Andrea Clément gibt dem Flüchtlingskind Shukran (9) aus Kabul Deutschunterricht.
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Andrea Clément gibt dem Flüchtlingskind Shukran (9) aus Kabul Deutschunterricht.

Hofheim

Die Netzwerkerin

  • Andrea Rost
    vonAndrea Rost
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Andrea Clément unterstützt mit der Stiftung, die sie zusammen mit ihrem Mann gegründet hat, benachteiligte Kinder. Seit einiger Zeit engagiert sie sich auch für Flüchtlinge.

Einmal in der Woche eine Stunde Deutschunterricht im Flüchtlingsheim, ein paar Worte mit der Familie wechseln, die von Hartz IV lebt, Geld auf ein Spendenkonto überweisen. Das war’s an sozialem Engagement. Andrea Clément tickt so nicht. „Wenn ich etwas anfange, dann mache ich es richtig“, sagt die Hofheimerin.

In der Main-Taunus-Kreisstadt kennt Andrea Clément fast jeder. Viele Projekte hat die 56-Jährige mit Hilfe der Stiftung, die sie zusammen mit ihrem Mann gegründet hat, schon angeschoben: beispielsweise den kostenlosen Musikunterricht für Kinder aus sozial schwachen Familien oder Camps zum Thema erneuerbare Energien in den Weilbacher Kiesgruben. Projekte im Zuge des Programmes Soziale Stadt hat sie finanziell gefördert, Senioren in die Gesamtschule Am Rosenberg geschickt, damit diese Hauptschüler bei der Berufsfindung coachen. Sie hat Geld gegeben für Kunstworkshops für Kinder und Jugendliche und für Nachhaltigkeitstage an der Hofheimer Elisabethenschule.

2014 hat Andrea Clément begonnen, sich auch für Flüchtlinge zu engagieren. Von ihrem Wohnhaus in Marxheim aus hat sie es nicht weit bis zur Containerunterkunft der Asylbewerber an der Frankfurter Straße. Längst kennt sie fast alle der weit über 100 Bewohner dort, weiß, wo der Schuh drückt, welche Familien Hilfe brauchen. Als Flüchtlingspatin war sie bei endlos langen Behördengängen dabei, hat den Notdienst angerufen, wenn am Wochenende die Heizung in der Flüchtlingsunterkunft ausgefallen ist, hat Jobs für die Asylbewerber gesucht und, wenn klar war, dass sie in Deutschland bleiben dürfen, eine bezahlbare Wohnung und einen Ausbildungsplatz aufgetrieben.

„Andrea ist eine tolle Frau“, sagt Eyas Mtan. Der 20-jährige Syrer ist einer von Andrea Cléments Schützlingen. Kennen gelernt hat sie ihn, als er vor eineinhalb Jahren in der Containerunterkunft an der Main-Taunus-Schule wohnte. Mittlerweile ist Eyas Mtan nach Marxheim ungezogen. Er besucht einen Deutschkurs, übt mit Andrea Clément, sich im Alltag zu verständigen und bringt ihr im Gegenzug ein bisschen Arabisch bei. Und er ist zur Stelle, wenn ehrenamtliche Flüchtlingshelfer einen Dolmetscher brauchen. Für Andrea Clément sind das die ersten Schritte von echter Integration. Sie ist überzeugt: „Was wirklich etwas bewirkt, ist Beziehung; das Gefühl, dass sich ein anderer Mensch für mein Schicksal interessiert, mich ernst nimmt.“

Als Koordinatorin der Flüchtlingsunterkunft am Kreishaus hat sie ein Netzwerk ehrenamtlicher Helfer mit aufgebaut. Seit Eyas Mtan in Marxheim wohnt, engagiert sie sich zusätzlich im Asylheim in der Schulstraße, bringt auch dort Flüchtlinge und Helfer zusammen, sucht nach Möglichkeiten, wie vor allem junge Geflüchtete sich die lange Zeit vertreiben können, bis ihr Asylantrag bearbeitet wird. „Die Vereine“, findet Andrea Clément, „müssten da noch viel aktiver werden, Flüchtlinge ins Training miteinbinden, Angebote machen, auf die Leute zugehen.“

Die Clément-Stiftung hat schon eine Osterfreizeit in Marxheim finanziert, bei der auch Flüchtlingskinder dabei waren, dieses Jahr soll es eine Museumswerkstatt für Flüchtlingskinder geben. In den Weihnachtsferien war Andrea Clément selbst im Einsatz und hat Kindern aus Flüchtlingsfamilien Deutsch-Unterricht in der Marxheimer Grundschule gegeben.

Das Netzwerken mache ihr Spaß, sagt sie. Die eigenen Kontakte für andere nutzen, Türen aufschließen, Flüchtlinge und Helfer als „Tandems“ zusammen bringen. „Man wird demütig und bescheiden, wenn man die Schicksale der Menschen aus einem ganz anderen Kulturkreis kennenlernt“, sagt Andrea Clément. „Und man kriegt als Helfer auch sehr viel zurück, lernt neue Aspekte im eigenen, doch recht biederen Leben kennen.“

Ihr Mann Norbert und die beiden Töchter, 20 und 23 Jahre alt, haben Andrea Cléments kaum enden wollendes soziales Engagement längst in ihren Alltag integriert. „Anderen zu helfen ist zu einer Familienangelegenheit geworden“, sagt Katharina Clément. „Unsere Mutter ist da ohnehin kaum zu bremsen.“

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