Silvester - Frankfurt am Main
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Extrem überschritten wurden diese Werte vor allem dort, wo unmittelbar geböllert wurde.

Luftschadstoffe

Nebel macht in Hessens Städten den Feinstaub sichtbar

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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In der Silvesternacht führten in vielen hessischen Innenstädten die Luftfeuchtigkeit und die Windstille zu einer hohen Belastung. Geböllert wurde aber so viel wie sonst auch.

Eine besondere Wetterlage hat zum Jahresanfang dazu geführt, dass die extrem hohen Konzentrationen an Feinstaub vergleichsweise lange in der Luft erhalten blieben. Bei nahezu Windstille und großer Luftfeuchtigkeit hingen die rußbelasteten Rauch- und Nebelschwaden noch lange nach der Mitternachtsstunde über den Straßen und Plätzen, an denen die Menschen das neue Jahr mit Böllern und Raketen begrüßt hatten.

„Oben war es warm, unten kalt, wir nennen das eine Inversionswetterlage“, erklärte Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach auf Anfrage. Das führte dazu, dass sich die Luft kaum austauschte und so gut wie nicht bewegte. An den winzig kleinen Rußpartikeln, die beim Abbrennen des Feuerwerks entstanden waren, kondensierte die in der Luft vorhandene Feuchtigkeit zu Wasserdampf. Zusammen mit dem aufziehenden Nebel bildete sich so eine dichte Dunstschicht, die den Feinstaub förmlich sichtbar machte. „Wind hätte geholfen, das Ganze etwas zu verwehen“, sagte Friedrich. So aber konnten sich die hohen und belastenden Feinstaubwerte bis in den Neujahrstag hinein halten.

In Frankfurt wurden die höchsten Werte um 1 Uhr an der Friedberger Landstraße gemessen. 794 Mikrogramm Feinstaub lagen dort in der Luft. Im Niedwald wurde die Konzentrationsspitze mit 616 Mikrogramm erst um 2 Uhr erreicht und lag dort um 5.30 Uhr mit mehr als 100 Mikrogramm immer noch vergleichsweise hoch. In Schwanheim kam die Feinstaubglocke sogar erst gegen 3 Uhr an und hielt sich bis in den Mittag hinein.

Verbotszonen respektiert

Auf dem Eisernen Steg hatte die Stadt eine Verbotszone fürs Böllern eingerichtet. Diese wurde nach Angaben eines Polizeisprechers von den Feiernden auch eingehalten. „Das funktionierte“, sagte er.

In Offenbach wurden gegen 0.30 Uhr an der Unteren Grenzstraße Feinstaubwerte von bis zu rund 750 Mikrogramm gemessen. Der Grenzwert für die Partikel mit einer Größe von unter 2,5 Mikrometer liegt bei 25 Mikrogramm je Kubikmeter Luft, für die etwas größeren Partikel mit bis zu zehn Mikrometern bei 40 Mikrogramm.

Extrem überschritten wurden diese Werte vor allem dort, wo unmittelbar geböllert wurde. Allerdings haben die Kommunen darauf verzichtet, eigene Messungen vorzunehmen. Um die Belastung festzustellen, können deshalb nur die ohnehin vorhandenen Messstellen des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie genutzt werden. Diese dienen üblicherweise dazu, die Emissionen durch den Straßenverkehr zu kontrollieren.

In Offenbach wurde nach Angaben einer Sprecherin besonders viel Feuerwerk in Waldhof, am Wilhelmsplatz und in der Mühl-heimer Straße abgebrannt. Welche Feinstaubkonzentrationen die Luft dort erreichte, ist nicht bekannt.

Insgesamt herrschte der Eindruck vor, dass trotz aller Appelle kaum weniger geböllert wurde als in vergangenen Jahren. So lagen die Belastungen beispielsweise in Wiesbaden nach Angaben aus dem Umweltdezernat im Bereich der Vorjahre. Auch dort wurde die Verbotszone rund um das Kurhaus nach Angaben eines Polizeisprechers beachtet. Die Ausweitung der Verbotszonen – über die zumeist geschützten Altstädte und Bereiche um Krankenhäuser und Altenwohnheime hinaus – scheint allerdings in kaum einer hessischen Kommune auf der To-do-Liste für 2020 zu stehen.

Claas Michaelis, Sprecher der Stadt Kassel, wies darauf hin, dass es für die Ausweisung einer solchen Zone eine rechtliche Begründung brauche. „Wir haben hier keine klassische Altstadt, und auch die Grenzwerte überschreiten wir über das Jahr gesehen nicht“, sagte er. Deshalb werde es in der nordhessischen Metropole wohl bei der bislang einzigen Verbotszone bleiben: dem als Unesco-Weltkulturerbe geschützten Bergpark Wilhelmshöhe.

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