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Nassauische Heimstätte verzichtet in Krise auf Mieterhöhungen

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Mehrere hessische Wohnungsgesellschaften versprechen Mietern in der Corona-Krise Unterstützung, erhöhen die Mieten nicht länger und verzichten auf Kündigungen.

Nach der Frankfurter Wohnungsgesellschaft ABG verzichtet jetzt auch die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/Wohnstadt, der hessenweit etwa 59 000 Wohnungen gehören, auf Kündigungen und Zwangsräumungen, die in Zusammenhang mit der Corona-Krise stehen. Die mehrheitlich dem Land gehörende Gesellschaft will, wie sie am Mittwoch mitteilte, zudem alle noch nicht ausgesprochenen Mieterhöhungen auf das vierte Quartal verschieben.

Mieter, die wegen der Corona-Krise Einkommensausfälle haben und deshalb die Miete nicht fristgerecht zahlen können, bittet das Unternehmen, sich frühzeitig zu melden, damit die Servicecenter mit ihnen individuelle Lösungen erarbeiten können. Gewerblichen Mietern, die nun akute Zahlungsausfälle haben, stellt die Nassauische Heimstätte in Aussicht, gegen Nachweis des Verdienstausfalls die Miete für zunächst einen Monat zu erlassen.

„Niemand muss wegen der Corona-Pandemie um sein Zuhause fürchten oder sein Geschäft aufgeben“, sagt der leitende Geschäftsführer des Unternehmens, Thomas Hain. „Unser Ziel ist es, die durch die tiefen ökonomischen Einschnitte drohenden Folgen für unsere Mieter so weit wie möglich abzumildern.“ Mit dieser Politik befinde man sich auf Augenhöhe mit dem am Montag vom Bundeskabinett gefassten Beschluss, Kündigungen von Wohnungsmietern und kleinen Gewerbetreibenden vorübergehend auszuschließen.

Älteren Mietern, die derzeit das Haus nicht verlassen können, bietet die Nassauische Heimstätte an, Einkäufe und Besorgungen vom Wohnserviceteam des Unternehmens erledigen zu lassen. Vorübergehend ist dieser Service kostenlos.

„Sicher-Wohnen-Programm“

Die SPD und die Linke im Hessischen Landtag forderten am Mittwoch, dass auch die Landesbank-Tochter GWH dem Vorbild der ABG folgt, und zunächst auf Kündigungen und Mieterhöhungen verzichtet.

Die Hofheimer Wohnungsbau GmbH (HWB) bietet ihren Mietern wegen der mit der Corona-Krise einhergehenden wirtschaftlichen Unsicherheit ab sofort das „Sicher-Wohnen-Programm“ an. Es sieht Stundungen der Miete zunächst um zwei Monate vor, um all jenen, die die Miete nicht oder nicht in voller Höhe zahlen können, etwas Luft zu verschaffen. Über den Mieterservice oder ihr Soziales Management stellt die HWB zudem den Kontakt zu Behörden her. Gegebenenfalls können auch Ratenvereinbarungen für Mietzahlungen über bis zu 24 Monate abgeschlossen werden.

Auch die Darmstädter Bauverein AG hat beschlossen, im April keine Mieterhöhungsschreiben zu verschicken. Zudem solle geprüft werden, ob eine auf die jeweilige Situation angepasste Ratenzahlung der Miete möglich sei, teilt das kommunale Unternehmen mit. Kunden könnten ihre Kündigungen zurückziehen, sofern die Wohnung nicht bereits neu vermietet worden ist.

Der Bauverein will zudem vorübergehend Kündigungen und Räumungsverfahren aussetzen. Die BVD Gewerbe GmbH, ein Tochterunternehmen des Bauvereins, steht laut Mitteilung zudem mit Gewerbekunden in Kontakt, die durch die derzeitigen Schließungen ihrer Betriebe in Not geraten. Auch hier will man nach Angaben der Unternehmensleitung den Kunden „mit individuellen Lösungen entgegenkommen“. So stundet die Gewerbetochter die Mieten in Einzelfällen.

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