1. Startseite
  2. Rhein-Main

Neun-Euro-Ticket in Rhein-Main: Nahverkehr für Ungeübte

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jutta Rippegather

Kommentare

Könnte wegen voller Züge in diesem Sommer zu Problemen führen: Die Mitnahme von Fahrrädern in den Öffentlichen.
Könnte wegen voller Züge in diesem Sommer zu Problemen führen: Die Mitnahme von Fahrrädern in den Öffentlichen. © dpa

Mit dem Neun-Euro-Ticket hofft der der Verkehrsverbund Rhein-Main (RMV) auf zahlreiche Neulinge in Bus und Bahn. Praktische Tipps sollen beim Umstieg helfen – doch reichen die Kapazitäten?

Schon jetzt wird es bei schönem Wetter knapp mit dem Platz in den Zügen des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV). Fahrgäste mit Rädern müssen auch mal auf die nächste Bahn warten. Wie wird das erst, wenn im Juni Horden mit dem Neun-Euro-Ticket die Busse und Bahnen stürmen?

Es ist ein Problem, das der RMV mit einem Informationsblatt zu lösen hofft – zehn Tipps für ein entspanntes Reisen mit dem Nahverkehr sind darin gelistet: „Nutzen Sie – wenn möglich – weniger nachgefragte Fahrten.“ „Vorrang haben Fahrgäste ohne Rad, mit Rollstuhl oder Kinderwagen.“ Oder: „Drängeln Sie nicht. Lassen Sie erst alle Fahrgäste, die das Fahrzeug verlassen möchten, aussteigen.“

Neun-Euro-Ticket: Möglichst viele sollen den Nahverkehr kennen lernen

Das klingt nach öffentlichem Nahverkehr für Anfängerinnen und Anfänger. Möglichst viele Neulinge sollen ihn kennen und schätzen lernen. Das von der Berliner Ampel-Koalition erdachte Angebot sei eine „riesige Chance“, heißt es beim RMV, der trotzdem im Juli seine Fahrpreise um durchschnittlich 3,9 Prozent erhöht.

Es ist eine einzigartiges Experiment, in einer Rekordzeit von zwei Monaten organisatorisch aus dem Boden gestampft und begleitet von einem mulmigem Gefühl. Keiner weiß, wie die supergünstige Karte ankommen wird.

Neun-Euro-Ticket: Alle erhalten Zugang

Für den RMV stand von Anfang an fest, dass die Stammkundschaft nicht ausgeschlossen sein darf. Die mit Jahreskarte, Semestertickets, Jobtickets und auch die, die für 365 Euro im Jahr mit dem Schülerticket und Seniorenticket unterwegs sind. Deren Karten werden in den drei Monaten automatisch zum Neun-Euro-Ticket mit deutschlandweiter Gültigkeit. Sie erhalten eine Gutschrift oder eine Erstattung für die Differenz zum Abopreis.

Zweite Prämisse: Alle erhalten Zugang. Der Vertrieb läuft nicht nur online, sondern das Ticket ist auch an Automaten erhältlich, den meisten Verkaufsstellen und bei einigen Verkehrsunternehmen sogar beim Buspersonal. Hier wird es unübersichtlich. Der RMV als einer der größten deutschen Verkehrsverbünde koordiniert und organisiert den regionalen Verkehr auf rund 14 000 Quadratkilometern. 808 Millionen Fahrgäste bewegt er jährlich mit rund 160 Verkehrsunternehmen.

Neun-Euro-Ticket: An schönen Sommerwochenenden droht das Chaos

Eines davon ist die Hessische Landesbahn (HLB). Sie fährt unter anderem die beliebten Freizeitlinien in den Vogelsberg, in die Rhön oder entlang der Lahn, wo an einem schönen Sommerwochenende der Bär los ist. Kanutinnen und Kanuten, Radreisende, Wandergruppen – alle nutzen die Züge, um am Abend müde zum Startpunkt ihrer Tour zurückzukehren. Und jetzt kommen noch die Neulinge hinzu, die erst mit dem Neun-Euro-Ticket auf die Idee kommen. Auch auf anderen Verbindungen im RMV-Gebiet könnte es eng werden. Und selbst wenn zusätzliche Fahrzeuge organisierbar werden könnten: Personal ist sowieso knapp – erst recht in der Urlaubsaison.

Und dann gibt es noch Sperrungen wegen Bauarbeiten. Eine wichtige U-Bahn-Verbindung in Frankfurt. Ein Abschnitt der Main-Weser-Strecke Bahn ist ganze acht Wochen komplett nicht befahrbar. Im Norden sieht es nicht anders aus. Zwischen Hamm und Kassel sei mit starken Behinderungen rechnen, teilte die Deutsche Bahn jetzt mit – Sommerzeit ist nun mal Baustellenzeit.

Kapazitäten erhöhen ist nicht drin, sagt HLB-Sprecher Peter Runge. „Was wir fahren können, fährt ohnehin schon an den Wochenenden.“ Und die Lieferung von Ersatzteilen stocke wegen des Krieges in der Ukraine. Auch er spricht von „Chance“, räumt aber gleichzeitig ein: „Wir haben ein bisschen Sorge.“

Auch interessant

Kommentare