jetzt geht es noch um die Details.

Es ist ein Jahrzehnteprojekt für den Süden Hessens: die Neubaustrecke der Deutschen Bahn von Frankfurt nach Mannheim. So unbestritten nötig weitere Gleise sind, so umstritten ist deren Verlauf. Das galt bisher insbesondere im Kreis Bergstraße, konkret bei Lampertheim. Doch jetzt könnte es den entscheidenden Durchbruch geben: Die Bahn schlug im Beteiligungsforum einen Tunnel zwischen Lorsch und Mannheim vor. Er unterquert in fünf Meter Tiefe den Lampertheimer Wald und die wertvollen sandigen Felder der Spargelstadt.

„Die Menschen werden von dem Eisenbahnverkehr nichts sehen und hören“, versprach Gerd Dietrich Bolte, bei der Deutschen Bahn für Großprojekte zuständig. Landwirte könnten nach der Fertigstellung ihre Äcker wie gewohnt bewirtschaften. Im Wald sei ein „waldähnlicher Bewuchs“ möglich. Die Mehrkosten gegenüber oberirdischen Gleisen liegen bei 320 Millionen Euro.

Die Reaktionen fallen grundsätzlich zustimmend aus. Lampertheims Bürgermeister Gottfried Störmer (parteilos) sagte der FR, es sei positiv, „dass die Bahn unseren Gedanken zur Tunnellösung aufgenommen hat“. Ulrich Guldner, Sprecher der Bürgerinitiative Lampertheim (Bila), erklärte, „die große Katastrophe für Lampertheim“ sei ausgeblieben.

Nächste Schritte
Die Kommunen und Organisationen vor Ort werden nun die Tunnelidee prüfen und dann mit der Bahn diskutieren. Dabei dürfte es vor allem um die Bauweise gehen.

Im nächsten Schritt geht es um die Anbindung Darmstadts und den Streckenverlauf zwischen Landwaden und Einhausen/Lorsch.

Die komplette Strecke soll bis Frühsommer 2020 stehen.

Christian Engelhardt (CDU), Landrat des Kreises Bergstraße, erinnerte aber daran, dass ein bergmännischer Tunnel auf dem Forderungskatalog der Region stand. Die Bahn will nicht unterirdisch bohren, sondern bis zu 15 Meter tiefe Gruben graben, die Tunnel bauen und wieder mit Erde bedecken. Auch der Bila gefällt dieses Vorgehen nicht. Streitpunkt ist zudem ein 2,8 Kilometer langes Stück bei Lorsch, das oberirdisch geführt werden soll. Von der 14,8 Kilometer langen Strecke sollen insgesamt 10,2 Kilometer untertunnelt werden, 1,8 Kilometer in einem Trog liegen.

Die Strecke Frankfurt – Mannheim ist das große Nadelöhr im Bahnnetz. Dort treffen wichtige ICE-Linien zusammen (in den Richtungen Hamburg, Berlin, Köln, Basel, München), der internationale Güterverkehr und der Nahverkehr. Bisher fahren die meisten ICE auf der nur teilweise bis Tempo 200 ausgebauten Riedbahn über Biblis, ein Großteil des Güterverkehrs rollt über die Main-Neckar-Bahn durch Darmstadt und entlang des Odenwalds.

Künftig würden ICEs tagsüber auf den neuen Gleisen einige Minuten schneller sein als bisher, nachts würde dort der Güterverkehr rollen. Die Gleise verbinden die bestehenden Hochgeschwindigkeitsstrecken nach Köln und Stuttgart und sind wichtige Voraussetzung für den geplanten Deutschlandtakt.

Die Trassenfrage ist in der Metropolregion Rhein-Neckar hochpolitisch. Als der seinerzeitige Bahnchef Hartmut Mehdorn vorgeschlagen hatte, Fernzüge nicht an jeder Milchkanne halten und deshalb an Mannheim vorbeifahren zu lassen, geriet die Quadratestadt in Panik. Damit die Runde über den Hauptbahnhof die ICEs nicht zu lange aufhält, riet Lothar Mark, damals Mannheimer SPD-Bundestagsabgeordneter, dazu, die Trasse quer durch den Lampertheimer Wald zu legen. Südhessen war derart brüskiert, dass das politische Zusammenwachsen der Region ins Stocken geriet. Erst viele Jahre später entwickelte man einen gemeinsamen Vorschlag.

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