+
Statue Justitia 

Neonazis

Ermittlungen gegen rechtsextreme „Berserker Lahn-Dill“ eingestellt

  • schließen

Das Verfahren gegen fünf Beschuldigte der „Berserker Lahn-Dill“ ist zu den Akten gelegt worden. Die Beweise reichen nicht für eine Anklage.

Die seit mehr als einem Jahr laufenden Ermittlungen gegen die rechtsextreme Hooligan-Gruppierung „Berserker Lahn-Dill“ sind eingestellt worden. Wie Nadja Niesen, die Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft, der Frankfurter Rundschau auf Anfrage sagte, sei das Verfahren gegen insgesamt fünf Beschuldigte bereits Ende Februar zu den Akten gelegt worden. Es habe sich kein hinreichender Tatverdacht für die Bildung einer kriminellen Vereinigung ergeben, sagte Niesen. Man habe bei den Beschuldigten zwar uniformartige Kleidung und NS-Devotionalien gefunden, „aber keine Hinweise darauf, dass die sich zusammengeschlossen haben, um Straftaten zu begehen“.

Ende Januar 2018 hatten bewaffnete Spezialeinheiten der hessischen Polizei am frühen Morgen zeitgleich vier Wohnungen in der Umgebung von Dillenburg im Lahn-Dill-Kreis untersucht. Dabei hatten sie unter anderem Laptops und diverse Speichermedien, Luft- und Schreckschusswaffen, Butterfly-Messer, Drogen und Neonazi-Propaganda sichergestellt.

„Berserker Lahn-Dill“ Ableger der „Berserker Pforzheim“

Ermittelt wurde gegen letztlich fünf Beschuldigte, die damals zwischen 27 und 40 Jahren alt waren und in Dillenburg, Eschenburg, Braunfels, Aßlar und Dietzhölztal wohnten. Sie sollen zum inneren Kreis der „Berserker Lahn-Dill“ gehören, die seit dem Frühjahr 2017 in einheitlichen schwarzen Pullovern auf Neonazi-Demonstrationen in Mittelhessen aufgefallen waren. Bei der Gruppe handelte es sich offenbar um einen Ableger der rechtsextremen Hooligans „Berserker Pforzheim“ aus Baden-Württemberg.

Die Ermittler hatten nach der Razzia mitgeteilt, die Gruppe sei streng hierarchisch organisiert, verfüge über Kontakte in die bundesweite Neonazi-Szene und habe bis zu 100 Anhänger. Ermittelt wurde wegen des Verdachts auf Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie auf Verstöße gegen das Waffen- und Kriegswaffenkontrollgesetz. Wie Nadja Niesen, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, der FR sagte, würden die Ermittlungen wegen Waffen- und Drogendelikten gegen einzelne Beschuldigte weitergeführt, sie seien allerdings an lokale Staatsanwaltschaften abgegeben worden.

„Berserker“ existieren offiziell nicht mehr

Bereits kurz nach den Durchsuchungen hatte der mutmaßlich führende Kopf der „Berserker“, ein Neonazi aus Dillenburg, über Facebook die Auflösung seiner Truppe bekanntgegeben. Seitdem existieren die „Berserker“ offiziell nicht mehr, ihre Mitglieder dürften aber weiterhin in der rechten Szene aktiv sein. Der mutmaßliche Anführer trat zuletzt Ende vergangenen Jahres als Mitorganisator eines Rechtsrock-Konzerts in Erscheinung, das zunächst im mittelhessischen Leun stattfinden sollte, dann aber ins rheinland-pfälzische Wahlrod verlegt wurde.

Der hessische SPD-Landtagsabgeordnete Stephan Grüger, der nach den Razzien eine parlamentarische Anfrage zu den „Berserkern Lahn-Dill“ gestellt hatte, sagte der FR, er gehe davon aus, dass die Einstellung des Verfahrens juristisch korrekt sei und die Staatsanwaltschaft die vorliegenden Beweise richtig bewerte. Trotzdem müsse man die rechte Szene im Lahn-Dill-Kreis weiter im Auge behalten. „Wir müssen natürlich nicht nur ein, sondern beide Augen darauf haben, was da so geschieht“, sagte Grüger. Man müsse zeigen, „dass Extremismus in unserem Land nicht geduldet wird“.

Hermann Schaus, innenpolitischer Sprecher der Linksfraktion im hessischen Landtag, zeigte sich dagegen erstaunt. „Ich kann nicht nachvollziehen, dass das eingestellt wird“, sagte Schaus. Er werde den hessischen Inneninister Peter Beuth (CDU) so schnell wie möglich zu dem Vorgang befragen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare