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Walter Dirks

Nachwirkungen in Deutschland

Walter Dirks und der Kapitalismus mit menschlichem Antlitz. Von Matthias Arning

Von Matthias Arning

Für Max Horkheimer erschien der Zusammenhang zwischen dem System des Wirtschaftens und der politischen Despotie am Vorabend des Zweiten Weltkriegs offenkundig: "Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen." Unmittelbar nach Ende der Europa umspannenden gewalttätigen Auseinandersetzungen hätten viele Zeitgenossen Horkheimers Sentenz unterschrieben. So auch Walter Dirks, 1901 geboren und gerade mal sechs Jahre jünger als der Gründer des in Frankfurt ansässigen Instituts für Sozialforschung.

Auf der Suche nach einer Alternative zu jedem Totalitarismus bemühte sich Dirks darum, Sozialismus und Katholizismus zusammenzubringen - in der katholischen Soziallehre, die das Individuum gleich doppelt einzubinden sucht: als Teil der Gemeinschaft, für die er eintritt, wie als Teil der Gemeinschaft, die für ihn eintritt.

Dirks, in Dortmund aufgewachsen in einem wegen der Krankheit des Vaters allmählich verarmenden Elternhaus, wollte diesem Leitgedanken Öffentlichkeit verschaffen. Und so wirkte er als Schriftsteller, Journalist und Publizist. Zunächst in der Rhein-Mainischen Volkszeitung, später als Feuilletonist in der Frankfurter Zeitung. Unmittelbar nach Kriegsende setzte sich Dirks für den Aufbau einer Zivilgesellschaft in Frankfurt am Main ein. Politisch sollte sich diese Vorstellung, in der Christentum und Sozialismus zusammenfließen sollten, in der CDU wiederfinden. Was heute auf den ersten Blich zumindest ungewöhnlich erscheint, konnte unter dem Schock der "zwölf ewigen Jahre", als die der Historiker Dan Diner die Zeit des Nationalsozialismus beschrieben hat, durchaus mit Resonanz rechnen: Noch im bundesweit relevanten Ahlener Partei-Programm der Christdemokraten findet sich die Überlegung, die mit Hitlers Herrschaft eng verknüpfte Schwerindustrie zu verstaatlichen.

Durchsetzen konnte sich Dirks mit seinen Ideen nicht. Aber der Publizist wirkte im Nachkriesgdeutschland nach. An der Seite von Eugen Kogon, der nach 1945 eine der ersten Charakterisierungen des SS-Staates versucht hatte. Sein gleichnamiges Buch brachte es auf eine hohe Auflage.

Kogon und Dirks vertrauten ähnlich wie Horkheimer auf die öffentliche Wirkung des Wortes. Hatte Horkheimer seinen Zusammenhang zwischen Faschismus und Nationalsozialismus in der Zeitschrift für Sozialforschung geknüpft, gaben Kogon und Dirks von 1946 an die Frankfurter Hefte heraus. Mit weitreichenden Folgen: keine Debatte ohne Bezug zu den Heften. Jede Überlegung zur Leitkultur kann von einer solchen Relevanz heute nur träumen.

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