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Peter Bel stellt das Teleskop so ein, dass die Sonnenflecken gut zu sehen sind – wenn das Wetter mitspielt.

Astronomie

Nein, die Flecken sind nicht auf der Linse ...

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Die Sternwarte des Pysikalischen Vereins Frankfurt wartet mit Teleskop im Palmengarten auf – und eröffnet damit sonnige Einsichten.

Caspar blinzelt in die Sonne. Mit seinen Eltern ist der Neunjährige in den Palmengarten gekommen, um sich das Zentralgestirn genauer anzuschauen. Der Physikalische Verein hat nach der ersten Woche der Sommerferien wieder seine Teleskope am Oktogonbrunnen aufgebaut, um besonders den jungen Besuchern des Pflanzenparks Phänomene auf der Sonne näherzubringen.

Zwischen weißen Wolken lugt der grelle Gasball immer mal wieder hervor, während die Wasserfontänen im Brunnenbecken sprudeln. Leider ist das zu wenig, um wirklich Außergewöhnliches zu entdecken. „Eine große gelbe Scheibe habe ich gesehen“, ruft Caspar, nachdem der Drittklässler durch eines von zwei Teleskopen geschaut hat, die an einem Stativ befestigt sind. Vater Clemens Schun berichtet: „Wir haben uns informiert, wo man gut Sterne beobachten kann.“ Schließlich sei das astronomische Interesse des Juniors dank eines Quiz-Karten-Sets über Planeten als Geburtstagsgeschenk längst geweckt.

„Wir warten immer noch auf größere Wolkenlücken“, sagt Peter Bel vom Physikalischen Verein. Mit einer Hand voll Vereinsmitgliedern hält er die Stellung in einem Pavillon am Oktogonbrunnen. Auf dem Boden vor der achteckigen Quelle haben sie das Stativ mit den Teleskopen Richtung Süden ausgerichtet. Durch das weiße Teleskop sollten an klaren Tagen so genannte „Sonnenflecken“ zu sehen sein. Mit dem kleineren, goldenen Fernrohr seien „Protuberanzen“ zu erkennen. „Das sind gewaltige Plasma-Explosionen auf der Sonnenoberfläche“, erklärt Bel.

In den fünf Sonntagen in den Sommerferien macht die Sternwarte des Physikalischen Vereins Frankfurt mit seinem mobilen Sonnenteleskop im Palmengarten Station. Jeweils von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr können Besucher das Angebot nutzen. Es gelten die üblichen Eintrittspreise des Palmengartens.

Neben dem Brunnen haben die Vereinsmitglieder eine Tafel aufgestellt, auf der Fotos der Phänomene zu sehen sind. Die Sonnenflecken erscheinen als teils klitzekleine, teils größere schwarze Punkte auf der weißen Sonnenscheibe. Laut Bel reichen die Reaktionen der Besucher von „Ihre Linse ist dreckig, die müssen Sie mal sauber machen“ bis zu fasziniertem Erstaunen, wenn sie die Flecken durch das Fernrohr erblickten. Er verweist auf die Größenverhältnisse. Immerhin sei die Erde 150 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. Die Masse der Erde passe 300 000 mal in die des Tagesgestirns. „Ein kleiner Fleck ist deshalb auch interessant“, sagt der Architekt, dessen Faible für Sterne schon in der Schule geweckt worden sei.

„Von Sonnenflecken habe ich vorher noch nie etwas gehört“, sagt Claudia Breckwoldt, die mit ihrer Mutter durch den Palmengarten spaziert und nur zufällig an dem Pavillon des Physikalischen Vereins vorbei gekommen ist. „Planeten und Sterne sind nicht so richtig greifbar“, sagt die 41-Jährige. „Total interessant“ habe sie die Ausführungen von Vereinsmitglied Ilse Marx gefunden, derzufolge im vergangenen Jahr ein bis zwei Flecken auf der Sonne zu sehen waren.

Rita Breckwoldt habe sich gefragt, ob die Flecken etwas mit dem Klimawandel zu tun hätten, berichtet die 72-Jährige. Dieses Problem sei jedoch „hausgemacht“, habe sie erfahren.

Anders als die zuweilen wenig spektakulär empfundenen Sonnenflecken treten die Gasausbrüche (Protuberanzen) in grell orange-roten Farbtönen hervor, die sich mehrere zehntausend Kilometer über der Sonnenoberfläche erheben. „Im Moment gibt es keine Protuberanzen“, sagt Ilse Marx, und fügt hinzu: „Vielleicht wird es gegen Abend ein bisschen besser, das kann man nicht vorhersagen“. Eine Besucherin fragt: „Wie ist das, wird die Sonne jetzt noch größer und verglüht irgendwann?“ In der Tat sagt Marx: „Sie bläht sich immer weiter auf und wird in ein paar Milliarden Jahren verglühen. Das werden wir aber nicht mehr erleben und würden wir auch nicht überleben“.

Vorbereitungen zwischen Pflanzen und Blüten.

Peter Bel sagt dazu: „Im Prinzip wird sie implodieren und schlagartig auf Erd-Größe zu einem weißen Zwerg zusammen schrumpfen.“ Die Erde gebe es dann schon lange nicht mehr. „Wir verschwinden in der Sonne“, so Bel. Dies könne durch Himmelsbeobachtungen nachgewiesen werden. Wie der Mars würde sich die Erde dann in einen „öden Planeten“ verwandeln. „Der Himmel ist nach wie vor eines der größten Phänomene“, sagt Bel. Seien es romantische Sonnenuntergänge oder Blicke in die Sterne – oder eben die Flecken auf der Sonne, die der Psyikalische Verein nun im Palmengarten sichtbar machen will.

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