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Nachbarschaftsnetzwerk: Jugendliches Trio bietet in Neu-Isenburg Corona-Hilfe bei Einkäufen und bei der Kinderbetreuung an.

Neu-Isenburg

Hilfe für Corona-Isolierte in Neu-Isenburg

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Ein jugendliches Trio bietet in Neu-Isenburg Corona-Hilfe bei Einkäufen oder Kinderbetreuung an. Es hat sich vernetzt, eine Hotline geschaltet und koordiniert die Einsätze von Helfern.

Drei Jugendliche sind mit bestem Beispiel vorangegangen: Sie haben in Neu-Isenburg ein Nachbarschaftsnetzwerk „Solidarisch trotz Corona“ ins Leben gerufen. Wer Hilfe, Medikamente, Betreuung für die Kleinen oder Lebensmittel benötigt, kann sich nun bei ihnen über viele Kanäle – per Telefon, E-Mail, Whatsapp oder Telegram – melden.

Die Schülerin Sophie Felauer, Sven Marquardt vom Isenburger Jugendforum und Hannes Leutloff von den Grünen fanden zufällig in der Chat-App Telegram zusammen, als sie Einladungslinks in eine Frankfurter Hilfsgruppe erhielten. Die 15-jährige Felauer und der 23-jährige Softwareentwickler Leutloff meinten, Hilfe könne man doch so auch in Neu-Isenburg organisieren, gründeten in Whatsapp und Telegram eine Hilfsgruppe, verschickten die Links im Bekanntenkreis und verbreiteten sie in Facebook und Instagram. So stieß der 19-jährige Filmemacher und Webdesigner Marquardt dazu.

Kontaktaufnahme

Die Hotline von „Solidarisch trotz Corona“ Neu-Isenburg ist täglich von 10 bis 18 Uhr per Telefon oder WhatsApp unter Tel. 069/3486906-95 erreichbar.

Per E-Mail kommt Hilfe unter der Adresse solicorona.ni@gmail.com.

Schnell gründete man eine Orga-Gruppe sowie vier Stadtteilgruppen mit je zwei Moderatoren und vernetzte sich. „So können wir direkter zwischen Nachfrage und Angebot vermitteln“, erklärt Felauer. Es folgten eine E-Mail-Adresse und QR-Codes, die Leutloff für Hilfesuchende zum Abfotografieren erstellte, sowie Flyer mit den Infos, die sie in Apotheken, bei Ärzten, an mobile Pflegedienste, Heime mit betreutem Wohnen und in einigen Geschäften verteilten, um die Risikogruppen zu erreichen.

„100 Flyer haben wir daheim gedruckt“, sagt die Goethe-Schülerin. „Hannes hat sich für die Orga und fürs Drucken extra einen Tag freigenommen.“ Am gestrigen Donnerstag ging es in die zweite Runde der Flyer-Verteilung, denn jetzt ist dort auch eine Telefonnummer genannt, an die sich Hilfesuchende jeden Tag von 10 bis 18 Uhr wenden können. Eine Gruppe von „IT-Affinen“ aus Frankfurt habe die Nummer bereitgestellt, die am Mittwochabend freigeschaltet wurde. „Wir besetzen die Hotline zu dritt.“

Gerade kommt auch schon der erste Einkaufswunsch an. Eine ältere Dame aus dem Stadtteil Zeppelinheim hat angerufen. Felauer benachrichtigt den Moderator in Zeppelinheim, der jemand aus der Stadtteilgruppe sucht, der gerade Zeit hat. Da die Schar der Helfer mittlerweile auf 30 angewachsen, ist das unproblematisch. „Größtenteils Jugendliche, die dann zur Verteilung mit dem Fahrrad unterwegs sind“, sagt die 15-Jährige. Um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten, habe man sich Handschuhe und Mundschutz besorgt.

Am 15. März wurde das Nachbarschaftsnetzwerk gegründet, am 17. März brachten die Jugendlichen schon Medikamente zu älteren Menschen, die nicht aus dem Haus gehen konnten. „Sie haben in Apotheken angerufen, die dann auf uns zurückgriffen.“ Felauer hofft, dass es auch nach Corona noch Helfer gibt, die Zeit aufbringen können, damit das Netzwerk Bestand hat.

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